Oxford/Wien – Was erwarten 233 internationale Medienmacher und Medienmanager, darunter 48 Chefredakteure, 26 CEOs und 30 Digitalchefs, aus 32 Ländern für das Jahr 2020? Das Reuters Institute hat wieder seine Prognosen für das neue Jahr zusammengefasst.

Führende Verleger sind laut den "Journalism, Media, and Technology Trends and Predictions 2020" zuversichtlich, was ihr eigenes Unternehmen angeht. Generell sehen sie die Zukunft des Journalismus jedoch nicht so rosig. 73 Prozent der Befragten beurteilen die Aussichten ihres Medienhauses eher positiv, für den Journalismus sind das nur 46 Prozent. Ein Grund dafür sei in vielen Ländern der wachsende wirtschaftliche oder politische Druck auf Journalisten.

Foto: Reuters Institute

Verlage setzen auch 2020 auf die Einnahmen von Leserinnen und Lesern. Rund die Hälfte der Befragten prognostiziert, dass sie die wichtigste Finanzierungsquelle sein werden, rund ein Drittel gibt an, dass Werbe- und Lesereinnahmen in etwa gleich wichtig sein werden. 14 Prozent setzen auf Werbung.

Verleger werden 2020 verstärkt auf Paid Content und Abomodelle setzen. "Der Wettbewerb um jene Menschen, die bereit sind, für Nachrichten zu zahlen, nimmt zu", sagt Studienautor Nic Newman. Userdaten und verschärfter Datenschutz sind 2020 zentrale Themen.

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Das Verhältnis der Medien zu großen Plattformen wie Facebook, Google oder Amazon bewerten die befragten Medienmenschen recht unterschiedlich. Google wird von Verlegern noch am positivsten gesehen (vor allem von jenen, die Teilnehmer des Google-Innovationsfonds waren), was die Unterstützung von Journalismus anbelangt, gefolgt von Twitter, Apple und Facebook. Insgesamt wünschen sich Verleger faire Wettbewerbsbedingungen.

Podcasts bleiben auch 2020 ein großes Thema, mehr als die Hälfte der Befragten will in Audioformate investieren. 2020 wollen Verlage künstliche Intelligenz verstärkt einsetzen – vor allem um Inhaltsempfehlungen zu optimieren oder im kommerziellen Bereich. Roboterjournalismus wird für nur zwölf Prozent der Befragten eine wichtige Rolle spielen, für 47 Prozent ist er "nicht wichtig".

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(red, 9.1.2020)