Gibt sich für die Stichwahl trotz Niederlage im ersten Wahlgang zuversichtlich: Kolinda Grabar-Kitarovic.

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Zoran Milanovic bei der Stimmabgabe.

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Wahlparty bei den Sozialdemokraten.

"Es soll der beste gewinnen und ich bin überzeugt, dass ich das bin", sagte Milanovic angesichts der Stichwahl am 5. Jänner.

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Zagreb – Der sozialdemokratische Ex-Premier Zoran Milanović hat am Sonntag die erste Runde der Präsidentenwahl in Kroatien mit 29,6 Prozent der Stimmen gewonnen. In der Stichwahl trifft er auf die konservative Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarović, die nach Auszählung fast aller Stimmen 26,7 Prozent erhalten hat. Die zweite Wahlrunde am 5. Jänner wird ein Duell zwischen den Kandidaten der beiden Großparteien sein.

Dritter wurde der rechtsnationalistische Folkpop-Sänger Miroslav Skoro mit 24,4 Prozent. Mit der aktuellen Präsidentin, Kandidatin der regierenden HDZ-Partei, sprach er die gleiche Wählerschaft an und zielte vor allem an jene Wähler, die mit der gemäßigten Linie unter HDZ-Partei- und Regierungschef Andrej Plenković unzufrieden sind. Hinter dem unabhängigen Skoro, der sich als ein Anti-Establishment-Kandidat gab, versammelten sich radikale Rechtsparteien und Politiker, die vor fünf Jahren noch die aktuelle Präsidentin unterstützt hatten.

Grabar-Kitarović setzt auf Zusammenhalt

"Gehen wir in die zweite Runde", sagte Milanović am Wahlabend. "Es soll der Beste gewinnen, und ich bin überzeugt, dass ich das bin", fügte er hinzu. "Ich glaube an den Sieg." Der 53-Jährige, der drei Jahre nach dem Rückzug aus der Politik einen Neuanfang anstrebt, kündigte an, in den nächsten zwei Wochen darum zu kämpfen, all jene Bürger zur Wahl zu animieren, bei denen das Interesse Kroatiens an erster Stelle stehe. Er sei "reif und bereit", das Amt des Präsidenten zu übernehmen. Mit ihm als Präsidenten werde sich "niemand im Land als zweitklassiger Bürger fühlen", sagte Milanović und betonte, dass er "gläubiger Verteidiger der Verfassung" sein werde.

Die 51-jährige Präsidentin kündigte unterdessen einen scharfen Kampf vor der Stichwahl an. Vor ihren Anhängern betonte sie, dass die erste Runde ein "Kampf zehn gegen eine" gewesen sei. "Anders als Milanović hatte ich einen starken Kontrahenten in meinem politischen Spektrum", betonte Grabar-Kitarović. "Jetzt müssen wir alle zusammentreten und den Sieg holen", sagte sie und sprach auch Skoros Wähler an. "Ich habe eure Botschaft verstanden. Jetzt ist aber nicht die Zeit, dass wir uns wieder trennen." Die Stimme für sie sei die Stimme für ein besseres Kroatien.

Gespaltenes rechtes Lager

In der erste Runde hatte Milanović von dem scharfen Kampf im rechten Lager profitiert. Die Führung in der ersten Wahlrunde sei ein großer psychologischer Vorteil für die Stichwahl, hieß es aus seinem Lager am Wahlabend. Milanović ist Kandidat der oppositionellen Sozialdemokraten (SDP), der von ein Dutzend weiteren Parteien unterstützt wird.

Für die Stichwahl stellt sich die Frage, ob Grabar-Kitarović jene Wähler, die sich Skoro zugewandt haben, zurückholen kann. Analytiker gehen allerdings nicht davon aus, dass die Präsidentin automatisch auf ihre Stimmen zählen kann. Es ist fraglich, ob sich das gespaltene rechte Lager wieder vereinigen wird. Skoro, der bereits politische Ambitionen über die Präsidentenwahl hinaus zeigte, kündigte am Wahlabend an, bei den Parlamentswahlen im nächsten Jahr antreten zu wollen. Die rechtsradikalen und ultrakonservativen Politiker und Parteien sehen sein Abschneiden als gute Grundlage für die Parlamentswahl. (APA, 23.12.2019)