Werkzeuggebrauch bei Vögeln war bisher vor allem von Raben- und Papageienarten bekannt. Der Papageitaucher gehört aber zu den Alkenvögeln, die als weniger klug gelten. (Hier im Bild/Schnabel: keine Werkzeuge, sondern die übliche Ladung an kleinen Fischen.)
Foto: AP / Robert F. Bukaty

Lange galt der Werkzeuggebrauch als eine Besonderheit des Menschen, die ihn von allen anderen Tieren unterschied. Doch spätestens im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden immer mehr Spezies dabei beobachtet, wie sie Werkzeug für ihre Zwecke zum Einsatz bringen. Den Anfang machten dabei Jane Goodalls Beobachtungen von Schimpansen, die mit kleinen Stöckchen gezielt nach Nahrung angelten.

Doch es sind nicht nur unsere nächsten lebenden Verwandten, die des Werkzeuggebrauchs fähig sind: Andere Primaten tun es ebenso wie etwa auch Elefanten. Und auch im Reich der Raben- und Papageienvögel, deren Intelligenz lange unterschätzt wurde, ist der geschickte Einsatz von Hilfsmitteln seit vielen Jahren gut dokumentiert.

Werkzeuggebrauch zur Körperpflege

Wenn Tiere zu kleinen Ästen, mitunter auch Steinen greifen, geht es meist um Nahrungsbeschaffung. Doch manchmal werden die Werkzeuge auch zur Pflege des eigenen Körpers eingesetzt: Einige Arten, die zum exklusiven Klub der Werkzeuggebraucher zählen, kratzen sich manchmal mit Stöckchen an schwer erreichbaren Körperstellen.

Diese Verhaltensweise zeigt offenbar auch der Papageitaucher, wie Forscher um Annette Fayeta (Uni Oxford) Anfang dieser Woche im Fachblatt "PNAS" berichteten. Die im Nordatlantik beheimateten Alkenvögel sind vor allem wegen ihres auffälligen Schnabels bekannt, aber nicht gerade für überdurchschnittliche Meeresvogelintelligenz.

Kurzer Clip über eine Papageitaucherkolonie.
Nature on PBS

Doch der nun erstmals dokumentierte Werkzeuggebrauch bei Seevögeln (immerhin gibt es von diesen 275 Arten) rückt die taubengroßen Vögel in ein neues Licht.

In die Kamerafalle gegangen

Konkret beobachtete das Ornithologenteam in Wales einen Papageitaucher dabei, wie er einen Holzstab im Schnabel hielt und sich damit im Wasser etwa fünf Sekunden lang den Rücken kratzte. Offenbar hatte er das Werkzeug zuvor an Land aufgesammelt. In Island ging ein weiterer Papageitaucher sogar in eine Kamerafalle, als er Stäbchen vom Boden aufhob und damit vorsichtig die Vogelbrust bearbeitete.

Man würde fast Absicht vermuten: Dieser Papageitaucher dreht sich extra zur Kamera, um zu zeigen, wie es sich an der Brust kratzt.
Science News

(Versuchte) Entfernung von Zecken?

Bleibt erstens die Frage, warum sich die Vögel sogar mithilfe von Werkzeugen der Körperpflege hingeben. Laut Fayeta und ihrem Team dürfte das vermutlich damit zusammenhängen, dass die Kolonien der Papageitaucher immer wieder von Zecken befallen werden. Die Vögel dürften versuchen, die lästigen Parasiten aus ihrem Federkleid zu entfernen oder sich Erleichterung vom Juckreiz zu verschaffen.

Offen bleibt vorerst nur noch die zweite Frage, ob dieses Verhalten der Vögel angeboren oder erworben ist – etwa durch Beobachtungen anderer Vögel, wie die Forscher eher vermuten. (tasch, 4.1.2020)