Libyer verbrannten bei Protesten Bilder von General Khalifa Haftar. Dieser hatte jüngst zu einer neuen Offensive gegen die Regierung in Tripolis aufgerufen. Ihn sollte wohl auch der Luftschlag von Samstagnacht unterstützen.

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Tripolis – Bei einem Luftangriff auf eine Militärschule in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Samstag nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet worden. Bei den Toten handle es sich um Kadetten, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums der international anerkannten Regierung in Tripolis, Amin al-Hashemi, der Nachrichtenagentur AFP. Dutzende weitere seien verletzt worden.

Die Militärschüler seien unmittelbar vor dem Luftangriff auf einem Exerzierplatz zusammengetreten und hätten sich dann in Richtung ihrer Schlafräume begeben, sagte Hashemi. Das Gesundheitsministerium rief Freiwillige auf, in Krankenhäusern Blut für die Verletzten zu spenden.

Die Streitkräfte der international anerkannten Regierung verbreiteten in den Online-Diensten Fotos der Toten und Verletzten. Sie machten die Truppen des abtrünnigen libyschen Generals Khalifa Haftar für den Angriff verantwortlich. Dessen "Libysche Nationalarmee" (LNA) bekannte sich allerdings zunächst nicht zu der Attacke.

Beschuss eines LNA-Luftwaffenstützpunktes

In Libyen herrscht seit dem Sturz und gewaltsamen Tod des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos und Bürgerkrieg. Die international anerkannte Einheitsregierung in Tripolis ist schwach und hat weite Teile des Landes nicht unter Kontrolle.

Als Vergeltung beschossen Regierungstruppen nach Angaben eines Armeesprechers einen LNA-Luftwaffenstützpunkt etwa 160 Kilometer südwestlich von Tripolis. LNA-Kreisen zufolge wurden durch einen Drohnenangriff am Sonntagmorgen vier Kämpfer getötet.

Bürgerkrieg neu entfacht

Haftar kontrolliert den Osten des Landes. Er wirbt mit dem Argument für sich, den radikalen Islamismus zu bekämpfen. Allerdings hat er selbst Ende der vergangenen Woche zu einem "Jihad" gegen die Einheitsregierung aufgerufen und eine Offensive angekündige. Seit dem Beginn einer Angriffs Haftars auf Tripolis vor acht Monaten wurden nach Uno-Angaben von beiden Seiten mehr als 280 Zivilisten getötet und mehr als 140.000 Menschen vertrieben.

Die Kämpfe hatte sich zuletzt wieder zugespitzt. Die Türkei hatte angekündigt, eigene Truppen zu entsenden, um so die Regierung in Tripolis zu unterstützen. Haftar wird hingegen von den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt. Er unterhält auch gute Beziehungen nach Russland. Zudem lieferte Frankreich erst vergangenes Jahr Waffen an ihn.

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UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte am Freitag alle internationalen Akteure dazu auf, das vom Weltsicherheitsrat verhängte Waffenembargo einzuhalten. Einem vertraulichen UNO-Bericht zufolge, den die Nachrichtenagentur AFP einsehen konnte, verstießen Jordanien, die Türkei sowie die Vereinigten Arabischen Emirate bereits mehrfach gegen das Embargo. (red, Reuters, 5.1.2020)