Die stellvertretende Polizeichefin Pippa Mills äußert sich zum Fall.
DER STANDARD

Essex – Gegen 1:40 Uhr in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wurde die Polizei von Essex von Rettungssanitätern zum Waterglade Industrial Park östlich von London gerufen. Dort fanden die Beamten in einem Lastwagencontainer 39 Leichen. Bei den Toten soll es sich um 38 Erwachsene und einen Teenager handeln. Der 25-jährige Fahrer des Lastwagens wurde festgenommen. Gegen den Nordiren wird wegen des Verdachts auf Mord ermittelt. Alle Opfer waren beim Eintreffen der Einsatzkräfte bereits tot.

Die Polizei ist Moment mit der Identifizierung der Leichen beschäftigt. Der Waterglade Industrial Park bleibt vorerst gesperrt.
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Der Lastwagen, in dem die Leichen gefunden wurden, soll aus Bulgarien gekommen und über Irland nach England gefahren sein.
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Die Ermittler gehen davon aus, dass der Lastwagen in Bulgarien gestartet ist und am Samstag mit einer Fähre über Holyhead in Großbritannien ankam. In der Hafenstadt im Norden von Wales legen vor allem Fähren aus Irland an. Frachtexperten bezeichneten das als ungewöhnliche Route, falls das Fahrzeug tatsächlich aus Bulgarien stammen sollte.

Das bulgarische Außenministerium konnte zunächst nicht bestätigen, dass der Lkw seine Reise tatsächlich dort begonnen habe. Derzeit sind die Beamten noch mit der Identifizierung der Opfer beschäftigt.

Premierminister Boris Johnson drückte auf Twitter seine Betroffenheit über den tragischen Fund aus und versicherte, dass das Innenministerium eng mit der Polizei von Essex zusammenarbeite, um für Aufklärung zu sorgen. Johnson forderte, Menschenschmuggler zu verfolgen und vor Gericht zu stellen.

Auch Innenministerin Priti Patel drückte allen Betroffenen ihr Beileid aus und sagte: "Die Polizisten von Essex haben eine Person festgenommen, und wir müssen ihnen Zeit für ihre Ermittlungen geben. Beamte des Innenministeriums arbeiten eng mit ihnen zusammen, um herauszufinden, wie es zu diesem schrecklichen Ereignis kam."

Ungewöhnliche Route

"Diese Tragödie unterstreicht die Gefahr von Schlepperei in Containern", sagte Richard Burnett, CEO der britischen Spediteursvereinigung. Wenn der Lkw vom europäischen Festland kommend über Irland nach Großbritannien gefahren ist, sei es außerdem sehr unwahrscheinlich, dass er kontrolliert wurde, so Burnett. Aufgrund der Migrationsproblematik gebe es in den Häfen Dover und Calais weitaus mehr Kontrollen.

Ein Grund für die ungewöhnliche Route nach Großbritannien könnte also das Umgehen dieser Kontrollen gewesen sein. Aufgrund der verstärkten Kontrollen in Dover und Calais, "ist es wahrscheinlich einfacher, von Cherbourg oder Roscoff über Rosslare einzureisen und dann bis Dublin zu fahren. Das ist ein langer Weg und kostet mindestens einen Tag Fahrzeit", sagte Seamus Leheny von der nordirischen Frächtervereinigung. (red, 23.10.2019)