Fahrt über ein Meer, das ab der 50. Sekunde nicht mehr wie ein Meer aussieht.
Shannon Lenz

Im August diesen Jahres war es wieder einmal so weit: Eine gigantische Ansammlung von Gestein sorgte für Schlagzeilen, weil sie – buchstäblich – dort auftauchte, wo man Steine normalerweise nicht findet: an der Oberfläche des Meeres. Das war natürlich nur möglich, weil es sich um Bimsstein handelte, eine Gesteinsform, die aufgrund ihrer extremen Porosität eine geringere Dichte als Wasser hat und damit aufschwimmt.

Erstmals in den Gewässern des Inselstaates Tonga gesichtet, trieb das Bimssteinfloß, wie solche Ansammlungen genannt werden, langsam Richtung Australien. Es bildete eine fast geschlossene Fläche auf dem Wasser und erreichte Ausmaße von bis zu 167 Quadratkilometern.

Insgesamt präsentierte sich das Floß als langgestrecktes, in einzelne "Schlieren" aufgelöstes Gebilde. Hier eine besonders massive Stelle.
Foto: NASA

Solche schwimmenden Ansammlungen von teils spektakulärer Größe gibt es immer wieder, und ihre Ursache ist gut bekannt: Bims ist ein vulkanisches Gestein und bildet sich aus Lava mit einem hohen Anteil von Gaseinschlüssen, die ihm beim Abkühlen seine Poren verleihen. Bricht ein Unterwasservulkan aus, steigt solches Gestein an die Oberfläche und bleibt dort, bis das darin enthaltene Gas so weit entwichen ist, dass die Gesamtdichte den kritischen Wert überschreitet – ein Prozess, der Jahre dauern kann.

Offen war beim jüngsten Beispiel dieses Phänomens noch die exakte Herkunft, also der verantwortliche Vulkan. Den haben deutsche Forscher aber inzwischen in Zusammenarbeit mit kanadischen und australischen Kollegen ausfindig gemacht, wie das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel berichtet. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im "Journal of Volcanology and Geothermal Research" veröffentlicht.

Die aus Messdaten rekonstruierte Topografie des "Täters".
Grafik: Philipp Brandl/GEOMAR

Der Vulkan befindet sich am Meeresgrund unter den Gewässern von Tonga, knapp 50 Kilometer nordwestlich der Insel Vava’u. Einen klingenden Namen hat ihm bislang noch niemand verpasst: "In der internationalen Fachliteratur erscheint er bisher nur unter der Nummer 243091 oder als Vulkan 'F‘", sagt Studienerstautor Philipp Brandl vom GEOMAR.

Auf die Spur kamen die Forscher "F" durch die Auswertung von Satellitenbildern. Auf einer Aufnahme des ESA-Satelliten Copernicus Sentinel-2 vom 6. August 2019 waren auf der Wasseroberfläche eindeutige Spuren einer Unterwassereruption zu erkennen. Laut den Forschern erreichte sie einen Vulkaneruptionsindex von 2 oder 3 – was in etwa den Aktivitäten entspricht, mit denen der italienische Stromboli diesen Sommer auf sich aufmerksam machte.

Zur Sicherheit verglichen die Forscher diese Position auch noch mit Informationen von seismischen Messstationen, die Signale der Eruption aufgenommen hatten. Davon gab es in der Region zwar nur zwei, doch deren Daten bestätigten die Spur zu "F", der sich mit seinem jüngsten Ausbruch nun vielleicht doch noch einen Namen machen wird. (red, 14. 12. 2019)