Foto: AP / Alastair Grant

"Ich akzeptiere, was andere denken. Ich hoffe, sie akzeptieren auch, was ich denke." Also sprach Eliud Kipchoge (34) am Donnerstag in Wien. Der Marathonläufer denkt, dass er die 42,195 Kilometer am Samstag auf der Hauptallee in weniger als zwei Stunden zurücklegen wird. Es handelt sich quasi um einen Laborversuch, der nicht als Weltrekord gelten würde. Den Kenianer und seinen Sponsor Ineos ficht das nicht an, sie sehen Parallelen zur Mondlandung.

  • 1:59:59

Eliud Kipchoge will als erster Mensch die Marathondistanz innert zwei Stunden laufen. Die Startzeit (zwischen 5 und 7 Uhr) wird am Freitag verlautbart.

  • 21.7.1969

Tag der (ersten) Mondlandung. Kipchoge und der ihn sponsernde britische Chemiekonzern Ineos nehmen darauf gerne Bezug.

  • 200

Anzahl der Länder, in denen Kipchoges Lauf live im TV zu sehen ist. Auch auf Youtube gibt es eine Übertragung, 300 JournalistInnen sind vor Ort.

  • 41

Anzahl der Tempomacher Kipchoges. Viele – wie die drei Ingebrigtsen-Brüder aus Norwegen – sind Laufsportstars. Sie steigen in Grüppchen ein und aus.

  • 2:00:25

Vor zwei Jahren blieb Kipchoge bei seinem ersten Versuch auf der Rennstrecke in Monza um 26 Sekunden über dem erklärten Ziel.

  • 4,3

Hauptalleelänge in Kilometern. Kipchoge läuft nach dem Start (Reichsbrücke) viermal hin (Lusthaus) & her (Praterstern) und ins Ziel (Meiereistraße).

  • Kein Wort

Was Ineos lockermacht, bleibt geheim. 2017 investierte Nike in Monza angeblich 30 Mio. Euro in "Breaking2", das knapp scheiterte.

  • 17,06

... Sekunden darf Kipchoge für 100 Meter im Schnitt brauchen. Oder für 60 Meter 10,24 Sekunden. Oder für einen Kilometer 2:50,64 Minuten.

  • 17.000

Ineos-Mitarbeiter-Anzahl. Jahresumsatz: gut 40 Mrd. US-Dollar. Ineos besitzt den Fußballklub OGC Nizza und ein Radteam.

  • 13,8 Mrd. $

Vermögen von Sir James "Jim" Ratcliffe, der 60 Prozent des wegen Fracking-Aktivitäten umstrittenen Ineos-Konzerns hält.

  • 2:01:39

Marathon-Weltrekord. Kipchoge lief ihn am 16. 9. 2018 in Berlin. Kenenisa Bekele (Äthiopien) fehlten vor zwei Wochen in Berlin zwei Sekunden.

  • Kein Euro

Für Wien und Marathon-Organisator Wolfgang Konrad ist die "Challenge" jedenfalls ein Gewinn. Ineos übernimmt alle Kosten.

Eliud Kipchoge in Zitaten:

  • Über seine Einstellung:

"Ich werde es schaffen. Ich freue mich auf Samstag. Eigentlich gibt es keine Grenzen. Die Grenzen, die man hat, existieren nur im Kopf. Ich versuche, bis Samstag so ruhig wie möglich zu bleiben."

  • Über Wien und die Strecke:

"Ich glaube nicht, dass wir bei den Turnarounds beim Lusthaus und am Praterstern Zeit verlieren werden. Der Kurs ist perfekt, eben und schnell. Und die Strecke liegt in einem großen Park, in dem die Luft sehr gut ist. Ich hoffe, es kommen viele Fans und feuern mich an."

  • Über erreichte und verfehlte Ziele:

"In Berlin ging es darum, zu laufen und Weltrekord zu erzielen. In Wien geht es darum, zu laufen und Geschichte zu schreiben. Vor zwei Jahren in Monza war ich ziemlich knapp dran. Jetzt bin ich um diese Erfahrung reicher, das hilft mir."

  • Über negative Gedanken:

"Jeder einzelne Faktor ist wichtig. Wetter, Tempomacher, Tagesverfassung. Natürlich kann immer etwas passieren, wir alle sind Menschen. Es wird nicht die eine kritische Stelle geben, jeder einzelne Kilometer ist kritisch. Aber ich denke nur daran, dass es gutgehen wird."

  • Über seine Prämie:

"Es geht nicht um Geld. Ich laufe, um Geschichte zu schreiben. Wenn Sie mir eine Prämie zahlen wollen, dann nur her damit. Zum ersten Mal sind meine Frau und meine drei Kinder bei einem Lauf dabei. Sie sollen Teil der Geschichte sein."

  • Über Skeptiker:

"Es ist ein Naturgesetz, dass nicht alle gleich denken. Ich akzeptiere, wie andere denken. Ich hoffe, sie akzeptieren auch, wie ich denke. Für den Marathon wäre das wie die Mondlandung, wenn ich es schaffe. Ich will eine Inspiration sein, nicht nur für Sportler, sondern für alle Menschen, die ein Ziel haben." (Fritz Neumann, 11.10.2019)