Protest gegen Femizide in Ankara am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November. In Istanbul setzte die Polizei Tränengas gegen die DemonstrantInnen ein.

Foto: Reuters/CANSU ALKAYA

Istanbul – 18 Monate nach der Vergewaltigung und dem Mord an einer Studentin in der Türkei ist der Hauptangeklagte in einem landesweit beachteten Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht in Ankara sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Mann die 23-Jährige Studentin Sule Cet im Mai 2018 vergewaltigt und dann vom 20. Stockwerk eines Hochhauses gestoßen hatte.

Der 34-jährige Täter erhielt zusätzlich eine Gefängnisstrafe von zwölfeinhalb Jahren. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Ein weiterer Angeklagter wurde wegen Beihilfe zu 18 Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt.

440 Frauen von Männern getötet

Frauenorganisationen begrüßten den Ausgang des Strafverfahrens. Die Plattform "Kadin Meclisleri" (Frauenräte) schrieb auf Twitter: "Die Entscheidung für lebenslänglich ist ein Präzedenzfall und ist unser Beweis dafür, dass Morde an Frauen nicht verschleiert und reingewaschen werden können."

Gewalt gegen Frauen ist in der Türkei ein verbreitetes Problem. Nach Angaben der Plattform "Wir werden Frauenmorde stoppen" wurden im vergangenen Jahr 440 Frauen von Männern getötet – in mehr als einem Viertel der Fälle waren die Ehepartner die Täter. (APA, dpa, 4.12.2019)