Die Räumung der geschmolzenen Reaktoren soll erst 2024 beginnen.

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Tokio – Japans Regierung will die Entsorgung der verbleibenden Brennstäbe aus den beim Atomunglück von Fukushima beschädigten Reaktoren aus Sicherheitsgründen um mehrere Jahre verschieben. Die Betreiberfirma Tepco sei angewiesen worden, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen, teilte die Regierung in Tokio am Freitag mit.

Demnach soll sie frühestens 2024 mit der Entfernung der Brennstäbe aus den Reaktoren 1 und 2 des havarierten Atomkraftwerks beginnen. Die abgebrannten Brennelemente im Reaktor 4 sind bereits entfernt worden.

Langwierige Aufräumarbeiten

Im Kraftwerk Fukushima Daiichi im Nordosten des Inselreiches war es am 11. März 2011 in Folge eines gewaltigen Tsunamis zu einem Gau, einem Größten Anzunehmenden Unfall, gekommen. Als Folge der Kernschmelzen in drei Fukushima-Reaktoren mussten damals rund 160.000 Anrainer fliehen. Tausende konnten wegen der Strahlenbelastung noch immer nicht zurückkehren. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit dem Unfall in Tschernobyl 1986.

Die Entfernung der Brennstäbe gilt es größte Herausforderung der Aufräumarbeiten. Bis März 2032 sollen alle 4.741 abgebrannten Brennstäbe in den insgesamt sechs Reaktoren des Atomkraftwerks entfernt werden. Die Entsorgung der gesamten Anlage soll rund vier Jahrzehnte dauern. "Es handelt sich um einen sehr schwierigen Prozess, und es ist schwer abzusehen, was zu erwarten ist. Das Wichtigste ist die Sicherheit der Arbeiter und der umliegenden Gegend", sagte Industrieminister Hiroshi Kajiyama auf einer Pressekonferenz am Freitag.

3.700 Tote

Japan verfolgt ein strenges Programm zur Dekontaminierung. Für viele Gegenden wurden die Sperren aber inzwischen wieder aufgehoben. Einer Umfrage japanischer Medien vom Februar zufolge sind 60 Prozent der Bewohner in der Fukushima-Region allerdings weiterhin besorgt wegen der Verstrahlung. Im Februar gab es noch 52.000 Vertriebene – unter ihnen auch viele, die sich weigern zurückzukehren.

Bisher gibt es zwar keine offiziell registrierten Todesfälle durch die Verstrahlung, allerdings gab die Regierung im vergangenen Jahr erstmals den Krebstod eines Mannes bekannt, der an den Dekontaminierungsarbeiten nach dem Atomunglück beteiligt war. Offiziellen Angaben zufolge starben in der Folge der Katastrophe mehr als 3.700 Menschen – die meisten aus Fukushima – an Krankheiten oder weil sie sich das Leben nahmen. (APA, dpa, red, 27.12.2019)