Die Polizei setzte am Sonntag Pfeffer-Spray ein und nahm zahlreiche Demonstranten fest.

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Hongkong – Erstmals seit drei Wochen hat es bei Kundgebungen der Demokratiebewegung in Hongkong wieder Ausschreitungen gegeben. Die Polizei setzte am Sonntag Pfeffer-Spray ein und nahm zahlreiche Demonstranten fest. Die Anhänger der Demokratiebewegung bildeten an verschiedenen Stellen der Stadt Flashmobs.

Die China-treue Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, hielt sich am Sonntag in Peking auf. Dort ist am Montag ein Treffen mit Staatschef Xi Jinping geplant. Die beispiellosen Massenproteste in Hongkong wurden vor gut einem halben Jahr durch ein Gesetzesvorhaben ausgelöst, das Auslieferungen nach Festland-China ermöglicht hätte. Am 9. Juni formierte sich erstmals Protest gegen den Entwurf, der später zurückgezogen wurde. Im Laufe der Monate gab es wiederholt gewaltsame Proteste. Die Demonstranten werfen Lam eine zu große Nähe zur Führung in Peking vor und fürchten einen wachsenden Einfluss Chinas sowie einen Verlust von Freiheitsrechten in der ehemaligen britischen Kronkolonie.

Seit dem Sieg der Demokratiebewegung bei den Kommunalwahlen Ende November hatten die gewaltsamen Ausschreitungen nachgelassen. Am Sonntag vor einer Woche beteiligten sich aber rund 800.000 Menschen an einem friedlichen Protestzug.

Erste Rezession seit zehn Jahren

Der internationale Flughafen von Hongkong bekommt indes die Folgen der seit Monaten anhaltenden Massenproteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone immer stärker zu spüren: Im November gab es den größten Rückgang der Passagierzahl seit mehr als einem Jahrzehnt, wie die Flughafenbehörde am Sonntag mitteilte. Sie sei um 16,2 Prozent auf gut fünf Millionen gesunken.

Das war der größte Abschwung seit Juni 2009. Bereits in den drei vorherigen Monaten waren die Passagierzahlen um mehr als zwölf Prozent eingebrochen. Die Demonstranten hatten im August den Flughafenbetrieb für mehrere Tage lahmgelegt. Umsatzeinbußen erlitten auch Tourismus Einzelhandel. Hongkongs Wirtschaft rutschte im dritten Quartal erstmals seit zehn Jahren in eine Rezession. (APA/AFP/Reuters, 15.12.2019)