London – Der britische Premier Boris Johnson hat erneut ein Einwanderungssystem mit einem Punktesystem wie in Australien für die Zeit nach dem Brexit versprochen. "Wir wollen hochqualifizierte Einwanderer ermutigen und in Großbritannien willkommen heißen und gleichzeitig die Kontrolle behalten, damit wir für unsere öffentlichen Dienste planen und bezahlen können", so Johnson am Donnerstag auf Twitter.

Der Vorschlag ist nicht neu. Der Konservative Johnson hatte bereits vor dem Brexit-Referendum 2016 damit geworben. Die Idee wurde unter seiner Amtsvorgängerin Theresa May jedoch verworfen, weil sie als nicht zielführend galt. Erst kürzlich meldete sich May dazu im Parlament zu Wort. Die Regierung solle sich die Lektionen genau anschauen, die aus der Vergangenheit gezogen wurden. Punktbasierte Einwanderungssysteme seien "keine Lösung, um Einwanderung zu kontrollieren, und können Missbrauch ermöglichen", sagte die Ex-Regierungschefin.

Boris Johnson ist zurzeit auf Wahlkampftour. In einer Volksschule in Taunton begegnete er Rosie dem Kaninchen.
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Einwanderungsüberschuss

Die britische Regierung versucht seit langem, den Einwanderungsüberschuss – das ist die Differenz zwischen Ein- und Auswanderung – zu senken. Im vergangenen Jahr (bis März 2019) lag er Schätzungen des britischen Statistikamts ONS zufolge bei 226.000 Menschen. Seit dem Votum zum EU-Austritt gingen die Zahlen auch tatsächlich zurück, allerdings lange nicht so stark wie erhofft.

Johnson las auch aus seiner illustrierten Biographie.
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Andere EU-Bürger dürfen bisher in Großbritannien ohne weiteres leben und arbeiten. Damit soll nach dem Brexit Schluss sein. Kritik daran kommt von Unternehmerverbänden. Vor allem die Landwirtschaft, das Gastgewerbe, das Baugewerbe und der Pflegebereich sind auf Arbeitskräfte aus der EU angewiesen. Gleichzeitig ist die Beschäftigung auf einem Rekordniveau.

Der Zauberwürfel ist leichter zu lösen als der Brexit.
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Im aktuellen Wahlkampf spielt das Thema nach Einschätzung des Wahlforschers John Curtice nur eine untergeordnete Rolle. Die beiden großen Fragen sind, wie es beim Brexit weitergehen soll und wie die Zukunft des maroden Gesundheitsdienstes (NHS) aussieht. Am 12. Dezember sollen die Briten ein neues Parlament wählen. (APA, 14.11.2019)