Sie überlebte Auschwitz – und muss sich heute erneut vor Angreifern fürchten: Liliana Segre.

Foto: AP Photo/Luca Bruno)

Rom – Die italienische Senatorin auf Lebenszeit und Holocaust-Überlebende Liliana Segre ist unter Polizeischutz gestellt worden. Zwei Carabinieri werden täglich über die Sicherheit der 89-Jährigen wachen, nachdem sie zuletzt wiederholt mit Mord bedroht worden war, teilte die Sicherheitskräfte am Donnerstag mit.

Segre erhalte täglich über soziale Netzwerke 200 Hassbotschaften mit antisemitischem Inhalt, berichteten italienische Medien. Die Mailänderin, die sich seit den 1990er-Jahren stark engagiert hat, um die Erinnerung an den Holocaust wach zu halten, wurde zuletzt Opfer von Hetzkampagnen in sozialen Netzwerken. Auf Initiative der Senatorin auf Lebenszeit, die aus einer jüdischen Familie stammt und das Konzentrationslager in Auschwitz überlebte, hatte der Senat vergangene Woche für die Einrichtung einer Sonderkommission zur Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus und jede Form von Gewalt gestimmt. Dabei sollen vor allem soziale Netzwerke unter die Lupe genommen werden.

Warnung vor Polizeistaat

Für die Kommission stimmten alle Regierungsparteien, die oppositionellen Rechtsparteien Lega, Fratelli d'Italia und Forza Italia sprachen sich dagegen aus. Sie warnten vor der Gefahr eines "Polizeistaats" nach dem Modell von George Orwell. Segre hatte daraufhin Kritik an jenen Parteien geübt, die gegen die Einrichtung der Kommission gestimmt hatten. Dies hatte ihr Attacken aus den Reihen der rechten Lega eingebracht.

Segre erwiderte auf die Kritik mit Dialogbereitschaft. Trotz der Meinungsverschiedenheiten mit der Lega sei ihre Türe immer offen, sagte die Mailänderin laut Medienangaben. Daraufhin kritisierte Lega-Chef Matteo Salvini die Attacken gegen Segre und erklärte, dass er die Senatorin auf Lebenszeit gern treffen würde: "Ich habe von ihr viel zu lernen", so der Rechtspopulist. (APA, 8.11.2019)