Beim Boarding ist nicht nur die Platzvergabe entscheidend, sondern auch, wie viel Gepäck die Gäste bei sich haben.

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Wien – Wilma reist ab heute, Donnerstag, durch ganz Europa. Gemeint ist damit nicht die rothaarige Ehefrau von Fred Feuerstein, sondern das neue Boardingsystem bei Lufthansa, AUA und Swiss. Wilma – kurz für "Window-Middle-Aisle" – beschreibt die Reihenfolge, in der Passagiere auf Europaflügen künftig das Flugzeug besteigen dürfen. Zuerst setzen sich – wie berichtet – Gäste, die einen Fensterplatz gebucht haben, anschließend jene am Mittelsitz; Gangplätze werden zuletzt belegt.

Nach wie vor haben Familien mit kleinen Kindern oder mobilitätseingeschränkte Gäste Vorrang. Darauf folgen – wie gehabt – Passagiere der Business-Class. Die übrigen Reisenden dürfen je nach Sitzplatz das Flugzeug besteigen. Familien, Paare und Gruppen würden zum Einsteigen aber nicht getrennt werden, heißt es bei Lufthansa.

Das Wilma-System ist dabei nur eines von mehreren, mit denen Airlines versuchen, möglichst viel Zeit vor dem Abflug einzusparen. Untersuchungen zu den vermeintlich effektivsten Boardingsystemen gibt es zahlreiche, das Wilma-System schneidet dabei nicht unbedingt am besten ab. Bei beinahe allen Methoden haben Business-Kunden Priorität.

Von hinten nach vorne

Das Standardsystem, bei dem Passagiere das Flugzeug von hinten nach vorn, Reihe für Reihe befüllen, gilt weitgehend als langsamste Variante. Wesentlich schneller boarden Passagiere nach Ansicht mehrerer Experten, wenn Plätze zufällig besetzt werden – etwa nach der Reihenfolge des Check-ins. Bei US Airways wird dieses System, das gleich mehrere Minuten im Vergleich zum Standardsystem einsparen soll, seit 2009 angewandt.

Der effizienteste Weg, das Flugzeug zu befüllen, ist laut dem US-Physiker Jason Steffen, Passagiere in Blöcken in den Flieger zu lassen. Die Ladezeit könne so auf ein Fünftel reduziert werden. Steffen, der eigentlich zu Exoplaneten forscht, entwickelte das System, als er selbst am Flughafen in der Schlange stand.

Platz zum Verstauen

Der Physiker ging bei seiner Berechnung von einem Flieger mit 120 Sitzen und 20 Reihen aus. Passagiere steigen dabei in Gruppen von jeweils zehn Menschen ein. Sie sollten idealerweise jeweils eine Reihe getrennt voneinander sitzen, damit sie einander beim Verstauen nicht im Weg stehen.

Gepäck und Unberechenbarkeit der Gäste bringen letztlich wohl jedes noch so durchdachte System zum Fall: Fluggäste, die vor dem Abflug noch dringend einen Pullover aus dem Koffer benötigen, zu viel Handgepäck bei sich haben oder doch neben den Liebsten sitzen möchten, verzögern den Abflug maßgeblich. Da schafft auch das beste Boardingsystem keine Abhilfe. (red, 7.11.2019)