In den 1980ern wurde es für die Ozonschicht haarig. Doch der Sprühangriff, den das klassische Europe-Cover geradezu versinnbildlicht, wurde noch rechtzeitig eingestellt.
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1987 wurde das sogenannte Montreal-Protokoll beschlossen, ein völkerrechtlicher Vertrag, mit dem sich die 197 Unterzeichnerstaaten zum Schutz der Ozonschicht verpflichteten. Zu den Maßnahmen gehörten vor allem ein Verbot oder zumindest die Reduktion von Stoffen, die die Ozonschicht gefährden – allen voran die als Kältemittel in Kühlschränken eingesetzten Halogenkohlenwasserstoffe und die berühmt-berüchtigten FCKWs (Fluorchlorkohlenwasserstoffe), die unter anderem als Treibgase in Sprühdosen eingesetzt wurden.

Und diese Maßnahmen haben nach einer längeren Anlaufzeit schließlich gegriffen. Bis die als Ozonloch bezeichnete Ausdünnung der Ozonschicht über der Antarktis endgültig Vergangenheit ist, werden zwar noch einige Jahrzehnte vergehen. Doch seit dem FCKW-Verbot ist das alljährlich im antarktischen Winter aufklaffende Loch – mit gewissen Schwankungen von Jahr zu Jahr – allmählich geschrumpft. Heuer war es aufgrund günstiger Wetterbedingungen sogar so klein wie seit fast 30 Jahren nicht mehr.

Konsequenz führt letztlich zum Ziel

Aus diesem Grund wird das Montreal-Protokoll gerne als positives Gegenbeispiel zum weitgehend glücklosen Kyoto-Protokoll herangezogen, mit dem 1997 für den Klimaschutz Ähnliches erreicht werden sollte wie zehn Jahre zuvor für die Ozonschicht. Montreal zeige, was machbar ist, wenn nur der konsequente politische Wille zur Umsetzung vorhanden ist, so der Grundtenor.

Ironischerweise könnte Montreal aber nicht nur ein leuchtendes Beispiel für "Den Worten folgen auch Taten" im Allgemeinen sein, es scheint das Kyoto-Protokoll sogar in dessen ureigenstem Aufgabengebiet zu übertreffen, dem Klimaschutz. Forscher der australischen University of New South Wales haben im Fachmagazin "Environmental Research Letters" nämlich Berechnungen präsentiert, denen zufolge der Klimawandel ohne das FCKW-Verbot noch um einiges schlimmer aussehen würde als ohnehin schon.

Der Grund: Auch FCKWs sind Treibhausgase. An Quantität reichen sie zwar an Kohlendioxid bei weitem nicht heran, dafür ist ihre Wirkung wesentlich stärker. Im Vergleich zu CO2 seien FCKWs ein tausende Male potenteres Treibhausgas, sagt Rishav Goyal, Hauptautor der Studie.

Das Ozonloch im antarktischen Sommer 2019.
Foto: AP/Goddard Space Flight Center/NASA

Mit seinem Team führte Goyal Modellrechnungen der vergangenen und künftigen Klimaentwicklung in zwei verschiedenen Szenarien durch: Das eine berücksichtigte die Maßnahmen des Montreal-Protokolls, das andere beließ die FCKWs in der Gleichung und ging von einer dreiprozentigen Zunahme an FCKW-Emissionen pro Jahr aus. Damit wurde der Trend vor Inkrafttreten des Protokolls fortgeschrieben, und es handelt sich dabei laut den Forschern sogar noch um eine vorsichtige Schätzung.

Die Ergebnisse ihrer Modelle waren für die Forscher mehr als deutlich: Schon heute wäre die Atmosphäre über Nordamerika, Afrika und Eurasien 0,5 bis 1 Grad Celsius wärmer, wenn wir weiterhin fröhlich FCKWs versprüht hätten. Bis zur Mitte des Jahrhunderts hätte sich das fortgesetzt – in manchen Regionen würde der zusätzliche Temperaturanstieg dann 1,5 bis 2 Grad ausmachen, in der Arktis sogar 3 bis 4.

Die beste Nebenwirkung der vergangenen Jahrzehnte

Stärker und schwächer betroffene Regionen zusammengerechnet, hätten die FCKWs dem Klimawandel im weltweiten Schnitt ein zusätzliches Grad Celsius draufgepackt, so die Bilanz. Dieser "vermiedenen Wärme" stellen die Forscher um Goyal die Auswirkungen all dessen gegenüber, was in Folge des Kyoto-Protokolls an Maßnahmen ergriffen wurde. Das veranschlagen sie als mickrige Ersparnis von 0,12 Grad. Damit hätte das Montreal-Protokoll den Klimawandel erfolgreicher bekämpft als alles, was danach kam – obwohl der zum damaligen Zeitpunkt noch kaum ein Thema war.

"Ohne viel Aufhebens hat das Montreal-Protokoll seit mehr als drei Jahrzehnten die Auswirkungen der globalen Erwärmung abgemildert und dabei Abkommen übertroffen, die spezifisch darauf ausgerichtet waren, die Auswirkungen des Klimawandels zu verringern", bilanziert Goyals Kollege Martin Jucker. Das zeige, dass internationale Übereinkommen zur Verringerung von Treibhausgasen tatsächlich funktionieren. Und die bleiben auch notwendig, denn Montreal hat höchstens dafür gesorgt, dass die Erderwärmung nicht noch stärker ausfällt. Kühler hat es die Welt nicht gemacht. (jdo, 14. 12. 2019)