Sergej Brin (r.) und Larry Page im Jahr 2008.

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Bei Google geht eine Ära zu Ende. 1998 starteten Sergej Brin und Larry Page den Internetsuchanbieter Google, der sich in den folgenden Jahren zu einer fixen Anlaufstelle im Netz und einen riesigen IT-Konzern entwickeln sollte. 2015 gründeten sie eine neue Dachfirma, Alphabet, unter der sie Google und andere in das Unternehmensimperium geholte Firmen versammelten. Nun räumen sie ihre Chefposten und ziehen sich aus dem Tagesgeschäft zurück, wie sie in einem offenen Brief ankündigen.

Page war zuletzt offiziell CEO, also Chef des Konzerns, Brin agierte als "Präsident" ohne genauer definiertem Aufgabengebiet. Komplett steigen sie allerdings nicht aus der Chefetage aus. Sie bleiben im mächtigen Verwaltungsrat und behalten auch ihre Aktien mit besonderen Stimmrechten. Den Alphabet-Chefsessel übernimmt Sundar Pichai, der seit der Alphabet-Gründung auch schon die Geschicke von Google lenkt und nun eine Doppelrolle innehat.

Wechsel deutete sich an

Branchenbeobachter spekulierten bereits seit einiger Zeit über die Zukunft von Page: Der 46-jährige ließ sich kaum in der Öffentlichkeit blicken. Er überließ Pichai, der bereits dem Verwaltungsrat angehörte, zum Beispiel auch die Telefonkonferenzen mit Analysten nach Vorlage der Quartalszahlen.

"Wir waren nie welche, die sich an Management-Positionen klammern, wenn wir denken, dass es einen besseren Weg gibt, das Unternehmen zu leiten", verkündeten Page und Brin in einem gemeinsamen Eintrag im Firmen-Blog. Man wolle nun als "stolze Eltern" beratend zur Seite stehen, statt "täglich zu nerven".

Zahlreiche Firmentöchter

Zu Alphabet gehören heute zum Beispiel die Roboterauto-Firma Waymo und der Lieferdrohnen-Entwickler Wing. Die Einnahmen kommen allerdings nach wie vor fast ausschließlich aus dem Werbegeschäft von Google. Die anderen Alphabet-Firmen mit ihren neuen Technologien erzeugen hohe Kosten bei überschaubaren Umsätzen. Die Stärke des Google-Geschäfts ließ aber die Aktie in diesem Jahr bisher um rund ein Viertel zulegen.

Sundar Pichai stemmt künftig eine Doppelrolle als Chef von Google und Alphabet.
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Der Konzern steht jedoch – genauso wie andere amerikanische Tech-Schwergewichte unter verstärktem politischen Druck. Inzwischen nehmen auch die lange wohlwollenden US-Wettbewerbshüter Google ins Visier. In Europa verhängte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google. Der Internet-Konzern steckte sie locker weg.

Zuletzt kämpfte man bei Google auch mit internen Turbulenzen. Mitarbeiter protestierten lautstark gegen Missstände, wie etwa den zögerlichen Umgang mit Fällen von sexueller Diskriminierung und ungebührlichen Annäherungen. Beklagt wird auch die zunehmende Unterbindung von Mitsprache und politischen Debatten, die einst ein wesentlicher Teil der Firmenkultur gewesen seien.

Zuletzt hatte Google mehrere Mitarbeiter gekündigt und dabei unter anderem Datenschutzverletzungen geltend gemacht. Die Betroffenen waren Teil einer Bewegung, die die Gründung eines Betriebsrats bei Google anstrebt. Sie werfen dem Unternehmen vor, deswegen rausgeworfen worden zu sein und haben kürzlich Klage gegen ihren einstigen Arbeitgeber eingereicht.

Kein Comeback geplant

Page war in der Anfangszeit Chef von Google, räumte dann den Platz für den erfahrenen Software-Manager Eric Schmidt und kehrte 2011 wieder an die Google-Spitze zurück. Die Alphabet-Mitteilung machte nun deutlich, dass die beiden Gründer keine Ambitionen haben, irgendwann noch einmal wieder ins Management zurückzukommen. (APA, red, 4.12.2019)