Megxit, Sussexit: Aufbruch in ein neues Leben?

Foto: Reuters/Damir Sagolj

Ist der angestrebte (teilweise) Rückzug von Meghan und Harry von ihren royalen Aufgaben gut oder schlecht für das Paar? Und welche Konsequenzen hat der Entschluss für das britische Königshaus?

Wer über diese Fragen nachdenken will, muss den Frust beiseiteschieben, den die plötzliche, ohne Absprache mit Königin Elizabeth II zustande gekommene Bekanntgabe berechtigterweise bei den anderen Royals ausgelöst hat. Immerhin sagt das mediale Chaos vom Mittwochabend viel aus über das Naturell und die Naivität von Prinz Harry und Herzogin Meghan. Der 35-Jährige und seine welterfahrene Gattin ließen sich aus Angst vor einem Scoop der Londoner Boulevardpresse zu einem erkennbar schlecht vorbereiteten Schritt verleiten.

Das Detail deutet darauf hin, dass Harry wenig gelernt hat aus dem Unfalltod seiner Mutter Diana. Für deren gehetzte letzte Wochen und schließlich die fatale Raserei durch Paris im August 1997 hat der Prinz stets ausschließlich die Paparazzi verantwortlich gemacht. Dass die 36-Jährige zerrissen war vom Wunsch nach Privatsphäre einerseits und der Freude an öffentlicher Bewunderung andererseits, ließ der wenig analytisch denkende Ex-Soldat außer Acht.

Mehr den Spencer als den Windsor

Darin ähnelt Harry seiner Mutter, wie die Autorin Tina Brown festgestellt hat. Die Autorin einer ebenso einfühlsamen wie kritischen Biografie über Diana, geborene Spencer, sieht in Harry "mehr den Spencer als den Windsor": Der Prinz verfüge über jenes "persönliche Charisma", das viele Menschen auch bei Begegnungen mit Diana spürten.

Wenn das stimmt, ist es um die zukünftigen Verdienstmöglichkeiten der Eltern von Baby Archie sicher nicht schlecht bestellt. Zumal die selbstbewusste, lebenserfahrene, auf eigenen Füßen stehende Herzogin ihren eigenen Glamour beizutragen hat. Die Balance zwischen dem Titel der "Königlichen Hoheit", sofern sie ihn behalten, und den Bedürfnissen mehr oder weniger koscherer Firmen und Oligarchen wird sicher nicht ganz leicht werden. Aber es gibt gewiss genug wichtige und seriöse Anliegen, denen ein wenig royaler Anstrich guttut.

Gesprächstherapie

Darin hat das Paar auch schon Erfahrung. Harry hat öffentlich von seiner unverarbeiteten Trauer um die Mutter gesprochen. Erst eine Gesprächstherapie habe ihm das psychische Gleichgewicht zurückgegeben. Sein Engagement für die Invictus-Spiele für Kriegsversehrte geht auf die Einsätze als Soldat in Afghanistan zurück. Meghan liegt schon seit Jahren die Gleichberechtigung von Mann und Frau am Herzen. Als Herzogin kümmerte sie sich intensiv um die Opfer der Brandkatastrophe von Grenfell.

All dies lässt sich ebenso gut von dem offenbar angestrebten Wohnsitz in Kanada aus organisieren wie aus dem Schlosspark in Windsor. Das royale Establishment sollte den beiden jedenfalls keine Steine in den Weg legen, im Gegenteil: Die Initiative zu einer eigenen Rolle im 21. Jahrhundert kommt den unmittelbaren Nachfolgern der 93-jährigen Königin entgegen. Schließlich wirbt Thronfolger Charles seit Jahren für eine schlankere Monarchie, wie sie das kürzlich veröffentlichte Foto der vier Generationen dokumentierte: Urgroßmutter Elizabeth, Großvater Charles, Vater William und dessen sechsjähriger Sohn George.

Das Königshaus kann von einer loseren Verbindung mit einem Prinzen, der für die Thronfolge keine Rolle mehr spielt, nur profitieren. (9.1.2020)