Immer mehr Kartons landen in den USA dort, wo sie eigentlich nicht hingehören: Auf Müllhalden.

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In den USA gibt es ein Problem mit Papiermüll. Genauer gesagt mit Kartons. Das Zusammentreffen von zwei Entwicklungen führt dazu, dass immer mehr wiederverwertbare Versandverpackungen auf Müllhalden enden, schreibt The Verge.

Der erste Faktor ist die rapide Zunahme des Onlinehandels. Alleine bei der US-Post hat sich die Anzahl der Paketzustellungen zwischen 2009 und 2018 von 3,1 auf 6,2 Milliarden verdoppelt. Einen Gutteil dazu hat der Erfolg des Branchenprimus Amazon beigesteuert, weswegen man bei der Solid Waste Association of North America (SWANA) auch vom "Amazon-Effekt" spricht.

Hinzu kommt, dass China striktere Regeln zum Umgang mit dem Müll anderer Länder erlassen hat. Seit Anfang 2018 will man kein Kartonmaterial mehr annehmen und aufbereiten, wenn es mit mehr als 0,5 Prozent anderer Materialien verschmutzt ist. Gleichzeitig ist der Anteil jener Kartons, die üblicherweise für Umverpackungen herangezogen werden, in 15 Jahren von 15 auf fast 50 Prozent des Müllaufkommens in Containern angestiegen, berichtet die Firma Sims Recycling.

Immer mehr verschmutzte Kartons

Beides hat die Last auf nationale Recyclingservices erhöht. Speziell in der Vorweihnachtszeit ist ein massiver Müllanstieg zu verzeichnen. Der Dienstleister Republic Services, der in 42 Staaten Abfall einsammelt, erwartet zwischen Erntedankfest und Neujahr eine Zunahme des Entsorgungsvolumens von 25 Prozent pro Haushalt. Zu dieser logistischen Herausforderung kommt dank Chinas Entscheidung ein Verfall der Einnahmen. Der Betreiber spricht von einer "ökonomischen Krise", die die Abfallverwertung als Geschäftsmodell infrage stellen könnte.

Kartons kämen zudem immer öfter aus privaten Haushalten, statt aus Unternehmen und Geschäften und seien dann häufiger mit anderen Stoffen "kontaminiert" sind. Dabei geht es etwa um nicht geleerte oder gereinigte Falschen und Dosen, deren Inhalt sich auf die Verpackungen ergießt. 25 bis 30 Prozent der von den Trucks der Firma gesammelten Abfälle seien ohnehin so verschmutzt, dass sie direkt einer Müllhalde oder einer Verbrennungsanlage zugeführt werden.

Recycling wirft immer weniger Geld ab

US-Städte wissen teilweise nicht, wohin mit Papiermüll, weil es derzeit nicht genügend Aufbereitungsstätten gibt, um dem Bedarf Herr zu werden. Dazu ist der Preis für recycleten Karton laut SWANA-Schätzung seit 2018 um mehr als 50 Prozent eingebrochen. Als Reaktion würden immer mehr Städte ihre Wiederverwertungsprogramme zurückfahren oder komplett einstellen, was wiederum zu mehr Karton auf Müllhalden führt.

Das hat schlechte Folgen für das Klima. Denn je seltener Karton wiederverwertet wird, desto mehr Bäume müssen gefällt, transportiert und verarbeitet werden, um neues Material herzustellen, was wiederum zu mehr Treibhausgasemissionen führt. (red, 04.12.2019)