Tim Cook (l.) und Donald Trump bei der Werksbeschau in Austin.

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Während im US-Kongress derzeit täglich neue Verdachtsmomente gegen Trump in der Ukraine-Affäre auftauchen, nutzt der Präsident seine Zeit für PR-Termine. Am Mittwoch war Trump bei der Besichtigung eines Werks von Apple in Texas.

Gemeinsam mit Konzernchef Tim Cook besichtigte er die Hallen, um anschließend seine eigene Politik zu loben. "Wir sehen hier den Anfang einer sehr wichtigen Fabrik. Jeder, der meiner Kampagne folgt weiß, dass ich immer über Apple spreche und will, dass Apple Werke in den USA baut. Und das ist, was passiert."

Zwei Haken

Diese Behauptung wiederholte Trump auch kurz darauf in einem Tweet und sprach dabei von einer Rückkehr "gut bezahlter Arbeitsplätze" in die Staaten. Die Sache hat allerdings zwei Haken: Die Fabrik ist nicht neu und sie wird auch nicht von Apple selbst betrieben.

Die vom US-Präsidenten verhasste New York Times stellte die Fakten schnell richtig. Das Werk wurde 2013, also zu Beginn der zweiten Amtszeit von Trumps Vorgänger Barack Obama, vom Unternehmen Flex (vormals Flextronics) in Betrieb genommen. Dieses fertigt dort im Auftrag von Apple Geräte an, darunter auch den neuen Mac Pro. Rund 500 Mitarbeiter sind an dem Standort tätig.

Das Schweigen von Tim Cook

Im Gespräch mit den anwesenden Medien sah sich aber auch Tim Cook nicht dazu bemüßigt, die falschen Angaben von Trump zu korrigieren. Der US-Präsident lobte ihn für die Schaffung von Arbeitsplätzen als "sehr besondere Person". Von Trump gefragt, was er über die aktuelle Wirtschaftslage denke, erwiderte der Apple-Chef: "Ich glaube, wir haben derzeit die stärkste Wirtschaft der Welt." Tiraden von Trump gegen "die Fake-Presse" wohnte er schweigend bei.

Trump erklärte weiters, dass Apple sich dank diesem Werk keine Sorgen bezüglich Zöllen machen müsse. Auch das stimmt so nicht, denn der Konzern ist sehr wohl betroffen von Aufschlägen für aus China importierte Komponenten. Tatsächlich hatte Apple in der Vergangenheit erwogen, die Produktion wieder komplett nach Asien zu verlegen.

Eigenwilliges Bündnis

Apple liefert derweil mit Zahlen, die Trump für seine Bilanz gut brauchen kann. Das Unternehmen erklärte am Morgen vor der Werkstour per Pressemitteilung, dass man weiter im Plan sei, 2018 und 2023 etwa 350 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaftsleistung beizutragen. Ebenso meldete man den Baubeginn eines neuen Firmenstandorts in Austin, den man sich eine Milliarde Dollar kosten lässt. Er soll 2022 eröffnet werden und bis zu 5.000 Mitarbeiter beschäftigen – davon allerdings keine im Bereich der Fertigung.

Der Auftritt von Cook mit Trump spiegelt ein eigenwilliges neues Bündnis wieder, schreibt The Verge. Apple bemüht sich eigentlich, ein politisch neutrales Image zu pflegen. Dennoch dürften Cook und der Präsident regelmäßig in Kontakt sein. Trump selbst brüstete sich im August eines Abendessens mit dem Apple-CEO. Apple gehört mit seinen Offshore-Holdings auch zu den großen Profiteuren der von Trumps Regierung durchgesetzten Senkung der Körperschaftssteuern. Der Handelskrieg zwischen den USA und China hatte für Apple bis jetzt ebenfalls überschaubare Konsequenzen.

Apple spielt mit

Persönlich dürfte Cook allerdings kein Fan von Trump sein. 2016 spendete er 250.000 Dollar an Gruppierungen hinter Hillary Clinton. Geld floss auch an Republikaner, allerdings solche, die sich Trump gegenüber eher kritisch zeigten. Nach 2016 hat Cook keine politischen Spenden mehr getätigt. Er sprach sich auch öffentlich gegen migrationspolitische Maßnahmen der Regierung aus, die es unter anderem ausländischen Mitarbeitern erschweren, Arbeitsvisen zu bekommen.

Insgesamt scheint es, als würde Apple das PR-Spiel der Trump-Regierung bis zu einem gewissen Grad mitspielen und sich leise verhalten, um im Gegenzug möglichst unbehelligt zu bleiben, so das Fazit. Ein Verhalten, das freilich in Konflikt steht, mit Apples oft in herzerwärmenden Videoclips dargestellten Anspruch auf Internationalität und eine offene, vielfältige Gesellschaft. (gpi, 21.11.2019)