Ende Juli 2015 wurde Windows 10 Mobile offiziell veröffentlicht, nun ist es Geschichte.

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Ein Stück Smartphone-Geschichte findet sein Ende: Microsoft hat den Support für Windows 10 Mobile am Dienstag endgültig eingestellt. Die verbliebenen Smartphones mit diesem System werden also in Zukunft keinerlei Updates mehr erhalten – nicht einmal für kritische Sicherheitslücken. Zum Abschluss gibt es aber zumindest noch eine letzte Softwareaktualisierung (OS Build 15254.600), die sich allerdings auf Fehlerbereinigungen beschränkt.

Ablauf

Überraschend kommt dieser Schritt natürlich nicht. Bereits im Jänner hatte Microsoft das Support-Ende für Windows 10 Mobile mit dem 10. Dezember festgelegt. Zudem war spätestens seit Oktober 2017 das nahende Ende klar, nachdem das Unternehmen öffentlich machte, dass man dem Betriebssystem keinerlei neue Funktionen mehr hinzufügen werde. Einen eindeutigen Ratschlag hat Microsoft auch für die verbliebenen User parat: Diese sollen nämlich auf Android und iOS wechseln, heißt unmissverständlich von dem Softwarehersteller.

Ein Stück Geschichte

Schon vor einigen Jahren hatte der Softwarehersteller begonnen, die Entwicklung für die beiden Systeme der Konkurrenz in den Vordergrund zu stellen. Ein Strategiewechsel, der mit dem Start der Ära von Satya Nadella als CEO bei Microsoft einhergeht. Dieser hatte die auf ganzer Linie gescheiterten, und äußerst kostspieligen, Smartphone-Experimente seines Vorgängers Steve Ballmer in Windeseile abgewickelt. Ein Schritt, der allerdings auch tausenden ehemaligen Nokia-Angestellten den Job gekostet hat, wurden diese doch erst knapp zuvor von Microsoft übernommen.

Das ursprüngliche Windows Mobile war eines der am stärksten verbreiteten Betriebssysteme in der frühen Smartphone-Ära. Mit der Veröffentlichung des ersten iPhones und der folgenden Welle an Android-Geräten wurde aber rasch klar, wie inadäquat dieses System für die Anforderungen moderner Geräte mit Touch-Bedienungen war. Als diese Erkenntnis sich – nach einer Phase der öffentlich vorgetragenen Realitätsverweigerung – auch endlich bei Microsoft durchsetzte, machte man sich an die Entwicklung eines neuens Systems: Windows Phone.

Die Nokia-Expedition

Bei dessen Veröffentlichung im November 2010 hatte Android aber den Smartphone-Markt bereits fest im Griff. Microsoft suchte den Weg zum Erfolg in einer engen Kooperation mit Nokia, wo man sich in einer sehr ähnlichen Situation befand. Auch dort hatte man lange nicht verstanden, welch fundamentalen Umbruch Android und iOS darstellten, und hatte dabei zugesehen, wie die Marktanteile der Eigenentwicklung Symbian implodierten. In Eigenentwicklungen wie Maemo / Meego hatte man nie das notwendige Vertrauen, also warf man sich bereitwillig in die Arme von Microsoft. Hilfreich war dabei wohl auch, dass dessen damaliger Chef Stephen Elop ein ehemaliger Manager des Windows-Herstellers war.

Diese Koalition der Verlierer konnte in den folgenden Jahren zwar in einzelnen Ländern Achtungserfolge erzielen, eine relevante Verbreitung gab es aber nur bei Smartphones in den untersten Preisregionen. Dort konnte man eine zeitlang ausnutzen, dass Android in diesem Bereich Performance-Defizite aufwies, zudem wurden die Nokia-Geräte recht offensichtlich ohne relevante Gewinnmarge verkauft. Als gewinnbringende Strategie war dies langfristig aber natürlich nicht aufrechterhaltbar. Zudem reagierte Google flott, und besserte bei Android nach. Der nächste Neustart als Windows 10 Mobile erfolgte dann 2015 zu einem Zeitpunkt als das Rennen in Wirklichkeit längst gelaufen war.

Ausblick

In den kommenden Monaten sollen dann nach und nach auch einzelne Dienste hinter Windows Mobile abgedreht werden. So sollen etwa Geräte- und App-Backups vollumfänglich nur mehr bis zum 10. März 2020 funktionieren, einzelne Dienste wie der Foto-Upload sind noch bis zu einem Jahr länger verfügbar. Mit dem 12. Jänner 2021 will Microsoft dann auch jeglichen Support für die eigenen Office-Apps für Windows Mobile deaktivieren. Angesichts des beendeten Supports für das Betriebssystem selbst, rät Microsoft aber auch in diesem Zusammenhang noch einmal eindringlich auf eines der Konkurrenzsysteme zu wechseln. (Andreas Proschofsky, 11.12.2019)