Das größte Radioteleskop der Erde, das chinesische Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope (Fast), ist bereit für seinen regulären wissenschaftlichen Einsatz. Wie vor kurzem von offiziellen Stellen verlautbart wurde, hat die 500 Meter durchmessende "Riesenschüssel" in der entlegenen Dawodang-Depression der Provinz Guizhou im Süden des Landes ihre dreijährige Test- und Kalibrierungsphase beendet.

In der Anlaufzeit seit September 2016 hatte man sich hauptsächlich auf die Beobachtung von Neutronensternen konzentriert und dabei auch mehr als 100 schnell rotierende Pulsare entdeckt. Nun aber wollen sich die Betreiber künftig unter anderem auch der Suche nach Signalen von möglichen außerirdischen Zivilisationen widmen.

Das Five-hundred-meter Aperture Spherical Telescope ist bereit.
Foto: Reuters/China Daily

Suche nach ET

Nach offiziellen Angaben ist das Fast bereits jetzt mindestens dreimal so sensitiv wie das Arecibo-Observatorium in Puerto Rico, das zuvor größte Radioteleskop der Welt. Wissenschafter rund um den Globus rechnen daher in den nächsten Jahren mit zahlreichen astronomischen Entdeckungen. Ob sich dabei auch eine Erklärung für die sogenannte "Große Stille" finden lassen wird, bleibt abzuwarten. Der Begriff steht im Zusammenhang mit dem Fermi-Paradoxon und lässt sich verkürzt mit der Frage zusammenfassen: Wenn es außer uns tatsächlich weiteres intelligentes Leben im Kosmos geben sollte, warum finden wir darauf keine Hinweise?

Abgesehen von der Beteiligung an internationalen Seti-(Search for Extraterrestrial Intelligence-)Kampagnen werden Astronomen das Fast für die Suche nach den Quellen von Gravitationswellen und die Untersuchung von Fast Radio Bursts (FRBs), extragalaktischen kurzen Ausbrüchen im Bereich der Radiostrahlung, einsetzen. Die enorme Größe des Observatoriums lässt darauf hoffen, dass es auch extrem schwache Radiowellen aus Quellen im gesamten Universum aufspüren kann.

Offen für Forscher aus aller Welt

Seit Beginn der Tests vor drei Jahren konnten nur chinesische Wissenschafter das Instrument nutzen. Künftig aber soll das Fast Forschern aus der ganzen Welt für Beobachtungen zur Verfügung stehen, sagt Zhiqiang Shen, Direktor des Shanghai Astronomical Observatory und Co-Vorsitzender des Fast-Überwachungsausschusses der chinesischen Akademie der Wissenschaften.

CCTV: Fast-Testphase offiziell beendet.
CCTV Video News Agency

Der Bau des umgerechnet 160 Millionen Euro teuren Teleskops nahm etwa fünf Jahre in Anspruch. Das im Chinesischen auch Tianyan ("Himmelsauge") genannte Instrument besteht aus rund 4.400 einzelnen Aluminiumplatten, die geneigt und bewegt werden können, um unterschiedliche Himmelsbereiche zu beobachten. Obwohl es kleinere Ausschnitte des Himmels erfassen kann als einige andere hochmoderne Radioteleskope und eine geringere Auflösung hat als Arrays aus Einzelteleskopen, ist es aufgrund seiner Größe einzigartig empfindlich, sagt Di Li, Chefwissenschafter des Fast. So nahm das Instrument im vergangenen August und September beispielsweise hunderte Ausbrüche der Fast-Radio-Burst-Quelle 121102 wahr, von denen einige viel zu schwach waren, um von anderen Teleskopen wahrgenommen zu werden, sagt Li.

Leistungssteigerung geplant

Fast wird auch die Erforschung von Exoplaneten voranbringen, sind die Wissenschafter überzeugt. Bisher wurden zwar noch keine Exoplaneten anhand ihrer Radioemissionen eindeutig identifiziert, doch die Fähigkeit von Fast, schwache, polarisierte Wellen zu erkennen, könnte dies künftig ermöglichen. Das Team um Li möchte dafür die Leistung des Teleskops steigern, indem es 36 Fünf-Meter-Schüsseln hinzufügt. Obwohl es sich bei diesen Schüsseln um relativ preisgünstige Standardinstrumente handelt, werden sie zusammengenommen die räumliche Auflösung von Fast um das 100-Fache steigern, meint Li.

Li hofft, dass das Operationszentrum von Fast bald von der bisherigen, recht abgelegenen Stelle zu einem 23-Millionen-Dollar-Rechenzentrum in der Stadt Guiyang verlagert wird. Ein solcher Umzug würde dazu beitragen, dass sich mehr Forscher und Techniker an dem Projekt beteiligen können. Die größte Herausforderung für sein Team besteht nun darin, die enorme Datenmenge, die das Teleskop liefern wird, zu speichern und zu verarbeiten. Das Team verhandelt mit der chinesischen Regierung, um zusätzliche Mittel für mehr Datenspeicherung zu erhalten. (tberg, red, 22.12.2019)