Die von Facebook geplante Digitalwährung Libra ist der Gott-sei-bei-uns der Währungshüter.

Foto: Reuters / Dado Ruvic

Washington – Der deutsche Privatbankenverband BdB hat sich erstmals für eine staatliche Digitalwährung ausgesprochen und will damit Pläne von Facebook verhindern. "Eine private Währung wie Libra wäre mit enormen Risiken verbunden, die in keiner Weise hinnehmbar sind", sagte BdB-Präsident Hans-Walter Peters am Rande der Herbststagung des Internationalen Währungsfonds in Washington.

Sie würde Risiken für die Finanzstabilität und einzelne Anleger bergen sowie Fragen zur Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung aufwerfen. "Private Währungen, die ein mehr oder weniger ungeregeltes Eigenleben führen, dürfen die staatliche Geldordnung nicht untergraben." Trotzdem hätten digitale Devisen ein großes Potenzial und könnten den weltweiten Zahlungsverkehr wesentlich effizienter machen.

Markt nicht Libra überlassen

"Wir brauchen in Europa deswegen den digitalen Euro", forderte Peters. Die EZB müsse diesen ausgeben. "Das wäre ein wichtiger Beitrag für ein stärkeres Europa." Den Banken wird immer wieder vorgeworfen, dass der grenzüberschreitende Zahlungsverkehr für Kunden zu teuer ist und zu lange dauert. "Wir sind hier gefordert." Die Branche dürfe neuen Ideen nicht im Weg stehen. "Wenn Europa sich bei diesem Thema nicht selbst bewegt, dann werden wir von anderen bewegt, getrieben oder gar aus dem Weg geschubst." Der Markt dürfe nicht anderen überlasen werden.

Experten trauen Facebook mit seinen 2,4 Milliarden Nutzern zu, mit dem Libra-Projekt das globale Finanzsystem auf den Kopf stellen zu können. Der Widerstand von staatlicher Seite ist jedoch groß. Der deutsche Finanzminister Olaf Scholz hat seine Kritik in Washington gerade erst erneuert, private Firmen sollten nicht in Konkurrenz zum Euro oder Dollar treten. Scholz hatte aber auch stärker als zuletzt betont, dass die Finanzbranche dringend effizienter werden müsse.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion will sich für eine staatliche Kryptowährung einsetzen. In der SPD gibt es aber viele skeptische Töne. Auch der Deutsche-Bundesbank-Präsident Jens Weidmann ist nicht überzeugt: "Einen unmittelbaren Bedarf für digitales Zentralbankgeld sehe ich nicht." Allerdings müssten Notenbanken klären, was mögliche Auswirkungen wären, wenn es dies doch gäbe. (Reuters, 20.10.2019)