Harte Zeiten auch für die Aktivisten in Madrid.

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Vielleicht wird es ja doch noch was. Diesen Eindruck hatten einige Beobachter der Weltklimakonferenz noch kurz vor deren Abschluss. Immerhin wurden die Gespräche in Madrid gleich mehrfach ausgedehnt. Erst mehr als 40 Stunden nach dem offiziellen Ende des Gipfels gingen die Delegierten auseinander. Doch auch Verlängerung um Verlängerung brachte keine großen Würfe, die Staaten bewegten sich während des zweiwöchigen Klimamarathons kaum vom Fleck. Letztlich wurde das Pariser Regelwerk nicht abgeschlossen, eine Lösung beim Weltkohlenstoffmarkt wieder aufgeschoben.

Das Ergebnis war allerdings eine Niederlage mit Anlauf. Bereits vor dem Start des Gipfels wurde dieser als "Zwischentermin" bezeichnet, die wichtigen Entscheidungen würden erst 2020 fallen, hieß es. Diplomatisch gesehen ist das natürlich praktisch. Für ein weiteres Jahr kann paktiert und gehandelt werden, um mit jenen Staaten auf einen grünen Zweig zu kommen, die sich bisher quergelegt haben.

Nur: Bis zum nächsten Gipfel in Glasgow wird der globale Treibhausgasausstoß weiter steigen. Im Umkehrschluss heißt das: Je länger die Länder mit klaren Lösungen zuwarten, desto größer werden die Anstrengungen in Folge sein müssen, um irreversible Schäden zu vermeiden. Damit schießen sich die Staaten letztlich selbst ins Knie.

Mehr tun als warten

Die Minimalbeschlüsse, die in Madrid gefasst wurden, sind nicht zuletzt auch eine herbe Niederlage für die Wissenschaft. Diese warnt seit Jahrzehnten vor den Folgen der Erderwärmung und des Nichthandelns. Auch die klaren Worte des UN-Umweltprogramms wurden beim Gipfel – übrigens auch eine UN-Veranstaltung – ignoriert.

Die Organisation errechnete, dass die Staaten ihre Klimabemühungen verfünffachen müssten, damit die Ziele des Pariser Abkommens nicht verfehlt werden. Nicht zuletzt ist das Ergebnis bitter für jene jungen Menschen, die seit mehr als eineinhalb Jahren auf die Straße gehen, um die Politik zum Handeln in der Klimakrise aufzufordern.

Zeit, den Kopf in den Sand zu stecken und bis 2020 zu warten, bleibt nicht. Wichtig wäre jetzt, dass sich jene Staaten, die eine "High Ambition Coalition" geformt haben, ihre nationalen Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich verstärken. Dass Länder, die sich selbst als Vorreiter bezeichnen – wie auch Österreich –, mehr tun, als auf den Novembertermin in Schottland zu warten.

Städte und Konzerne verfolgen "Netto-Null"

Anlass zur Hoffnung geben zumindest Akteure abseits des internationalen Parketts. Heuer haben sich bereits 73 Staaten dazu bekannt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Seit dem UN-Klimagipfel im September hat sich die Zahl der Großstädte, die das gleiche Ziel verfolgen, vervierfacht. Und auch zahlreiche Investmentfonds und multinationale Konzerne verpflichteten sich zu "Netto-Null".

Noch ein Trost: Immerhin hat man sich in Spanien nicht dazu hinreißen lassen, kritische Themen mit schwammigen Lösungen durchzupeitschen. Das Aufschieben der Streitpunkte macht das Ergebnis aber wieder nur zu einem Kompromiss. (Nora Laufer, 16.12.2019)