Rücktritt vom Royals-Dasein.
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Das Herzogspaar von Sussex – Prinz Harry und Herzogin Meghan – hat die Monarchie satt: Sie wollen ihre royalen Pflichten ablegen. "Nach vielen Diskussionen und Monaten des Nachdenkens" hätten sie sich entschieden, "als hochrangige Mitglieder der königlichen Familie zurückzutreten und daran zu arbeiten, finanziell unabhängig zu werden".

Die Queen wollen sie aber weiterhin uneingeschränkt unterstützen, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung, die via Facebook und Instagram verbreitet wurde. Das Paar erhofft sich dadurch, "genügend Raum für unsere Familie und unsere Wohltätigkeitsarbeit zu finden". Sie würden künftig gerne zwischen Großbritannien und Nordamerika pendeln.

Aus dem Buckingham Palace, der offiziellen Residenz der britischen Monarchen in London, gab es am Mittwochabend zunächst nur ein kurzes Statement zu der überraschenden Ankündigung. Man könne den Wunsch des Herzogspaars zwar nachvollziehen, das sei aber eine komplizierte und langwierige Angelegenheit. Britische Kommentatoren mutmaßen deshalb auf Twitter, dass der Rest der Königsfamilie von der Erklärung überrumpelt wurde.

Eine anonyme Quelle aus dem Königshaus soll dem Sender CNN bestätigt haben, dass das Paar im Alleingang gehandelt hat, ohne die anderen Familienmitglieder zu informieren. Im Buckingham-Palast sei man schwer enttäuscht.

Turbulentes Jahr

Der Herzog von Sussex und seine Frau haben ein turbulentes Jahr hinter sich. Besonders die 38-jährige Ex-Schauspielerin steht unter verschärfter Beobachtung des englischen Boulevards. Die Boulevardpresse hatte Meghan zunächst begeistert in der britischen Königsfamilie willkommen geheißen. Später wurde die Berichterstattung zunehmend kritisch, etwa weil die junge Mutter mehrmals die Kinderfrau für Baby Archie gewechselt hatte oder weil die beiden zu sehr auf ihre Privatheit pochten.

Seit Monaten wurde zudem viel über einen Brüderzwist und vermeintliche oder echte Streitereien mit Schwägerin Kate berichtet – vor allem nachdem Harry und Meghan aus dem Kensington-Palast ausgezogen waren, wo auch Prinz William und Herzogin Kate wohnten. Kürzlich sorgte zudem ihre Entscheidung für Aufregung, die Weihnachtsfeiertage in Kanada statt mit den anderen Mitgliedern des britischen Königshauses zu verbringen.

"Rücksichtslose" Boulevardpresse

Bereits vor einigen Wochen hatte das Paar in einem Interview über die Schattenseiten eines Lebens in der Öffentlichkeit gesprochen. Harry und Meghan fühlten sich durch "die rücksichtslose Kampagne" des Boulevards bedroht und gingen im Oktober mit Klagen gegen zwei Medienhäuser in die juristische Gegenoffensive. In einer Erklärung schrieb der Prinz, dass seine Frau "eines der jüngsten Opfer der britischen Boulevardpresse" geworden sei, die "rücksichtslose Kampagnen im vergangenen Jahr geführt hat, während ihrer Schwangerschaft und während wir unseren neugeborenen Sohn aufgezogen haben".

Prinz Harry erinnerte in der Erklärung daran, dass "diese unerbittliche Propaganda auch menschliche Kosten" habe. Damit meinte er die tödliche Verfolgungsjagd in Paris, bei der seine Mutter, Prinzessin Diana, zusammen mit ihrem Lebensgefährten Dodi al-Fayed Ende August 1997 auf der Flucht vor Paparazzi ums Leben gekommen war. Er wolle keine Wiederholung der Geschichte. "Ich habe meine Mutter verloren, und jetzt sehe ich, wie meine Frau Opfer derselben starken Kräfte wird." (red, 8.1.2020)