Das RSO-Wien profitiert von der guten Arbeit Marin Alsops

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Das Festival Wien Modern bietet doch immer fast allen etwas – bisweilen schon zum Start: Nostalgiker genossen Luciano Berios nach wie vor durch seine innere Farbpracht berückenden Klassiker Sinfonia, der aus sich auch Momente von Gustav Mahlers zweiter Symphonie herauswachsen lässt. Das RSO-Wien unter der resoluten Leitung von Marin Alsop (und mit der vokalen Quirligkeit der Swingles) erweckte das Monument der raffinieren Moderne im Sinne der subtilen Energieentfaltung.

Dass nach solch intensiver Stunde zum Konzertschluss noch Jón Leifs‘ Hekla herbeidonnerte, erwies sich jedoch als eher überbordendes Geschenk. Nach Sinfonia bedurfte es mehr des inneren Nachklingenlassens als eines Werkes, das in einem langsamen Crescendo Intensität mittels Lautstärke generiert. Was vor der Pause als interessanter Ausflug zu expressiver Komplexität aufgerüttelt hätte, erwies sich als zu viel des gut Gemeinten.

Freunde des Leisen kamen bei Clara Iannottas Moult auf ihre sanfte Rechnung. Eine Atmosphäre des Wehens prägt das Stück, das eine Art bewegte Regungslosigkeit zelebriert. Glissandi, Einzelimpulse, tickende Pointen, Flächen und eine diskrete repetitive Motorik kombinierende Strukturen ließen den Eindruck aufkommen, im Inneren einer entspannten Raucherlunge zu sein.

Ein eher zugedecktzes RSO

Mehr Bewegung, also ein munteres Ausreizen des großen Apparats, der sich mittels struktureller Kollisionen zu heftigem Wellengang emporschwang, bot Agata Zubels "Fireworks". Das instrumentale Theater hatte es nicht schwer zu punkten, es erklang nach Peter Ablingers Neuheit "4 WEISS". Das RSO-Wien mühte sich wacker ab an mutmaßlich kulinarischen Linien. Exakteres konnte nicht wahrgenommen werden. Ablinger lässt auf das Orchester beharrlich lautes weisses Rauschen herabregnen, dass die Arbeit von RSO und Dirigentin bewusst zur Pantomine formt.

Das Stück, das gewisses Schädelbrummen auslöste, wirkte wie eine Art Selbstübermalung, wie eine Art Selbstverhinderung. Ein Stück als Antistück – warum nicht? Dass die Stille hernach erlösend empfunden wurde, hinderte eine Menge Hörer nicht daran, Ablinger, der sich der Bewertung stellte, in einen Buhteppich einzuhüllen. Die Ablehnung war allerdings nur ein Zeichen des im Konzertsaal selten gewordenen Aufbegehrens, das zum Wesen der Moderne ja auch gehört. (Ljubiša Tošic, 1.11.,2019)