Neun von zehn Skiunfällen auf Österreichs Pisten sind auf Stürze zurückzuführen. Bei acht Prozent handelt es sich um Zusammenstöße, zuletzt gab es gleich mehrere mit Fahrerflucht.

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Grafik: Der Standard

Skifahren steht an vierter Stelle auf der Liste der Lieblingssportarten der Österreicher. Nur Wandern, Schwimmen und Radfahren sind beliebter. Und das, obwohl die Österreicher diese Wintersportart einer Befragung zufolge für riskant und das Verletzungsrisiko für hoch halten (siehe Grafik).

In den Weihnachtsferien vergeht kein Tag, an dem nicht schwere Unfälle auf Pisten vermeldet werden: So ereigneten sich am Donnerstag gleich mehrere Zusammenstöße mit Fahrerflucht. In Söll im Bezirk Kufstein kollidierte ein 65-jähriger Deutscher mit einem Unbekannten und blieb schwer verletzt liegen. Sein Sohn wurde wenig später von jemandem angefahren, der ebenfalls davonfuhr. Der 17-Jährige musste ins Spital. Auch in Salzburg kam es zu drei Kollisionen mit Verletzten, nach denen sich je einer der Beteiligten wieder auf und davon machte.

Wie viel passiert beim Skifahren und Snowboarden also? Unter welchen Umständen ereignen sich die meisten Unfälle? Und was kann man tun, um Verletzungen vorzubeugen? Ein Blick in Österreichs Skigebiete und über den Pistenrand hinaus.

Frage: Wie riskant ist das Skifahren?

Antwort: Rund 24.400 Menschen verletzen sich laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) jedes Jahr in Österreich beim Skifahren, hinzu kommen etwa 5000 Personen beim Snowboarden. Zum Vergleich: Beim Autofahren, das immerhin das ganze Jahr über in ganz Österreich ausgeübt wird, wurden im Jahr 2018 der Statistik Austria zufolge 46.525 Menschen verletzt – bei gut fünf Millionen zugelassenen Pkws.

Als Skifahrer bezeichnen sich rund 3,2 Millionen Personen in Österreich, etwa die Hälfte davon ist innerhalb eines Jahres tatsächlich auf den Skiern gestanden. Im Schnitt befindet sich ein österreichischer Skifahrer fünf Tage im Jahr auf der Piste.

Frage: Warum kommt es zu Unfällen?

Antwort: Zu den häufigsten Unfallursachen zählen laut KFV Übermut, Fehleinschätzungen, Ablenkung und Unachtsamkeit.

Frage: Welcher Skitag ist gefährlich?

Antwort: 30 Prozent der Verletzten geben an, dass ihnen der Unfall gleich am allerersten Skitag passierte. Typischerweise kommt es nicht zu einer Kollision (nur in acht Prozent der Fälle), viel häufiger ist es ein Sturz, und zwar in neun von zehn Fällen. In Kärnten erlitt eine Zehnjährige am Donnerstag – offenbar ohne Fremdverschulden – schwere Verletzungen, weil sie in einem steilen Bereich im Skigebiet Hochrindl von der Piste abkam und dann gegen Absicherungsmatten prallte.

Frage: Wie oft und auf welchem Untergrund ereignen sich Stürze?

Antwort: Jeder zweite Ski- und Snowboardfahrer gab bei einer KFV-Befragung an, in der vergangenen Saison gestürzt zu sein. Unter den Unerfahreneren waren es sieben von zehn Personen. Laut rund einem Drittel der Verunfallten spielte die Bodenbeschaffenheit eine Rolle. Etwa bei der Hälfte machte der harte Schnee Probleme, bei 42 Prozent eisige Pisten und bei 20 Prozent Unebenheiten.

Frage: Mit welchen Verletzungen ist zu rechnen?

Antwort: Knapp sechs von zehn Verletzungen sind Brüche, gefolgt von Sehnen- und Muskelverletzungen sowie Prellungen. Das Knie ist die am meisten gefährdete Körperstelle, ein Viertel aller Skiverletzungen betreffen es, gefolgt von Schulter und Unterschenkel. Kopfverletzungen sind selten geworden.

Frage: Ist ein Skihelm Pflicht?

Antwort: Für Kinder gilt in den meisten Bundesländern bis zum vollendeten 15. Lebensjahr die Helmpflicht, Ausnahmen sind Tirol und Vorarlberg. Wobei insgesamt neun von zehn Skifahrern bereits einen Helm tragen. Dieser muss gut passen und sollte alle drei bis fünf Jahre erneuert werden, bei Schäden früher.

Frage: Was kann man noch tun, um Unfällen auf der Piste vorzubeugen?

Antwort: Das KFV empfiehlt regelmäßige Checks der Skiausrüstung. Einmal im Jahr sollte ein Fachhändler die Bindung kontrollieren. Und nur sechs von zehn Skifahrern bereiten sich körperlich auf das Skifahren vor, was eine gute Präventionsmaßnahme wäre. Außerdem wird zu einem Skikurs geraten, da Anfänger und Ungeübte ja besonders oft stürzen. Essenziell ist aber auch das Verhalten auf dem Hang. Es gibt Pistenregeln des Skiverbands Fis, die zwar rechtlich nicht bindend sind, Verstöße dagegen können aber in einem etwaigen Gerichtsverfahren eine Rolle spielen. Auch ist der Alkoholkonsum beim Skifahren, Boarden oder Rodeln zwar nicht strafbar, doch wer auf der Piste alkoholisiert einen Unfall verursacht, muss trotzdem mit strafrechtlichen und versicherungsrelevanten Konsequenzen rechnen.

Frage: Wie lauten die Fis-Regeln?

Antwort: Man soll Rücksicht auf die anderen nehmen und auf Sicht fahren – Rechtsvorrang wie beim Autofahren gilt übrigens nicht. Der von hinten kommende Ski- oder Snowboardfahrer hat seine Fahrspur so zu wählen, dass er vor ihm Fahrende nicht gefährdet. Überholt werden darf von und auf allen Seiten, vorausgesetzt, man hält genügend Abstand. Wer angehalten hat, muss nach oben und unten schauen und sich vergewissern, dass er ohne Gefahr weiterfahren kann. Stehenbleiben an unübersichtlichen Stellen ist zu vermeiden. Wer zu Fuß den Hang ab- oder aufsteigt muss das am Rand der Strecke tun. Außerdem sind Markierungen und Signale zu beachten – zum Beispiel Lawinenwarnschilder. Jeder muss bei Unfällen Hilfe leisten, und wer in einen Unfall involviert ist, hat seine Personalien anzugeben. (Gudrun Springer, 4.1.2020)