Bei Donald Trump ist der Ton auf Twitter ähnlich, wie auf seinen Wahlkampfveranstaltungen.

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Der amtierende US-Präsident ist ein Social-Media-Schwergewicht. Insbesondere auf Twitter gibt er sich gegenüber seinen rund 67 Millionen Followern regelmäßig sehr mitteilsam. Mehr als 11.000 Botschaften hat er auf der Plattform mittlerweile seit seinem Amtsantritt verfasst. Die New York Times hat diese einer umfassenden Analyse unterzogen und kommt zu bedenklichen Erkenntnisse.

Trump nutzt seine Reichweite nicht nur für die Verbreitung seiner eigenen Kernbotschaften und den üblichen Tiraden gegen Kritiker. Regelmäßig teilt er auch Botschaften von dubiosen Nutzern und macht damit teilweise Verschwörungstheorien und Hashtags plötzlich relevant, die vorher kaum eine Rolle spielten. Der Verdacht liegt nahe, dass manche ihn wegen seiner Reichweite gezielt ausnutzen.

Unbekannter Hashtag wird plötzlich populär

Ein Beispiel wäre etwa der Hashtag "FakeWhistleblower", mit dem Trump einen Mitarbeiter des Weißen Hauses angriff, der Informationen in der Ukraine-Affäre weiter gegeben hatte, die mittlerweile Grund für offizielle, vom Kongress beschlossene Untersuchungen für ein mögliches Amtsenthebungsverfahren ist.

Erfunden hat er den Hashtag nicht selber, er kann auf einen weitgehend unbekannten Nutzer zurückgeführt werden, der der QAnon- Verschwörungstheorie anhängt. Bevor Trump ihn verwendete, spielte das Schlagwort kaum eine Rolle. Unmittelbar nachdem das Staatsoberhaupt es selbst verwendete, wurde es stündlich 1.200 Mal genutzt. Seitdem ging die Verwendung zwar wieder stark zurück, liegt aber bis heute immer noch um ein Vielfaches über den Ausgangswerten.

Dubiose Retweets

217 Mal hat er seit Beginn seiner Amtszeit auch Botschaften anderer, unverifizierter Accounts weiter verbreitet. Darunter auch einer, der die Behauptung weiter verbreitete, die Demokraten würden einen Kinderpornoring betreiben, dessen Hauptquartier in einer Washingtoner Pizzeria sei ("Pizzagate") sei sowie eine Botschaft, in der behauptet wurde, die Proteste gegen Trump seien von seinem Amtsvorgänger Obama inszeniert worden. 145 der unverifizierten Accounts dienen oder dienten offenbar der Verbreitung extremistischer Inhalte oder Verschwörungstheorien, mehr als zwei Dutzend wurden mittlerweile von Twitter gesperrt.

Manche der Konten ereilte die Schließung, weil sie gemäß Erkenntnissen von Twitter Teil einer aus Russland gesteuerten Kampagnen gewesen sind. Gerade aus dieser Richtung kommen immer wieder scheinbar persönliche Lobesbekundigungen an den US-Präsident oder Hinweise auf Onlineartikel und Videos, die in seine Agenda passen.

Direktanbindung an die "dunkelsten Ecken im Web"

Auch über die Accounts, denen Trump selbst direkt folgt – hauptsächlich Familienmitglieder, republikanische Parteikollegen und Fox News-Mitarbeiter – , gelangt er immer wieder an dubiose Inhalte, die er weiter verbreitet. 2017 etwa teilte er Tweets einer britischen Rechtsextremen, in denen auf Videos mit irreführendem Inhalt oder Beschreibung verlinkt wurde. Zuvor hatte Ann Coulter, rechte Kommentatorin und Parteikollegin von Trump, diese geteilt.

Mit dem Amtseinzug von Trump sei erstmals der "ultimative Sitz der Macht" im weißen Haus direkt angebunden an "die dunkelsten Ecken im Web", heißt es weiter in der Analyse. Trump selbst dürfte darin kein Problem sehen, denn schon vor seiner Wahl 2016 war er solchen Inhalten nicht abgeneigt. So gehörte er etwa zu jenen, die jahrelang die Herkunft von Barack Obama anzweifelten und unter Verwendung des Hashtags "FakeBirthCertificate" die Echtheit einer Geburtsurkunde anzweifelten. Und während seines Wahlkampfs sorgte er selbst für für die Verbreitung von Schlagworten wie "CrookedHillary".

Bekanntes Muster

Obwohl er vor seinem Amtsantritt angekündigt hatte, sich im Ton mäßigen zu wollen, hat sich an seinem Verhalten danach nicht viel geändert. Gerade, wenn es um Untersuchungen und Kritik gegen ihn geht – reichend von den Mueller-Ermittlungen aufgrund möglicher Russland-Kontakte über Insider-Leaks aus dem Weißen Haus bis hin zur Ukraine-Affäre – scheint jedes Mittel recht, um seine Gegner in Zweifel zu ziehen.

Dubiose Accounts haben auch für einen seiner aktuell wichtigsten Widersacher, den kalifornischen Demokraten Adam Schiff, der dem Intelligence Committee des Kongresses vorsitzt, bereits einige Hashtags vorbereitet. Schlagworte wie "LyingSackofShiff" liegen schon bereit, fanden beim US-Präsident bislang aber noch keinen Anklang. Trump entschied sich für eine eigene Variante, um sich weiter über die Ermittlungen aufzuregen: "StopTheCoup". (red, 04.11.2019)