Zebramuscheln sind vor allem in Nordamerika als durchsetzungskräftige Bioinvasoren gefürchtet – aber sie haben auch gute Seiten.
Foto: AP Photo/Texas Parks and Wildlife, Monica McGarrity

Dübendorf – Man nehme etwas Gutes und noch etwas zweites Gutes und habe als Ergebnis ... nicht etwa einen doppelt so großen positiven Effekt, stattdessen steht man plötzlich vor einem Scherbenhaufen. Wieder einmal zeigt sich, dass die Wechselwirkungen in der Natur etwas komplexer sind als die obige Milchmädchenrechnung. Von einem solchen Fall berichten nun Schweizer Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

Hintergrund

Wenn zu viele Nährstoffe – etwa Rückstände von Düngemitteln – in ein Gewässer gelangen, leidet dessen ökologisches Gleichgewicht. Sie können beispielsweise die Vermehrung von Algen befeuern und so zu einer Algenblüte führen, die dem Wasser Sauerstoff entzieht. Besonders problematisch für den Menschen ist die Vermehrung von Blaualgen, die giftige Stoffe produzieren und Hautausschläge hervorrufen können. Für manche Wasserorganismen sind diese Stoffe sogar tödlich.

Zum Glück gibt es aber auch Spezies, die einer solchen Überdüngung entgegenwirken. Sowohl Muscheln als auch verschiedene Wasserpflanzen klären das Wasser und halten das Algenwachstum im Zaum. Forscher um Anita Narwani von der Schweizer Forschungsanstalt Eawag haben sich zwei solcher Nützlinge herausgegriffen und deren Effektivität getestet.

Das Experiment

In Versuchsteichen mit Wasser aus einem See setzten sie zwei sehr unterschiedliche Spezies aus, die aber beide der Wasserqualität nützen können. Die eine war das Ährige Tausendblatt (Myriophyllum spicatum), eine einheimische Wasserpfanze. Und die andere die Zebra- oder Wandermuschel (Dreissena polymorpha), die in weiten Teilen Europas vorkommt, in vielen Regionen allerdings den Status einer Bioinvasorin hat – der Begriff "Nützling" wird mit ihr also etwas strapaziert, aber in Bezug auf die Wasserklärung passt er.

Ein Teil der Versuchsteiche enthielt nur die Muscheln, andere nur die Pflanzen, beide Spezies in Kombination oder keine von beiden. Anschließend simulierten die Forscher Überdüngung und gaben dem Wasser alle zwei Wochen steigende Mengen an Phosphor und Nitrat bei. Anschließend sammelten sie drei Monaten lang Daten.

Die Ergebnisse

Wie erwartet zeigten sowohl die Teiche nur mit Muscheln als auch diejenigen nur mit dem Ährigen Tausendblatt geringere Algenblüte als die Teiche, in denen beide Spezies fehlten. Überraschend war jedoch, dass Algen in den Versuchsteichen mit der Kombination aus Muscheln und Pflanzen deutlich stärker wuchsen und die Algenblüte nach erhöhtem Nährstoffeintrag länger anhielt. Zudem nahmen dort die Blaualgen überhand: das exakte Gegenteil des Wunschergebnisses, wenn man eine "Biologische Kläranlage" im Teich aussetzen wollte.

"Die Muscheln und Wasserpflanzen klären das Wasser zwar, sie reduzieren aber vor allem den Anteil an Grünalgen", erklärt Narwani den Zusammenhang. Die Blaualgen seien jedoch resistenter. Sie konnten sich daher mit zunehmenden Nährstoffgehalt und abnehmender Grünalgenpopulation stark vermehren.

Die Studie bestätige, dass die Stabilität aquatischer Ökosysteme stark von komplexen Wechselwirkungen zwischen Arten beeinflusst werde, so Narwani. Sie unterstreiche zudem, wie das Eindringen neuer Arten Ökosysteme aus dem Gleichgewicht bringen können. Dies sei insbesondere für das Management von Seen wichtig. (red, APA, 18. 10. 2019)