Die Mercedes-Benz-Arena in Schanghai war prall gefüllt, die Brooklyn Nets schlugen die Los Angeles Lakers 114:111.

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Daryl Morey hat sich entschuldigt und darf twittern.

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Die NBA im Konflikt mit China, das kommt einer internationalen Krise gleich. Nach einem Pro-Hongkong-Tweet von Houston-Rockets-General-Manager Daryl Morey und prompter Empörung Chinas drohte nun ein facettenreicher Konflikt zu eskalieren. Ein Fan-Event wurde abgesagt, das erste der beiden für diese Woche geplanten NBA-Testspiele fand aber statt, die Brooklyn Nets schlugen die Los Angeles Lakers um LeBron James am Donnerstag in Schanghai mit 114:111. Am Samstag ist ein weiteres Treffen in Shenzen angesetzt. Die beste Basketballliga steckt jedenfalls in einer Sinnkrise. Die NBA gab sich in der Vergangenheit eher progressiv, Spieler und Funktionäre durften sich zu allem äußern, Trump, Waffenwahn, Rassismus. Aber China?

Mit seinem Tweet hat Morey der Liga einen Streit mit ihrem größten Auslandsmarkt beschert. Seit dreißig Jahren macht die NBA in China Geschäfte, anfangs nur in kleinen Schritten. 2018 erreichte man aufgrund umfangreicher Lizenzverträge mit dem chinesischen Staatsfernsehen CCTV und dem Technologiekonzern Tencent rund 800 Millionen Zuseher, mehr als das Doppelte der US-Bevölkerung. Damit einher gehen lukrative Sponsorendeals, man spricht von mehr als 500 Millionen Dollar, die sich NBA-Klubs und Spieler untereinander aufteilen und die auch die Gehaltsgrenze, das sogenannte Salary Cap, nach oben schrauben.

Eingestiegen

Mit der wachsenden Popularität des Spiels stiegen auch chinesische Milliardäre ein. Joe Tsai, Mitbegründer des E-Commerce-Giganten Alibaba, kaufte im September die Brooklyn Nets, wurde erster chinesischer Besitzer eines US-Basketballteams. Für die Heimarena in Brooklyn, das Barclays Center, bezahlte Tsai eine Milliarde Dollar. Er bezeichnete die Proteste in Hongkong auf Facebook als eine separatistische Bewegung, was mit Verweis auf die koloniale Geschichte Hongkongs ein Reizthema sei in China. Der 55-jährige Tsai kam in Taiwan zur Welt.

Den Houston Rockets folgen beim chinesischen Nachrichtendienst Weibo mehr als doppelt so viele Menschen wie auf Twitter. Basketballriese Yao Ming, der einst für die Rockets spielte und den Investitionsboom mit auslöste, äußerte sich ebenfalls kritisch zu Moreys Tweet.

China droht, der NBA den Zugang zum chinesischen Markt zu verweigern. Damit würde der Liga viel Geld entgehen. Den größten Partner zu verärgern, nannte die NBA in einem ersten Statement "bedauerlich". Morey hatte den Tweet nach den Protesten gelöscht und sich entschuldigt, die Chinesen zeigten sich davon unbeeindruckt. NBA-Boss Adam Silver stellte klar, dass Morey das Recht zur freien Meinungsäußerung habe. "Werte wie Gleichheit, Respekt und Meinungsfreiheit machen die NBA aus." In der chinesischen Volkszeitung hieß es, "Leute wie Morey sollten begreifen, dass es nicht möglich ist, die Vorteile des chinesischen Marktes zu genießen und gleichzeitig die roten Linien des Landes zu überschreiten". Dass westliche Unternehmen sich zur politischen Lage lieber nicht äußern, wenn sie Geld in China verdienen wollen, ist bekannt. So twitterte NBA-Star James Harden: "Wir entschuldigen uns. Wir lieben China."

"Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit"

Fest steht, dass China auf die Liga als Ganzes kaum wird verzichten wollen. Dafür ist Basketball in der Gesellschaft zu populär. Die Schöpfer der US-Zeichentricksatire South Park wurden in China bereits zensuriert, sie antworteten mit einem Seitenhieb auf die Liga: "Wie die NBA begrüßen wir die chinesische Zensur in unseren Häusern und in unseren Herzen. Auch wir lieben Geld mehr als Freiheit." (Florian Vetter, 10.10.2019)