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München – Der Osram-Vorstand hat die Hoffnung auf ein Übernahmeangebot der Finanzinvestoren Bain Capital und Advent für den Münchner Lichtkonzern noch nicht aufgegeben. Nachdem vergangenes Wochenende der steirische Chiphersteller Ams mit seinem Übernahmeversuch scheiterte, prüften große Teams von Bain und Advent weiter die Osram-Bücher, sagte Vorstandschef Olaf Berlien am Donnerstag. Er gehe davon aus, dass es die Beteiligungsfirmen mit der vor zwei Wochen angekündigten neuen Offerte ernst meinten.

Berlien hatte stets klar gemacht, dass er ein Engagement von Finanzinvestoren einer Übernahme durch Ams vorziehen würde. Deren mögliche Übernahme wird allerdings dadurch erschwert, dass Ams knapp 20 Prozent der Anteile gekauft hat und somit der größte Aktionär ist. Dadurch sei es für die Investoren fast unmöglich, auf die 75-Prozent-Mehrheit an Osram zu kommen, die sie für einen Beherrschungsvertrag bräuchten.

Ams hat noch Chancen

Berlien ließ allerdings auch die Tür für einen neuen Anlauf der Steirer offen. Osram habe seinen Aktionären von der Offerte von Ams eben nicht aus finanziellen Gründen abgeraten, sondern wegen starker Bedenken gegen die strategischen Pläne mit dem Unternehmen. "Wenn diese sich ändern, bin ich offen für ein Angebot", sagte Berlien.

Ams verstehe inzwischen besser, wie Osram funktioniere – etwa, dass die Kosten in der LED-Chip-Fabrik im malaysischen Kulim weit geringer seien als in Regensburg. Ams hatte geplant, nach einer Übernahme Produktion von der schwach ausgelasteten Fabrik in Asien nach Bayern zu verlagern.

Mögliches Umgehungskonstrukt

Ams könnte nach dem deutschen Übernahmegesetz umgehend einen neuen Anlauf zur Übernahme von Osram starten. Die vorgeschriebene Wartefrist von zwölf Monaten ließe sich leicht umgehen, indem Ams ein neues Übernahmeangebot über eine andere Tochterfirma laufen lasse. Das Unternehmen hatte für die Übernahme von Osram eigens die Opal Bidco gegründet.

Ein solches Vorgehen sei von Ams-Juristen zumindest diskutiert worden, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Ein anderer Insider sagte aber, Ams wolle erst abwarten, ob sich die Finanzinvestoren Bain Capital und Advent nicht doch mit einem eigenen Übernahmeangebot aus der Deckung wagten.

4,5 Millilarden-Angebot scheiterte

Ams war mit einem 4,5 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot gescheitert. Statt der geforderten 62,5 Prozent hatten nur 51,6 Prozent der Teilhaber das Angebot angenommen oder ihre Aktien direkt an Ams verkauft. Das wochenlange Hin und Her um Osram hat viele Privatanleger verunsichert, die knapp ein Viertel der Osram-Aktien halten.

Der deutsche Konzern ist einer der führenden Leuchtmittelhersteller weltweit, musste seine Umsatzerwartungen in diesem Jahr stark nach unten korrigieren. Somit bleibt das Unternehmen vorerst selbstständig und schreibt weiterhin Verluste. (red, Reuters, 10.10.2019)