Der Skandal um Borkai wurde für das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Fidesz, der Partei von Regierungschef Viktor Orban, bei den ungarischen Kommunalwahlen verantwortlich gemacht.

Foto: Reuters/Laszlo Balogh

Győr – Der in einen Sex- und Korruptionsskandal verwickelte ungarische Bürgermeister Zsolt Borkai tritt von seinem Amt zurück. Das gab er in einem offenen Brief an die Bürger seiner Stadt Győr bekannt, meldete die Nachrichtenagentur MTI am Mittwoch. Der Rücktritt soll am Freitagnachmittag erfolgen.

Ein anonymer Blog hatte kurz vor der Kommunalwahl am 13. Oktober Fotos und Videos veröffentlicht, auf denen der Politiker der rechtskonservativen Regierungspartei Fidesz und ehemalige Turn-Olympiasieger bei einer Orgie mit Prostituierten auf einer Luxusjacht vor Kroatien zu sehen ist. Der Blog, dessen Urheber bis heute nicht bekannt sind, warf Borkai und seinem Umfeld zudem massive Korruption vor – den Ausflug mit der Luxusjacht etwa soll der Politiker dem Blog zufolge mit Staatsgeldern bezahlt haben.

Der offene Brief des Bürgermeisters, dessen Rücktritt demnach am Freitag in Kraft treten soll.

Austritt aus Fidesz-Partei

Der Skandal wurde für das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Fidesz, der Partei von Regierungschef Viktor Orbán, bei den Kommunalwahlen verantwortlich gemacht. Borkai, der seit 13 Jahren die prosperierende westungarische Industriestadt Győr regierte und als populär galt, wurde zwar wiedergewählt, jedoch vergleichsweise knapp. Unmittelbar nach der Wahl trat er aus der Partei aus, nahm aber zunächst das Bürgermeisteramt an.

Nun erklärte er in dem Brief, er trete "mit Blick auf die moralische Situation" zurück, um den Weg für eine andere Person freizumachen, "die würdig ist, unsere geliebte Stadt zu führen". Gleichzeitig wies er die Korruptionsvorwürfe erneut entschieden als Lügen zurück: "Ich habe nicht gestohlen und nicht betrogen." Für die Beteiligung an der Sexorgie in Kroatien entschuldigte er sich, betonte aber, er habe die Reise "auf eigene Kosten" unternommen.

Regierung über Rücktritt erleichtert

Die Regierung zeigte sich am Mittwoch erleichtert über die Rückzugsankündigung. "Heureka!", antwortete Kanzleiminister Gergely Gulyás auf eine entsprechende Journalistenfrage bei einer Pressekonferenz in Budapest, berichtete das Portal "Index". In Győr muss nach Angaben des Portals 24.hu innerhalb von 120 Tagen nach dem Rücktritt eines Bürgermeisters eine Neuwahl stattfinden. (red, APA, 6.11.2019)