Thelazia gulosa in voller Pracht. Die Würmer laben sich an der Tränenflüssigkeit ihrer Wirte.

Foto: AP/CDC

Keine zwei Jahre nach dem ersten dokumentierten Fall berichten Forscher in den USA von einer weiteren Infektion mit dem Parasiten Thelazia gulosa: Vier Exemplare dieses Wurms, der üblicherweise Rinder befällt, wurden im Auge einer 68-jährigen Frau entdeckt. Sie war einige Zeit zuvor in Kalifornien durch einen Schwarm Fliegen gelaufen, berichten Forscher im Fachblatt "Clinical Infectious Diseases". Fliegen sind die Überträger dieses Parasiten.

Im Februar 2018 war die erste solche Infektion bei einem Menschen bekannt geworden: Damals hatten Ärzte einer Frau im US-Bundesstaat Oregon gleich 14 Würmer dieser zu den Fadenwürmern zählenden Spezies aus einem Auge entfernt. Sie dürfte beim Reiten in der Nähe einer Rinderherde ebenfalls von Fliegen infiziert worden sein, hieß es damals in einem Fallbericht im "American Journal of Tropical Medicine and Hygiene".

Neuer Wirt?

Zuvor waren Infektionen mit Thelazia gulosa nur bei Rindern bekannt. Andere "Augenwürmer" aus der Gattung Thelazia befallen Menschen aber bekanntermaßen schon länger. Die Forscher vermuten, dass sich womöglich eine neue Infektionskrankheit entwickeln könnte: Die beiden beschriebenen Fälle würden auf eine leichte Übertragung hindeuten, zudem gebe es Anhaltspunkte dafür, dass sich die Würmer im Menschen normal vermehren können. Das spricht dafür, dass der Mensch zum alternativen Wirt für sie werden könnte.

Thelazia gulosa ernährt sich von der Tränenflüssigkeit seiner Wirte, die Larven wachsen in Fliegen heran und werden über sie weiter verbreitet. In den beiden dokumentierten Fällen war den Patientinnen ein Fremdkörpergefühl im Auge aufgefallen. Ärzte entdeckten dann die durchsichtigen, etwa einen Zentimeter langen Würmer. Bleibende Schäden verursachten die Parasiten nicht, sie lösten lediglich eine vorübergehende Bindehautentzündung aus. (dare, 10.11.2019)