Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt leitete die Gespräche.

Foto: APA/AFP

Aktivisten protestierten währenddessen gegen das absehbare Nicht-Ergebnis der Konferenz.

Foto: AP Photo/Manu Fernandez

Madrid – Der Minimalkompromiss bei der Klimakonferenz in Madrid hat zu heftiger Kritik seitens Umweltschützern geführt. Von Österreichs NGOs bezeichnete der WWF das Resultat als "politische Bankrotterklärung", die Ergebnisse "werden dem weltweiten Klimanotstand in keiner Weise gerecht", stellte Global 2000 fest. "Die Klimakonferenz der Schande endet mit einem völlig unzureichendem Minimalkompromiss", lautete das Statement von Greenpeace.

Auch besonders von der Erderwärmung betroffene Länder geißelten das Ergebnis der Konferenz. "Es gibt Millionen von Menschen in der ganzen Welt, die schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels leiden. Diesen Fakt zu bestreiten, könnte von einigen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit interpretiert werden", sagte der Vertreter der Delegation von Tuvalu, Ian Fry, mit Blick auf die Blockadehaltung der USA.

Letzte Abwehrschlacht

Auch Christoph Bals von Germanwatch attackierte die Bremser: "Alle Länder sehen, dass der Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas nun in eine ernsthafte Phase kommt. Deshalb organisieren einige Staaten wie die USA, Brasilien und Australien, die eng mit der fossilen Lobby verbandelt sind, eine letzte Abwehrschlacht."

Mehr als 40 Stunden nach dem offiziellen Schluss ging am Sonntag zu Mittag die 25. Weltklimakonferenz zu Ende. Nachdem sich die Staaten bis zuletzt nicht einigen konnten, wurden die Gespräche Stunde um Stunde verlängert. Erst um zehn Uhr startete das Abschlussplenum in Madrid – jedoch mit einigen technischen Schwierigkeiten. Während sich mehrere Delegierte unabsichtlich zu Wort meldeten, fanden andere Verhandler die notwendigen Dokumente nicht. Diese wurden nach einem technischen Fehler der Homepage in einen Dropbox-Ordner hochgeladen. Offenbar konnten nicht alle Delegierten darauf zugreifen.

Kompromisse

Nichtsdestotrotz wurden der Reihe nach mehrere Kompromisse angenommen. Der Prozess, der von der chilenischen Umweltministerin Carlolina Schmidt geleitet wurde, dauerte jedoch aufgrund der allgemeinen Verwirrung etwas länger.

Insgesamt endete der Gipfel ohne konkrete Ergebnisse, die Kernthemen wurden auf kommendes Jahr vertagt, die Teilnehmer konnten sich auf nicht mehr als auf vage Absichtserklärungen einigen.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat sich enttäuscht geäußert. Die internationale Gemeinschaft habe eine wichtige Gelegenheit verstreichen lassen, mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Klimakrise zu zeigen, schrieb er am Sonntag auf Twitter. "Aber wir dürfen nicht aufgeben. Und ich werde nicht aufgeben."

Im österreichischen Umweltministerium zog man eine nicht allzu negative Bilanz. "Das Ergebnis dieser COP25 lässt sich kurz zusammenfassen: Weniger als erhofft, mehr als erwartet", sagte Umweltministerin Maria Patek am Sonntag.

Pariser Regelwerk noch nicht fertig

Das Regelbuch für die Pariser Klimaziele konnte indes nicht abgeschlossen werden. 2020 muss hier und bei den anderen Punkten spätestens bei der nächsten Konferenz in Glasgow ein Lösung gefunden werden. Ein schwacher Kompromiss beim internationalen Handel mit Klimaschutz-Gutschriften wurde von der EU abgelehnt.

Zuletzt stelle sich vor allem Brasilien quer. Das südamerikanische Land wollte einen Paragraphen zum Schutz der Ozeane nicht im finalen Papier wissen. "Es tut uns wirklich leid, wir können diesen Paragraphen nicht akzeptieren", sagte Brasiliens Delegierter. In letzter Minute stimmte das Land des Klimawandelskeptikers Jair Bolsonaro, wo im alleine November so viel Regenwald vernicht wurde wie zuletzt vor vier Jahren, allerdings doch noch zu.

Die Verhandlungen in Madrid zogen sich heuer besonders lange – das war auch so manch einem Delegierten anzusehen.
Foto: APA/AFP

Der Gipfel in Madrid war der bisher längste aller Zeiten. Eigentlich hätte der 25. UN-Klimagipfel ja bereits am Freitagabend zu Ende gehen sollen, die Mitgliedsstaaten konnten sich jedoch zuletzt in zentralen Punkten nicht einigen. Um Mitternacht hatte die Chilenin Schmidt noch einmal angekündigt, dass neue, aus ihrer Sicht verbesserte Texte vorliegen würden. Über diese verhandelten die Delegierten aus knapp 200 Ländern die ganze Nacht. "Wir sind fast da. Es ist hart, es ist schwierig, aber es ist es wert", sagte Schmidt in einem kurzen Statement.

Klimaaktivisten haben am Samstagabend vor dem Veranstaltungszentrum einen großen Misthaufen abgeladen.
Foto: APA/AFP

Insgesamt dauerte die Konferenz mehr als zwei Wochen. Vertreter mehrerer Umweltschutzorganisationen kritisierten die Verhandlungen vorab bereits als "gescheitert". Die Klimaaktivistengruppe "Extinction Rebellion" setzte den Delegierten am Samstagabend symbolisch einen Misthaufen vor das Veranstaltungsgelände. Die Aktivisten fürchten, dass die Ergebnisse der Konferenz nicht ausreichen werden, um den globalen Temperaturanstieg im Vergleich zu vorindustriellen Werten bei 1,5 Grad Celsius einzudämmen.

Aus Sicht der Wissenschaft wäre das allerdings notwendig, um sogenannte "Kipppunkte" zu vermeiden, die zu irreversiblen Schäden in Ökosystemen führen können. Die UN-Organisation UNEP veröffentlichte kürzlich eine Studie, wonach die Nationalstaaten ihre Klimaambitionen verfünffachen müssten, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen.

(lauf, APA, 15.12.2019)