Ein Burschenschafter soll seine Schwester missbraucht haben. Nicht unbedingt die Tat, Vertuschungs- bis Einschüchterungstendenzen aber haben in manchen solchen Verbindungen System. (Symbolbild)

Foto: REUTERS/Herwig Prammer

Es ist eine erschütternde Geschichte, die eine junge Frau über ihre Kindheit in einem rechtsextremen Elternhaus erzählt. Sie gibt an, als Siebenjährige wiederholt von ihrem damals jugendlichen Bruder missbraucht worden zu sein; Ermittlungen liefen nach "enormem Druck" der Eltern auf sie ins Leere. Sie wurde von ihrer Familie und schließlich auch von den Behörden im Stich gelassen. Heute will sie vor ihrem Bruder warnen, weil der bei seiner pennalen Burschenschaft mit Jugendlichen zu tun hat. Dort stieß ihre Geschichte offenbar auf taube Ohren, nach einem Bericht im STANDARD folgte eine handfeste Drohung aus dem Neonazimilieu.

Was habe diese "Familiengeschichte" mit Burschenschaften zu tun, fragten einige kritische Stimmen nach der Publikation der Geschichte. Die Antwort ist: sehr viel. Die gesamte Familie der Betroffenen ist seit Jahrzehnten mit dem Milieu verbunden – und mit ganz rechts außen. Auch der Bruder war zum Zeitpunkt der Übergriffe schon in der Burschenschaft aktiv. Besonders in letzter Zeit wird wieder einmal klar, dass Rechtsextremismus und Frauenhass oft Hand in Hand gehen.

Das war etwa beim mutmaßlichen Attentäter von Halle so, der Frauen und Juden für alles Übel in seiner Welt verantwortlich gemacht hat. Frauen sind ganz rechts meist geduldet, solange sie die vorgesehene Rolle ausfüllen, Mutter und brave Kameradin sind. Wenn Asylwerber ein Gewaltverbrechen an Frauen begehen, wird das sofort instrumentalisiert, damit sich Rechtsextreme wie die Identitäre Bewegung als Frauenschützer inszenieren können.

Verhöhnung und Vertuschung

Doch wenn es hart auf hart kommt und Vorfälle in den eigenen Reihen publik werden, dann reagieren die Pseudobeschützer anders. Dann wird das Opfer verhöhnt und alles getan, um den Übergriff zu vertuschen. Begriffe wie "Ehre", "Tugend" und "Treue" werden pervertiert, um zu unterdrücken. Es mag sie geben, die aufrechten Burschenschafter, die an diese Ideale glauben. Meist finden sie sich dann aber auf den Seiten derer, die ihrer Verbindung den Rücken kehren wollen oder müssen.

Genau wie beim Leistungssport, in fundamentalistischen Gruppen oder in der Unterhaltungsbranche gibt es also auch bei den Burschenschaften ganz spezifische Merkmale, die Übergriffe und deren Vertuschung ermöglichen. Und genau wie bei den anderen Genannten gilt es auch hier, diese offenzulegen und zu verändern. (Fabian Schmid, 10.11.2019)