Im Gedenken an die großteils südkoreanischen Opfer wurde ein Kranz niedergelegt

Foto: Reuters / Bernadett Szabo

Budapest – Fast fünf Monate nach einem Schiffsunglück auf der Donau in Budapest, bei dem 28 Touristen ums Leben gekommen sind, sind die polizeilichen Untersuchungen abgeschlossen und die Dokumente der Staatsanwaltschaft übergeben worden. Eine Klage gegen den 64-jährigen Kapitän des Hotel-Cruisers "Sigyn", der den kleinen Ausflugsdampfer "Nixe" mit 33 südkoreanischen Touristen und zwei Besatzungsmitgliedern an Bord, gerammt hatte, wird derzeit vorbereitet.

Am 29.Mai hatte der Cruiser den kleineren Dampfer gerammt, wodurch dieser innerhalb von Sekunden in der Donau versank. Nur sieben Insassen überlebten das Unglück, nach ein Opfer wird nach wie vor vermisst. Der Abschluss der Ermittlungen wurde am Dienstag auf einer Pressekonferenz des Budapester Polizeipräsidiums bekanntgegeben. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft wird die Klage gegen den Kapitän nach Ablauf einer 30-tägigen Frist eingereicht. Bis dahin bleibt der Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Kapitän hat Schiff nicht gesehen

Der ukrainische Kapitän der unter Schweizer Flagge fahrenden "Sigyn" war nach der Katastrophe verhaftet worden. Gegen den Ukrainer wurde wegen des Verdachts der Gefährdung des Schiffsverkehrs mit Todesfolge ermittelt. "Der Kapitän war definitiv in der Kontrollkabine zum Zeitpunkt des Unfalls", sagte der Budapester Polizeipräsidenten Adrian Pal. Auch sei der Kapitän nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen beeinträchtigenden Substanzen gestanden. "Er hat die Mermaid tatsächlich nicht gesehen, ganz einfach. Er hat sie nie gesehen bevor er sie rammte.", so Pal.

Laut Polizei wurde ein gesondertes Verfahren gegen den Kapitän und die Besatzung eines weiteren Hotelschiffs namens "Viking Idun" wegen unterlassener Hilfeleistung angestrengt. Dabei soll deren Verantwortung im Zusammenhang mit der Tragödie um die "Nixe" festgestellt werden, zitierte die ungarische Nachrichtenagentur MTI den Stellvertreter des Budapester Polizeipräsidenten, Adrian Pal. (APA, red, 15.10.2019)