Ob Lega-Chef Matteo Salvini 200.000 Menschen animieren konnte, am "Marsch auf Rom" mitzumachen, oder doch weniger, war am Samstagabend nicht klar.

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Rom – Sieben Wochen nach dem Antritt der neuen italienischen Regierung haben der Chef der rechten Lega, Matteo Salvini, und der viermalige Premier Silvio Berlusconi eine Großkundgebung gegen die derzeitige Koalition aus Sozialdemokraten und "Fünf-Sterne"-Bewegung angeführt. "Orgoglio Italiano" (Italienischer Stolz) lautete der Slogan der Demonstration auf der Piazza San Giovanni.

Alle Schwergewichte des Mitte-Rechts-Lagers – von Salvini über Berlusconi bis zur Chefin der postfaschistischen Partei "Brüder Italiens" Giorgia Meloni, – beteiligten sich an der Protestkundgebung gegen die Regierung von Giuseppe Conte auf dem Platz vor der Lateranbasilika, wo einst die Großveranstaltungen der italienischen Linken stattgefunden hatten. Die Mitte-Rechts-Kräfte forderten geschlossen Neuwahlen und kritisierten die Haushaltspläne der zweiten Regierung Conte.

Busse und Sonderzüge aus ganz Italien

Die Demonstration ist sozusagen der Höhepunkt einer wochenlangen Kmapagne, die Salvini quer durchs Land geführt hatte. Mitgewirkt hat auch der zur Lega gehörende Präsident von Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien, Massimiliano Fedriga. Er gilt als Scharfmacher, hatte im Frühjahr eine Mauer oder Barrieren an der Grenze zum EU-Nachbarn Slowenien gefordert, um Migranten fernzuhalten. Sollte die Zahl der Migrantenankünfte nicht nachlassen, sollte auch das Schengen-Abkommen außer Kraft gesetzt werden, forderte Fedriga am Samstag erneut.

500 Busse und acht Sonderzüge führten Mitte-Rechts-Anhänger aus ganz Italien nach Rom. Für Ex-Innenminister Salvini ist es ein Erfolg, Berlusconi für die Großveranstaltung in Rom gewonnen zu haben. Solange die Lega noch mit der Fünf-Sterne-Bewegung regiert hatte, führte Berlusconis Forza Italia eine scharfe Opposition gegen den einstigen Verbündeten. Nach dem Sturz der ersten Regierung Conte im August will der TV-Tycoon nun die Mitte-Rechts-Allianz wiederbeleben.

Umbrien auf rechts drehen

Bei der Großdemonstration äußerten die Mitte-Rechts-Chefs die Hoffnung, dass ihre drei verbündeten Parteien die Regionalwahlen in der mittelitalienischen Region Umbrien am 27. Oktober gewinnen werden. Die Region ist traditionsgemäß eine Hochburg der Linken. Der Partito Democratico hat in Umbrien ein Bündnis mit der Fünf Sterne-Bewegung abgeschlossen. Die Regionalwahlen in Umbrien gelten als wichtiger Wahltest für die Regierungskräfte.

Bei der Protestkundgebung in Rom startete Salvini eine Unterschriftensammlung gegen die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi, Spitzenpolitikerin der Fünf-Sterne-Bewegung, der Inkompetenz vorgeworfen wird. Zugleich lancierte Salvini eine Kampagne für die Einführung des reinen Mehrheitswahlrechts und für die Direktwahl des Staatschefs in Italien. (APA, 19.10.2019)