Eine Pistole aus dem 3D-Drucker.

Foto: APA

Die Tür der Synagoge in Halle verhinderte das Eindringen des antisemitischen Attentäters.

Foto: Reuters

Der rechtsextreme Attentäter von Halle hat Teile mehrerer Schusswaffen, die bei seinem mörderischen Anschlag zum Einsatz kamen, mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt. Es war der erste Terrorakt, bei dem derartige Waffen zum Einsatz kamen. Der Terrorismus hat in Halle damit ein neues Niveau erreicht. Nach Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" hatte der Attentäter Stephan B. zuvor offenbar selbst detaillierte Anleitungen zum Bau von Waffen im Internet verbreitet, darunter Pläne für eine Maschinenpistole, die er auch bei der Tat bei sich trug.

3D-Modelle für Magazine und Einzelteile

Der 27-Jährige, den die Polizei noch am Mittwoch festgenommen hatte, stellte zudem 3D-Modelle für Magazine und Einzelteile von Waffen ins Internet. "Frontal 21" liegen 38 Dateien vor. Mit entsprechender Technik ließen sich die Bauteile damit ausdrucken. Der Bau von Waffen – auch mithilfe eines 3D-Druckers – ist ohne behördliche Genehmigung in Deutschland und Österreich verboten.

Patronen mit Hakenkreuz

B. veröffentlichte zudem eine englischsprachige Anleitung zur Herstellung von Munition für eine selbstgebaute Schrotflinte. Auf einem Foto ist zu sehen, dass auf eine der Patronen ein Hakenkreuz aufgemalt wurde. Die Zeitstempel der Bilddateien legen nahe, dass B. spätestens im Juni mit den Vorbereitungen für einen Anschlag begann.

"Liberator"

In den USA sorgten Waffenaktivisten im vergangenen Jahr für Aufregung, als sie mit dem Verkauf von Bauplänen für 3D-Waffen begannen. Treibende Kraft dahinter war ein Mann namens Cody Wilson, der bereits 2013 Pläne für seine Waffe aus dem 3D-Drucker im Internet veröffentlichte: Der "Liberator" ("Befreier") ist eine einschüssige Pistole fast ganz aus Plastik, die von Metalldetektoren kaum erkannt und mangels Seriennummer nicht zurückverfolgt werden kann. Schusswaffen aus Metall sind allerdings viel zuverlässiger und haltbarer als jene aus Plastik. Gegen diese Veröffentlichung klagten zahlreiche Bundesstaaten und Aktivisten. Unabhängig vom 3D-Druck ist es in den USA legal, sich selbst eine Schusswaffe zu bauen. (sum, 11.10.2019)