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Apple hat seinen Videostreaming-Dienst Apple TV+ am Freitag in mehr als 100 Ländern gestartet. Ohne Anmeldung oder Gebühr können Apple TV-, iPhone- und iPad-Nutzer via App bereits die neuen Serien sehen. Zugang haben bis zu sechs Nutzer. Sie können dafür eine Handvoll Serien und Filme ansehen – das Angebot beinhaltet ausschließlich Eigenproduktionen. Darunter "The Morning Show" mit den Hollywood-Stars Reese Witherspoon und Jennifer Aniston.


4,99 Euro

Wann für die Nutzung Apple Geld sehen will, ist derzeit unklar. Ein Apple-TV+-Abo kostet dann monatlich 4,99 Euro. Damit unterbietet das Unternehmen den Rivalen Netflix um drei Euro. Für Apple ein bemerkenswerter Schritt, da das Unternehmen nicht gerade für seine niedrigen Preise bekannt ist. Apple ändert derzeit seine Strategie grundlegend: Der Konzern will mehr Geld mit Abo-Diensten einnehmen und sich unabhängiger vom iPhone machen, seinem mit Abstand wichtigsten Geldbringer. Zu den neuen Angeboten gehört, neben Apple Music auch ein Abo-Angebot mit exklusiven Spielen unter dem Namen Apple Arcade.

"For all Mankind" gilt als die interessanteste Apple-Serie.

Netflix gibt sich zum Start von Apple TV+ betont gelassen. Die neue Konkurrenz kann weder bei der Qualität noch bei der Vielfalt mithalten. Es ist aber keine ausgemachte Sache, dass Netflix mit seinen knapp 158 Millionen Nutzern weiterhin den Ton in der Branche angibt. Die finanzstarke Newcomer wird alles daran setzen, rasch eine große Reichweite zu erzielen.

Kritik an Streaminganbieter

Derzeit stehen Streaminganbieter in der Kritik. Ihr Angebot geht zu Lasten der Umwelt. Eine halbe Stunde Streaming verursacht laut Berechnungen des französischen Think Tanks The Shift Project Emissionen, die 1,6 Kilogramm Kohlendioxid entsprechen – etwa so viel wie bei einer Autofahrt von 6,28 Kilometern. Streaming war demnach im vergangenen Jahr für einen Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich, der genauso hoch war wie der Spaniens. Diese Menge werde sich in den nächsten sechs Jahren voraussichtlich verdoppeln, schätzt The Shift Project.

Die Streamingbranche wächst. Immer mehr Menschen haben Zugang zum Internet. Und neue Streamingdienste kommen hinzu-. 34 Prozent des globalen Datenverkehrs entstehen durch das Streamen von Videos bei Anbietern wie Netflix und Amazon Prime. An zweiter Stelle kommt Online-Pornografie.

4K braucht mehr Strom

"Digitale Videos kommen in sehr großen Dateien, und die werden mit jeder neuen Generation von Videos mit höherer Auflösung immer noch größer", sagt Gary Cook von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Die Bildschirme werden ständig größer, die Auflösung und die Dateigrößen dementsprechend auch. Das bedeute einen wachsenden Energieverbrauch, sagt Cook.

Bildschirme mit 4K-Auflösung brauchen laut der Umweltschutzorganisation Natural Resources Defense Council etwa 30 Prozent mehr Strom als solche mit HD-Qualität. Vergangenes Jahr kamen die ersten 8K-Monitore auf den Markt. Einen großen Teil der Energie fürs Streaming verschlingen die Server, auf denen die Video-Dateien liegen.

Verschwendung von Ressourcen

Um schnelles Streaming ohne Stocken zu garantieren, "werden die Anlagen auf allen Ebenen überdimensioniert", sagt Laurent Lefevre vom französischen Forschungsinstitut Inria. "Die Folge ist eine Verschwendung von Ressourcen auf allen Ebenen."

Die Anbieter bemühen sich in erster Linie um technische Lösungen, um die Umweltbelastung reduzieren – wie etwa eine klimafreundlichere Kühlung der Rechenzentren oder Codierungen, die die Datenmengen verringern. Experten bezweifeln jedoch, dass sich der ökologische Fußabdruck des Streamings dadurch begrenzen lässt. "Denn technologische Verbesserungen schaffen neue Nutzungsmöglichkeiten", sagt Maxime Efoui-Hess von The Shift Project.

Die Konsumenten müssten Druck auf die Anbieter ausüben, ihre Rechenzentren mit erneuerbaren Energien zu betreiben, fordert Gary Cook von Greenpeace. Forscher Lefevre appelliert an jeden Einzelnen, sein Nutzungsverhalten zu ändern: Am schädlichsten sei es, Filme auf dem Smartphone über eine mobile Datenverbindung zu streamen. Sparsamer ist es demnach, Videos in niedrigerer Auflösung im Wlan anzusehen. Auch die Autoplay-Funktion abzuschalten hilft, weil dadurch Mediendateien nicht mehr automatisch abgespielt werden. (sum, 1.11. 2019)