Die Regierung in Ankara macht den islamischen Prediger Fethullah Gülen und seine Anhänger für den Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich.

Foto: REUTERS/Charles Mostoller

Ankara – Die türkische Justiz hat am Dienstag fast 200 Personen unter dem Verdacht von Verbindungen zur Gülen-Bewegung festgenommen. Laut der Staatsanwaltschaft Ankara wurden 260 Haftbefehle wegen der Nutzung des Kurzmitteilungsdiensts Bylock ausgestellt, der von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen zur Kommunikation benutzt worden sein soll.

Demnach gab es 171 Festnahmen in Ankara und zehn in anderen Provinzen. Die Fahndung nach den weiteren Verdächtigen dauere noch an, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie stellte zudem 17 Haftbefehle im Zuge eines zweiten Ermittlungsverfahrens zur Gülen-Bewegung aus, darunter gegen zehn Mediziner.

Seit 2016 zehntausende Festnahmen

Die Regierung macht die umstrittene Bruderschaft für den versuchten Militärputsch von Juli 2016 verantwortlich und hat seither zehntausende mutmaßliche Gülenisten festgenommen oder aus dem Staatsdienst entlassen.

Auch ein Bürgermeister der oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) wurde am Dienstag unter dem Verdacht festgenommen, Verbindungen zur Gülen-Bewegung zu haben. Der CHP-Vorsitzende in der Provinz Izmir, Deniz Yücel, kritisierte die Festnahme des Bezirksbürgermeisters Burak Oğuz scharf. "Wir verurteilten die Absetzung gewählter Vertreter durch das Gesetz", schrieb Yücel auf Twitter. (APA, AFP, 17.12.2019)