Der Pianist Igor Levit begeisterte das Wiener Publikum.

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Er macht es sich nicht leicht, das ist deutlich zu spüren – und dennoch wirken die anspruchsvollsten, virtuosesten Stücke unter seinen Händen mühelos und fern jeder Anstrengung.

Noch vor zehn Jahren war Igor Levit nur wenigen bekannt, als unter Kritikern ein atemberaubender inoffizieller Mitschnitt von Beethovens Diabelli-Variationen kursierte. Später wurde er damit berühmt und machte auch mit Bach und Rzewski Furore.

Inbrunst und klare Linien

Kürzlich erschien seine Gesamtaufnahme der Beethoven-Sonaten – doch anstatt nun ausschließlich dafür hausieren zu gehen, wie das viele andere tun würden, spielte er im Musikverein am Mittwochabend ein völlig anderes Programm, das sich mehrfach gewaschen hat: nämlich sowohl konzeptuell als auch hinsichtlich der pianistischen Anforderungen eines Programms aus fast nur Transkriptionen und Arrangements.

Undankbar und etwas sperrig ist Brahms Bearbeitung der berühmten Chaconne aus Bachs Geigen-Partita d-Moll: wuchtig und schwer wie eine Mischung aus Orgel und Orchester tönte der ganz hervorragend intonierte Flügel bei Levit, der massive und trotz romantischer Inbrunst ganz klare Linien erschuf.

Fragil durchgebildet

Die Fantasia nach Johann Sebastian Bach von Ferruccio Busoni ließ er rätselvoll, visionär und feinschattiert nahezu nahtlos in Schumanns Thema und Variationen Es-Dur, WoO 24 (Geistervaritionen) übergehen: voller Zartheit, nahe am Stillstand und am Verstummen und noch im Leisesten feinfarbig und fragil durchgebildet.

Grandioser Farbenzauber auch bei Franz Liszts Feierlichem Marsch zum Heiligen Gral nach Wagners Parsifal, gedankenvolle, stupende Virtuosität bei Liszts Fantasie und Fuge über Ad nos, ad salutarem im Arrangement von Busoni.

Und Schumanns Arabeske brachte Levit als nachdenklich singende, humorvoll durchdrungene Zugabe. Standing Ovations im Goldenen Saal. (daen, 10.10.2019)