Foto: Reuters/South Tyrol Archaeology Museum

Ein weiteres Rätsel rund um die Gletschermumie Ötzi dürfte gelöst sein. Die Schnur, die der Mann aus dem Eis in seinem Köcher mit sich führte, dürfte eine Sehne für seinen Bogen gewesen sein, teilte das Südtiroler Archäologiemuseum mit. Schweizer Wissenschafter haben herausgefunden, dass die Schnur nicht aus Pflanzen-, sondern aus Tierfasern besteht.

In der Studie des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der Wissenschaften (SNF) konnte nachgewiesen werden, dass als Fasern für die Schnur Beinsehnen einer nicht bestimmbaren Tierart verarbeitet wurden und sich die Schnur hervorragend als Bogensehne eignen würde. Bisher waren Forscher von Pflanzenfasern ausgegangen, die sich für eine Bogensehne nicht bewährt hätten. Die Autoren der Studie hatten für ihre vergleichende Untersuchung mit europaweit gemachten Einzelfunden eine mikroskopisch kleine Faserprobe von Ötzis Bogensehne erhalten.

Unfertiger Bogen

Die Schnur aus Ötzis Köcher dürfte weltweit die älteste erhaltene Bogensehne sein. Sie misst im Durchmesser vier Millimeter und besteht aus drei Strängen, die sehr gleichmäßig und fein gedrillt sind. Die Schnur misst knapp zwei Meter und wäre lang genug für Ötzis unfertigen Bogen gewesen. Die noch nicht fertiggestellte Waffe aus Eibenholz, ein Köcher, ein Dolch und ein Kupferbeil wurden bei der Gletschermumie gefunden. Aufgespannt hätte die elastische Schnur nur noch rund zwei Millimeter Durchmesser und würde somit genau in die Kerben an den Pfeilen in Ötzis Köcher passen.

Ötzi hatte das Schnurbündel s-förmig aufgewunden und an einem Ende der Schnur einen Knoten angebracht. Ein weiteres Bündel aus tierischen Beinsehnen, das sich im Köcher befand, war möglicherweise als Ersatzmaterial für eine weitere Bogensehne vorgesehen. (APA, red, 18.12.2019)