Die wohl größte Sensation des Wochenendes boten die Miami Dolphins mit dem 27:24 Auswärtssieg bei den New England Patriots. Ryan Fitzpatrick mutierte einmal mehr zu Fitzmagic, warf für 320 Yards (28/41) und einen Touchdown samt 15 Rushing-Yards und einen Rushing-TD. Der Veteran war dann zur Stelle wenn es richtig nötig war und konnte seine Mannschaft mit einem 75-Yard-Drive mit seinem Touchdown-Pass auf Tight End Mike Gesicki 24 Sekunden vor Schluss in Führung bringen. Fitzpatrick spielte eine äußerst unterhaltsame Saison, mit vielen riskanten Manövern und Entscheidungen. Der 37-Jährige hatte einfach keinerlei Respekt vor irgendeinem Gegenspieler und spielte jede Partie so, als wäre sie seine letzte.

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Miami machte einen sehr guten Job, Wide Receiver DeVante Parker spielte sich mit Defensive-Player-of-the-Year-Kandidat Stephon Gilmore und kam auf 137 Yards. Tom Brady (16/29) kam auf 221 Yards und zwei Touchdowns, warf aber auch einen untypischen Pick-Six. Es war nicht sonderlich berauschend was der aktuelle Super Bowl-Champ ablieferte, am Ende des Spiels versuchte man mit vielen Lateral-Pässen ein eigenes "Miami-Miracle" zu kreieren. Es gelang nicht.

New England verpasst durch die Niederlage erstmals seit 2009 eine Bye-Week und steht wieder in einem Wildcard-Game. Dort trifft man in der kommenden Woche auf die Tennessee Titans.

Chiefs mit Pause

Die Kansas City Chiefs erledigten ihre Hausaufgaben mit einem 31:21 Sieg über die Los Angeles Chargers und dürfen sich dank des Siegs von Miami über New England eine Woche lang ausruhen, ehe es in der Divisional-Round für das Team von Andy Reid losgeht. Im Gegensatz zu den vergangenen Wochen, war die Leistung Kansas Citys nicht die allerbeste, Pat Mahomes brachte 16 von 25 Bällen für 174 Yards (ein TD, eine INT) bei seinen Mitspielern an. Der wichtigste Mann stand dieses Mal aber im Backfield der Chiefs: Runningback Damien Williams bekam zwölfmal den Ball und erzielte einen Raumgewinn von 124 Yards und zwei Touchdowns (ein Score resultierte aus einem 84-Yard-Run). Für das spektakulärste Play des Abends sorgte Mecole Hardman, der einen Kickoff zu einem 104-Yard-TD retournierte. Defensiv hatten "Honey badger" Tyrann Mathieu und Daniel Sorensen je eine Interception, Neuzugang Terrell Suggs, Frank Clark und Chris Jones je einen Sack.

Bei den Chargers könnte man das letzte Spiel von Quarterback Philip Rivers gesehen haben. Der Veteran gab nach dem Spiel eine sehr emotionale Pressekonferenz, die Zweifel an einer Rückkehr auf das Spielfeld hinterlassen. Rivers (31/46, 281 Yards) warf zwei Touchdowns und zwei Picks. Generell geht die Saison für die Bolts einmal mehr enttäuschend zu Ende. Auf dem Papier gilt man zu Saisonbeginn immer als Geheimfavorit, Niederlagen in engen Partien, eigenwillige Wege sicher geglaubte Spiele noch zu verlieren und der Verletzungsteufel machen den Chargers immer einen Strich durch die Rechnung. Einige Personalien (Melvin Gordon, Austin Ekeler) müssen geklärt werden. Keenan Allen bleibt einer der besten Receiver der Liga, er kam gegen die Chiefs auf neun Fänge für 82 Yards und einen TD.

Packers wieder mal mit Bauchweh

In der NFC konnten sich die Green Bay Packers tatsächlich noch eine Bye-Week sichern. Der 23:20 Sieg über die Detroit Lions machte es möglich. Green Bay verschlief den Start des Spiels komplett und lag zur Pause mit 3:17 zurück. Eine starke zweite Halbzeit von Aaron Rodgers (323 Yards, 27/55) mit Touchdownpässen auf Davante Adams und Allen Lazard brachte den Turnaround, in Führung ging man erstmals dann wo es wirklich zählte: Mit der Schlusssekunde durch ein Field Goal von Mason Crosby. Aber wirklich überzeugend war es wieder einmal nicht. Die Packers konnten glatte 13 Spiele gewinnen, wie genau das gelang, wissen wohl die wenigsten. Die Offensive strauchelt immer noch, hat aber mit Rodgers weiterhin einen der besten Spielmacher in den eigenen Reihen, der jedes Spiel gewinnen kann. Auch wenn er an diesem Abend eine seiner sehr seltenen Interceptions warf und gerade zu Spielbeginn sehr unzufrieden mit dem Playcalling seines Head Coaches war – er findet einen Weg um Partien zu drehen. Die Vorbereitungszeit sollten Rodgers und Matt LaFleur aber wirklich nützen und sich endlich auf einen gemeinsamen Nenner einigen.

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Detroit machte das, was Detroit am besten kann: In eigentlich vollkommen bedeutungslosen Spielen eine halbwegs brauchbare Leistung zeigen. Das Lazarett der Lions spielte mit Herz, belohnte sich aber nicht. Muss gar kein Fehler sein, da dadurch zumindest im Hinblick auf den NFL Draft eine viel bessere Position herauskam: Die Lions picken im April an dritter Stelle und wollen mit guten Picks das Team fixen.

Nail-Biter in Seattle

Das zu erwartende Spitzenspiel zwischen den San Franscisco 49ers und den Seattle Seahawks hielt, was es versprach. In einer echten Zitterpartie retteten wenige Inches die 49ers zum 26:21 Sieg. Seattle klopfte in den Schlussminuten heftig an der Endzone der 49ers an, Tight End Jacob Hollister wurde ganz knapp vor der Goalline von Fred Warner und Dre Greenlaw gestoppt. Marshawn Lynch dürfte wieder einmal ein Déjà-Vu erlebt haben, wieder einmal bekam er an der gegnerischen 1-Yard-Line nicht den Ball. Bei der starken Laufverteidigung der 49ers aber auch nicht weiter verwunderlich.

San Francisco revanchierte sich also für die knappe Niederlage im Hinspiel. Jimmy Garoppolo (18/22, 285 Yards) warf zwar keinen Touchdown, konnte aber vor allem Deebo Samuel und George Kittle in Szene setzen. Samuel schien ohnehin nur sehr schwer zu stoppen, 102 Receiving-Yards und 33 Rushing-Yards mit einem Rushing-TD für den Rookie. Raheem Mostert steuerte zwei TDs per Lauf bei. Die Defensive zeigte sich gewohnt stark und machte Russell Wilson (25/40, 233 Yards, zwei TDs) das Leben schwer.

Rückkehrer Marshawn Lynch bekam das Ei gleich zwölfmal, lief für 34 Yards und einen Score. Eigentlich hätte Head Coach Pete Carroll Beast Mode im Schlussdrive an der Goal Line sicherlich gerne den Ball gegeben, ein Delay of Game Call ließ die Seahawks aber weiter nach hinten rücken. Wilson und Co schafften es fast San Francisco zu besiegen. Trotz 13 Punkte Rückstand. Inches fehlten zum Sieg.

Dadurch haben sich die 49ers den ersten Platz in der NFC gesichert und sich eine Bye-Week verdient. Seattle fährt nächste Woche zu den Philadelphia Eagles.

Saints ohne Probleme

Die New Orleans Saints hatten mit den Carolina Panthers keine Probleme und gewannen die Partie deutlich mit 42:10. Drew Brees warf 253 Yards (19/30) und drei Touchdowns, verpasste es aber knapp seinen eigenen Completion-Rekord aus dem Vorjahr zu brechen. Die Saints schrieben sich aber dennoch in die Rekordbücher ein, in der gesamten Regular Season produzierte man nur acht Turnover – und das obwohl Brees für einige Spiel ausfiel. Alvin Kamara lief zwei mal in die Endzone und beendete seine Saison wie schon seine ersten beiden NFL-Spielzeiten mit 81 Catches. Michael Thomas (37 Yards) kam diesmal nicht in die Endzone, dafür aber Tre’Quan Smith, Taysom Hill und Jared Cook. Janoris Jenkins fing seine erste Interception als Saint, A.J. Klein kam auf einen Pick Six. Pass Rusher Cam Jordan beendete die Regular Season mit einem Karriere-hoch von 15.5 Sacks.

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Bei den Panthers muss und kann man nur über Christian McCaffrey reden. Der Runningback kam auf sieben Fänge für 72 Yards sowie neun Carries für 26-Yards und einen Touchdown. Dadurch konnte auch er sich wieder einmal in die Rekordbücher eintragen: McCaffrey ist erst der dritte Spieler (nach Roger Craig und Marshall Faulk) in der NFL-Geschichte, der eine Saison mit über 1.000 Rushing- und Receiving-Yards abschließen konnte.

Die Saints sind durch den Spielausgang der Seattle Seahwaks und der San Francisco 49ers an an dritter Stelle gesetzt und bekommen es nächste Woche zu Hause mit den Minnesota Vikings zu tun.

Eagles durch

Die NFC East geht in diesem Jahr an die Philadelphia Eagles. Die Adler konnten die New York Giants mit 34:17 besiegen. Wirklich viele gesunde Spieler stehen den Eagles nicht mehr zur Verfügung, die, die noch fit sind, können aber überzeugen. Runningback Boston Scott lief gleich drei Mal in die Endzone, Carson Wentz (23/40, 289 Yards) fand Josh Perkins für einen Touchdownpass. Dennoch brauchen die Eagles ein mittleres Regenerations-Wunder um in den Playoffs auch eine größere Rolle spielen zu können. Einziges Glück für Philly: Auch die Seahawks treten nächste Woche mit einem Lazarett an.

Die Giants picken durch die Niederlage im Draft an vierter Stelle und wollen sich damit ein weiteres Toptalent angeln. Die letzten Firstround Picks Daniel Jones (28/47, 301 Yards, ein TD, eine INT) und Saquon Barkley (92 Yards, ein TD) machten ein gutes Spiel, die Rookies Kaden Smith (98 Yards) und Darius Slayton (50 Yards) ebenso. Bleibt noch die Frage wie es mit dem Trainer weitergeht. Ein Rauswurf von Pat Shurmur scheint wahrscheinlich.

Titans drin

Die Tennessee Titans ziehen mit einem 35:14 Sieg über die Houston Texans in die Postseason ein. Houston schonte fast alle Starter, Tennessee hatte mit den Backups keine Gnade und spielte die Partie trocken nach Hause. Quarterback Ryan Tannehill warf 198 Yards (13/20) und zwei TDs – A.J. Brown war mit 124 Yards und vier Fängen samt Touchdown seine liebste Anspielstation. Man könnte dem Veteran den Comeback Player of the Year-Award geben, durch ihn haben sich die Titans zu einem gefährlichen Team gemausert. Runningback Derrick Henry explodierte nach einer Woche Pause vollkommen, bekam das Ei gleich 32 Mal und lief für 211 Yards und drei Touchdowns. Damit lief der ehemalige Heisman Trophy-Winner 1.540 Yards in dieser Saison. Mehr wie jeder andere Runningback.

Kommende Woche kommt es zum Spiel gegen die New England Patriots. Mike Vrabel will seinen Ex-Coach Bill Belichick überraschen und mit seiner Mannschaft in die nächste Runde einziehen. Man darf ein knappes Spiel erwarten. Houston bekommt von den Buffalo Bills Besuch.

30 for 30

Jameis Winston beendete seine Saison und damit auch jene der Tampa Bay Buccaneers standesgemäß mit einem Pick-Six. Diesmal in Overtime, wodurch die Atlanta Falcons zu einem 28:22 Erfolg und damit auch zum vierten Sieg in Folge kamen. Winstons Saison ist eine einzige Berg- und Talfahrt: Als erst achter Spieler durchbrach der ehemalige Overall-Firstround-Pick die 5.000 Passing-Yards-Marke. 33 Touchdowns stehen 30 Interceptions gegenüber, ein bis dahin noch nie erreichter Wert. Sieben Pick-Six bedeuten einen neuen Saison-Rekord. Tampa und Head Coach Bruce Arians dürften Winston noch eine Chance geben und ihn für kommendes Jahr noch einmal zurückholen. Aber wirklich schlau wird man aus dem Spielmacher nicht.

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Die Falcons verkündeten unter der Woche die Rückkehr von Head Coach Dan Quinn und General Manager Thomas Dimitroff. Eine starke zweite Saisonhälfte rettete beiden Personalien den Job. Auch wenn die Saison nicht überzeugend war – sechs Siege aus den letzten acht Spielen mit Erfolgen über New Orleans und San Francisco reichten dann doch. Sieben Siege bei neun Niederlagen am Ende.

Bye, bye Kitchens

Die Cleveland Browns sind ob des großen Hypes in dere Offseason die größte Enttäuschung der Saison. Gegen die Cincinnati Bengals erreichte das Team von Freddie Kitchens einen neuen Tiefpunkt, es setzte eine 23:33 Niederlage. Für die Bengals stellte der Sieg den erst zweiten Erfolg der Saison dar. Baker Mayfields Partie war symbolisch für seine gesamte zweite Profi-Saison: Traumhaften Touchdownpässen auf Damion Ratley, Jarvis Landry und Odell Beckham folgten ebenso grausame Entscheidungen, die in drei Interceptions gipfelten. Eine vollkommen verkorkste Saison und ein Saisonausklang mit drei Niederlagen in Folge, die Kitchens den Job kostete. Das Team vermeldete den Rauswurf des Rookie-Coaches wenige Stunden nach Spielende.

Cincinnatis Erfolg kam vor allem über Runningback Joe Mixon der mit 162 Yards und zwei Touchdowns förmlich explodierte. Andy Dalton (16/28, 190 Yards, ein TD, eine INT) dürfte sein letztes Spiel für die Bengals gespielt haben. Seinem wahrscheinlichen Nachfolger hat man am vergangenen Samstag auf die Hände schauen können: LSU Quarterback Joe Burrow führte seine Mannschaft mit satten sieben Touchdowns (wohlgemerkt in nur einer Halbzeit) ins Finale der College-Meisterschaft.

Weitere Spiele

Die Minnesota Vikings schonten gegen die Chicago Bears nahezu alles was Rang und Namen hat und verlor dennoch nur knapp mit 19:21. Wie bzw. ob es bei den Bears mit Mitchell Trubisky (207 Yards, 26/37) weitergeht, kann man nach diesem Spiel weiterhin nicht abschätzen.

Die New York Jets setzten sich gegen die Buffalo Bills mit 13:6 durch. Auch wenn Quarterback Josh Allen startete, schonten die Bills die meisten Starter nach wenigen Drives für die Playoffs. Die Jets kamen in den letzten acht Wochen auf sechs Siege und beendeten die Saison mit einem Record von 7-9. Buffalo trifft im Wildcard-Game auf die Houston Texans.

Dallas kam zu einem lockerem 47:16 Sieg über Washington. Ein schöner Sieg der aber nichts mehr brachte, die Cowboys verpassen die Playoffs. Für Jason Garrett dürfte es das auch mit seinem Head-Coaching-Spot gewesen sein. Seine Ausbeute mit einem eigentlich talentiertem Team fällt zu mager aus. Die Redskins dürfen an zweiter Stelle im Draft auswählen und treffen sich heute mit Ex-Panthers-Coach Ron Rivera. Er dürfte der Wunschtrainer der Franchise sein.

Baltimore kam auch ohne Lamar Jackson zum Sieg über Pittsburgh – 28:10 am Ende. Die Steelers brauchen dringend einen ordentlichen (Backup)-Quarterback, Devlin Hodges dürfte diesen nicht darstellen. Es war eine beachtliche Leistung Pittsburghs, trotz Verletzungen und Abgängen, die Playoffs so lange vor Augen zu haben. Bei Baltimore geht einfach alles auf, die Ravens machen jetzt eine Woche Pause bevor es richtig losgeht.

Jacksonville besiegt Indianapolis mit 38:20. Die Colts brauchen in der neuen Saison einen neuen Quarterback. Bei Jacksonville stellt sich die Trainerfrage.

Die Oakland Raiders verpassten die Playoffs also doch noch, durch die 15:16 Niederlage bei den Denver Broncos wurden die Postseason-Träume zerstört. Jetzt geht es nach Las Vegas.

Die Los Angeles Rams bezwingen die Arizona Cardinals mit 31:24. Für die Rams nach den verpassten Playoffs ein halbwegs versöhnlicher Saisonausklang. Arizonas Saison war gut, Kyler Murray und Kliff Kingsburry dürften sich wohlfühlen. Chandler Jones sollte Defensive Player des Jahres werden, er führt die Liga mit 19 Sacks an.

Wildcard-Spiele:

Tennessee Titans @ New England Patriots

Buffalo Bills @ Houston Texans

Minnesota Vikings @ New Orleans Saints

Seattle Seahawks @ Philadelphia Eagles

(Martin Senfter, 30.12.2019)