Die Kabinengewerkschaft Ufo hat die Flugbegleiter zum Streik rund um den Jahreswechsel aufgerufen.

Foto: EPA/ Felipe Trubea

Frankfurt – Die Gewerkschaft Ufo hat die Flugbegleiter der Lufthansa-Tochter Germanwings zum Streik aufgerufen. Der Aufruf gelte vom 30. Dezember, 0 Uhr bis zum 1. Jänner, 24 Uhr, teilte ein Sprecher der Gewerkschaft am Freitagabend mit. Zunächst beziehe sich der Streikaufruf nur auf Germanwings. Wenn es nun aber seitens der Lufthansa kein Einlenken gebe, "werden wir während des Germanwings-Streiks sicherlich auch verkünden müssen, dass es bei den anderen Airlines Streiks gibt", sagte der Gewerkschafter in einem Video-Statement auf Youtube. Diese Streiks, die gegebenenfalls ab 2. Jänner folgen, würden dann massiver und länger werden.

Videostatement der Flugbegleiter-Gewerkschaft vom Freitagnachmittag.
UFO e.V.

Eurowings kündigt Sonderflugplan an

Die Tochter Germanwings ist laut Konzernangaben noch mit 30 Flugzeugen und 1.400 Mitarbeitern, davon 800 in der Kabine, für die Nachfolgemarke Eurowings unterwegs, soll aber perspektivisch mit dem Eurowings-Flugbetrieb verschmolzen werden. Einen eigenen Markenauftritt gibt es nicht mehr. Das Management gebe den Mitarbeitern keine klare Perspektive für die Zukunft des Flugbetriebs, erklärte Ufo-Vize Daniel Flohr. Diese Perspektivlosigkeit zeige sich auch in den Tarifthemen am Verhandlungstisch.

Eurowings kündigte am Freitagabend an, einen Sonderflugplan zu erstellen, um die Auswirkungen auf die Fluggäste gering zu halten. Außerdem wies die Fluggesellschaft darauf hin, dass sie 140 Flugzeuge habe, von denen nur die 30 Germanwings-Maschinen von dem Streik betroffen seien.

Lufthansa kritisiert Streik

Die Lufthansa hat bereits im Vorfeld Kritik an der Streikankündigung geübt. "So kann man den Konflikt nicht lösen", sagte ein Konzernsprecher am Freitag. Der Lufthansa-Sprecher kritisierte den Zeitpunkt der erwarteten neuen Arbeitsniederlegungen. Ein Streik rund um den Jahreswechsel würde insbesondere Reisende treffen, die über die Feiertage ihre Familien besuchten, sagte er.

Die Auseinandersetzung zwischen der Kabinengewerkschaft und der Lufthansa tobt bereits seit Monaten. Der Konzern zweifelt die Vertretungsbefugnis von Ufo für das Kabinenpersonal an und sieht die "Gewerkschaftseigenschaft" ungeklärt. Die Streiks hält er daher für rechtswidrig. Nach Angaben von Ufo geht es um Gehaltserhöhungen, betriebliche Altersvorsorge und Teilzeitregelungen bei den Lufthansa-Töchtern. Die Arbeitnehmervertreter verlangen zudem eine Rücknahme von Kündigungen sowie eine Aufarbeitung des heftigen Konflikts der vergangenen Monate.

Flugausfälle schon im November

In dem Konflikt hat es bereits einen Warnstreik bei vier Lufthansa-Töchtern sowie einen zweitägigen Streik bei der Kerngesellschaft Lufthansa gegeben. Dabei waren im November rund 1.500 Flüge mit rund 200.000 betroffenen Passagieren ausgefallen.

Um die Weihnachtsfeiertage kam es zu einem erneuten Schlichtungsversuch. Die beiden Vermittler – der frühere Chef der deutschen Arbeitsagentur, Frank-Jürgen Weise, und der ehemalige brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) – hatten die zerstrittenen Tarifparteien zu einem weiteren Schlichtungsvorgespräch eingeladen. Die Gewerkschaft teilte ihren Mitglieder allerdings mit, dass diese Schlichtung erfolglos verlaufen sei. (Reuters, APA, 27.12.2019)