Am Samstag setzten sich in zwei einseitigen Partien die San Francisco 49ers und die Tennessee Titans durch. Im Spiel zwischen den Kansas City Chiefs und den Houston Texans sieh es zunächst spannender aus, am Ende hatten die Chiefs die Oberhand. Green Bay komplettierte das Halbfinal-Quarttet.

Keine Probleme für San Francisco

Den Auftakt der Runde machten die San Francisco 49ers mit ihrem Heimspiel gegen die Minnesota Vikings. Ohne große Probleme fuhren die Hausherren dabei einen 27:10 Erfolg ein. Es war ein Erfolg Kyle Shanahans, der Antworten auf alle Lösungsansätze Minnesotas fand und selbst eine hervorragende Partie coachte.

So nahm er sich diesmal vor, den Gegner mit aggressivem Laufspiel den Nerv zu ziehen. 47-mal ließ Shanahan seine Spieler mit dem Ei laufen, für einen Raumgewinn von 185 Yards. Das Trio aus Tevin Coleman – Raheem Mostert (12 Carries, 58 Yards) – Matt Breida (acht Carries, 17 yards), führte Coleman mit 22 Carries für 105 Yards und zwei Touchdowns an. Satte zwölf First Downs wurden über das Laufspiel erreicht, auch in Anbetracht auf die Spielzeit ein beachtlicher Wert, nimmt er dem Gegner doch ordentlich viel Zeit von der Uhr. Allein durch diese Einheit war ein Passspiel um Jimmy Garoppolo gar nicht zwingend von Nöten.

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Dieses aggressive Laufspiel war auch der Plan von Vikings Head Coach Mike Zimmer. Die gesamte Saison über verschwor er sich dem Running-Game, mit Dalvin Cook hat er auch einen der besten Läufer in den eigenen Reihen. Einziges Problem: Die Offensive Line der Wikinger ist seit Jahren ein Problem, gegen Mannschaften mit starken Pass Rush ist der Gameplan in Windeseile zu Nichte gemacht und das Ergebnis bekannt: Minnesota verliert am Ende. Gegen San Francisco ließ Zimmer bzw. Offensive Coordinator Kevin Stefanski (ab sofort übrigens neuer Head Coach der Cleveland Browns) in elf First-and-10-Situationen fünfmal laufen – für einen Raumgewinn von insgesamt 12 Yards. Cooks längster Run lag bei sechs Yards (insgesamt 18 Yards bei neun Carries). Run-Run-Pass, es ging nicht auf. Die Play-Action konnte nicht aufgezogen werden, die Vikings waren mit Nick Bosa und Co. schlichtweg überfordert.

Nur einmal – abgesehen von der Garbage-Time – ging man einen anderen Weg. Nachdem die 49ers in deren ersten Drive durch einen Touchdown von Kendrick Bourne in Führung gingen, antwortete Kirk Cousins mit einem Passspielzug-lastigem Drive. Der Quarterback fand Stefon Diggs für einen 41-Yard Touchdown-Pass über den schlecht positionierten 49ers Cornerback James Witherspoon zum 7:7 Ausgleich. Das nahmen aber weder Stefanski, Zimmer oder Assistant Head Coach Gary Kubiak zum Anlass, etwas an ihrer Laufliebe zu ändern. Die Folge: Minnesota kam im gesamten Spiel auf sieben First-Downs, drei davon in der zweiten Hälfte als das Spiel schon entschieden war. Dort versuchte man auch wieder mit tiefen Pässen zum Erfolg zu kommen (es funktionierte auch nicht).

Dass es zur Pause noch 10:14 aus Sicht der Vikings stand, war ein Geschenk der 49ers und sehr schmeichelhaft. Die Defensive Minnesotas war zwar bei weitem nicht so dominant wie noch vergangene Woche gegen New Orleans, Linebacker Eric Kendricks aber immer noch in bestechender Form. Der All-Pro war überall am Feld zu finden, kam auf acht Tackles, zwei abgelenkte Pässe und eine Interception. Das allein war aber zu wenig – zwei Sacks (Danielle Hunter und Stephen Weatherly) und ein forced Fumble von Anthony Barr waren schlussendlich auch keine Momentum-Changer. Barr war ein ausgesuchtes Opfer von Kyle Shanahan, er attackierte gerne in seine Richtung, was für den Linebacker sehr selten gut ausging. Die Schwäche in der Coverage wurde eiskalt ausgenützt. Und gegen das von Zimmer geliebte Laufspiel fand seine Defensive keinerlei Antwort. Leichtes Spiel für San Francisco.

Auch weil sogar die Special-Teams Minnesotas versagten. Marcus Sherels konnte bei der Puntanahme den Ball nicht unter Kontrolle bringen und verlor das Ei an die 49ers. Die nützen den Fehler zum 27:10 Endstand.

Jimmy Garoppolo (131 Yards, 11/19, je ein TD und eine INT) startete heiß und ließ sehr schnell nach. Nach der Interception vertraute Shanahan seinem Lauf-Trio mehr und mehr, Garoppolo musste nicht mehr viel machen. Der größte Star San Franciscos war der Trainer.

Cousins (172 Yards, 21/29, ein TD, eine INT) wurde sechsmal zu Boden gerissen und hatte keine Lust, in irgendeiner Weise ins Risiko zu gehen. Die Defense der 49ers um Nick Bosa (zwei Sacks, drei Hits, ein unterbrochener Pass), Dee Ford (ein Sack), Arik Armstead (ein Sack) und DeForest Buckner (ein Sack) dominierte die Line of Scrimmage nach Belieben. Das war der Grundstein für den Erfolg. So wurde Minnesota der Zahn gezogen.

Den Auftritt des Abends legte schlussendlich Richard Sherman hin: Der Cornerback rief nach seiner Interception lautstark "I like that" – eine Anspielung auf Kirk Cousins‘ Leitspruch. Ja, Fans der 49ers gefiel dieses Spiel auch.

Ein perfekt-miserabler Tag

Je nachdem ob man Anhänger der Tennessee Titans oder der Baltimore Ravens ist, hat man ein perfektes oder ein miserables Spiel der jeweiligen Mannschaft gesehen. Wobei miserabel im Bezug auf die Ravens zu harsch ausgedrückt ist. Der Zeitpunkt für eine Niederlage war miserabel. Die Titans konnten den haushohen Favoriten verdient mit 28:12 besiegen und damit einen weiteren Favoriten in den Urlaub schicken. "Die Identität der Ravens ist es in die Playoffs zu kommen und zu versagen", sollte Baltimore-Cornerback Marlon Humphrey nach der Partie sagen.

Lamar Jackson stand natürlich im Fokus. In knapp drei Wochen wird der 22-Jährige Quarterback zum Most Valuable Player ausgezeichnet werden, eine absolut verdiente Auszeichnung für eine herausragende Saison. Herausragend, aber ohne Titelgewinn für seine Mannschaft, noch schlimmer: Ohne einen einzigen Sieg in den Playoffs. Die 14-2 Ravens müssen schon nach ihrem ersten Playoff-Spiel die Segel setzen. Jackson und seine Offensive konnten das gesamte Spiel über keinen Rhythmus finden, schon im ersten Drive setzte es nach einem tipped Ball von Tight End Mark Andrews eine Interception, Titans-Safety Kevin Byard fing das Ei ab. Die Titans konnten das Maximum aus dem Ballgewinn herausholen und durch Jonnu Smith zum ersten Touchdown des Spiels kommen. Bei den Ravens ging weiterhin wenig, die Receiver ließen wichtige Bälle fallen und das gefährliche RPO-Spiel Baltimores wollte ohne den nur teilweise eingesetzten weil angeschlagenen Mark Ingram nicht etabliert. Tennesse zog das eigene Spiel weiterhin durch, Ryan Tannehill (88 Yards, 7/14, zwei TDs) schloss einen weiteren Drive per Pass auf Kalif Raymond für einen 45-Yard-Touchdown ab. 14:0 Führung.

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Baltimore konnte zunächst per Field Goal verkürzen, stoppte die Offense Tennessees und bekam kurz vor der Pause noch einmal den Ball. Durch eine Unnecessary Roughness-Strafe begann der Drive an der eigenen fünf-Yard-Linie, Jackson führte seine Mannschaft auch durch zwei tiefe Pässe auf Seth Roberts und Marquise Brown an die gegnerische vier-Yard Line. Man könnte argumentieren, ohne die Strafe zu Beginn des Drives, wären die Ravens 15 Yards weiter vorne gestartet und damit schon in der gegnerischen Endzone gestanden – so blieb auch Mangels Zeitdrucks nichts anderes übrig als ein kurzes Field Goal zu nehmen – 14:6 zur Pause.

Dann endgültig der von jedem erwartende Auftritt von Runningback Derrick Henry: Vergangene Woche lief der 26-Jährige 182 Yards, gegen Baltimore toppte er diesen Auftritt noch einmal und sorgte für einen Raumgewinn von 195 Yards bei 30 Versuchen. Der längste Run ging über 66 Yards, Henry konnte gerade noch gestoppt werden. Dennoch kam er zu seinem Touchdown, wenn auch anders, als er den Ball in Wildcat-Formation direkt auf Corey Davis passte und so die Führung der Titans weiter ausbauen konnte.

Baltimores Albtraum ging weiter, im folgenden Drive wurde Jackson von Jurrell Casey gesacked, wobei er das Ei verlor. Titans-Rookie Jeffery Simmons konnte den Ball sichern und Tennessee an der Redzone wieder neu starten. Ryan Tannehill konnte per Rushing-Touchdown auf 28:6 erhöhen. Jackson bekam wieder den Ball, diesmal endete der Drive mit einer Interception von Kenny Vaccaro. Mit großem Rückstand ging es ins Schlussviertel.

Jackson zeigte all seine Stärken, lief selbst (143 Yards bei 20 Carries) und warf für insgesamt 365 Yards (31/59). Mehr als ein Touchdown zu Beginn des vierten Viertels von Hayden Hurst schaute aber nicht mehr heraus. Der künftige MVP wollte unbedingt die Playoff-Niederlage des vergangenen Jahres vergessen lassen, muss sich aber jetzt mindestens ein Jahr weiterhin den Vorwurf anhören, in den entscheidenden Momenten zu viel zu wollen und schlichtweg nicht zu liefern. Eine etwas unfaire und verkürzte Annahme.

Die Ravens und Coach Harbaugh haben dieses Jahr den Offensiv-Football der NFL zumindest für die kommenden Jahre in eine neue Richtung gelenkt. Die Entscheidungen vierte Versuche öfter auszuspielen ist prinzipiell richtig, gegen die Titans gingen zwei versuchte Fourth-Downs nach hinten los und nicht auf. RPOs, Zone-Reads in der Rushing-Offense werden uns jetzt länger begleiten. Was man aber sicherlich noch braucht: Einen weiteren Receiver, der auch für Yards after Catch sorgen kann.

Tennessee verdient aber jeden Credit dieser Football-Welt. Mit einem perfekten Gameplan und ebenso perfekter Umsetzung wurde der Topfavorit der AFC aus dem Super Bowl-Rennen genommen. Die Defensive Jackson viermal zu Boden reißen, die Linebacker konnten ihn im Laufspiel eindämmen. Cornerback Adoree’ Jackson konnte gleich drei Pässe unterbrechen, Logan Ryan Jackson einmal vor einem vermutlich sicheren Rushing-Touchdown stoppen. Marcus Mariota dürfte im Training ein perfektes Lamar Jackson-Double gegeben haben.

Die Titans stehen also im AFC-Conference-Finale und wollen den heißen Lauf weiter fortführen. Im Grunde genommen muss man derzeit nur das Laufspiel im Henry ausschalten um gegen sie bestehen zu können. Das Passspiel von Tannehill gibt derzeit nur sehr sporadisch. Aber das ist natürlich leichter gesagt als getan. Fürs erste bleibt Tennessee das Team der Stunde und eine der Geschichten der NFL Saison 2019.

Verrückt und doch souverän

Das dritte Spiel des Wochenendes hatte die wohl spektakulärste erste Halbzeit seit sehr langer Zeit für die Zuseher parat. Normale Serien wurden im Aufeinandertreffen der Kansas City Chiefs und der Houston Texans vergebens gefunden, die Ausnahme wurde zur Regel, ein Hin und Her der Sonderklasse sollte folgen.

Die Texans starteten perfekt in die Partie, Quarterback Deshaun Watson fand im ersten Drive Receiver Kenny Stills mit einen 54-Yard-Touchdown-Pass. Kansas City wollte schnell antworten, sah sich aber dazu gezwungen, den Ball zu punten. Barkevious Mingo konnte das Ei blocken und Rookie Lonnie Johnson lief damit in die Endzone. 14:0 für Houston nach nicht einmal fünf Minuten Spielzeit. Die Chiefs fielen in dieser Phase hauptsächlich durch ihre Verunsicherung auf, vor allem die Passfänger glänzten mit vielen Drops. Nach je einem Punt von den Chiefs und den Texans sollte das nächste Big Play im Anfangsviertel folgen. Tyreek Hill konnte den Ball beim Return-Versuch nicht unter Kontrolle bringen und verlor das Ei, Keion Crossen sicherte den Texans einmal mehr den Ballbesitz und eine hervorragende Feldposition direkt vor der Endzone der Chiefs. Watson fand im Anschluss seinen Tight End Darren Fells zum Ausbau der Führung auf 21:0.

Kansas City befand sich zu dieser Zeit immer noch im Tiefschlaf, es setzte ein weiteres Fourth-Down. Houston wollte mehr, Watson führte seine Offensive von der Feldmitte bis an die 13-Yard-Linie der Chiefs. Nach drei Versuchen bei einem fehlenden Yard, entschied sich Bill O’Brien konservativ zu spielen und für das Field Goal zu gehen. 24:0.

Die Chiefs brauchten einen Wecker, ein Big Play das die Mannschaft endlich in diesem Spiel ankommen ließ. Mecole Hardman, vergangene Woche ins Second-All-Pro-Team gewählt, sorgte mit einem 58-Yard-Kickoff-Return dafür. Mahomes wollte jetzt Punkte und warf einen 25 Yard-Pass auf seinen Tight End Travis Kelce. Im anschließenden Play konnte er Damien Williams mit einem 17-Yard-TD-Pass bedienen. 24:7, die ersten Punkte für Kansas City.

Texans Head Coach Bill O’Brien ist ein sonderbarer Coach. Es gibt vermutlich keinen anderen Trainer in der Liga, der so sehr von seinem Quarterback getragen wird, wie der ehemalige Belichick-Schützling. Mit seinem konservativen und dann auch wieder eigenwilligen Playcalling macht er sich und seiner Mannschaft das Leben oft selbst sehr schwer. Nachdem er sich zuvor dagegen entschied, ein kurzes Fourth-Down auszuspielen, wollte er die Chiefs mit einem Fake Punt bei 4&4 an der eigenen 31-Yard-Linie linken. Chiefs Safety Daniel Sorensen passte aber auf und konnte ein neues First Down verhindern. Das Momentum schien nun trotz großem Rückstand auf die Seite von Kansas City zu kippen. Mahomes fand nach einem großem Raumgewinn durch eine Pass Interference schlussendlich Travis Kelce in der Endzone – 24:14. Der anschließende Kickoff der Chiefs sollte von DeAndre Carter in Empfang genommen werden, nach einem Hit von Special-Team-Ass Sorensen flog das Ei direkt in die Hände von Darwin Johnson und die Chiefs waren wieder im Ballbesitz. Gleiches Spiel wie wenige Augenblicke zuvor, Mahomes auf Kelce zum 24:21. Absolut verrückte Sekunden im Arrowhead Stadium.

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Houston schien ob der Geschehnisse ähnlich paralysiert zu sein, wie Kansas City am Beginn. Das Publikum war jetzt voll da und stand wieder hinter der Heimmannschaft, nachdem es schon vereinzelte Pfiffe gab. Sogar das Maskottchen der Chiefs wendete sich nach dem Katastrophenstart buchstäblich ab. Deshaun Watson konnte sein Team im folgenden Drive aber zu keinen Punkten führen. Mahomes hingegen verteilte Bälle auf seine Receiver oder lief selbst für großen Raumgweinn und konnte schlussendlich zum dritten Mal Travis Kelce in der Endzone anspielen. 28:24 für Kansas City, vier Touchdowns in einem Viertel und erstmals die Führung für die Hausherren. Weil die Halbzeit noch nicht genug Drama bot, vergab Texans-Kicker Ka'imi Fairbairn mit dem Pausenpfiff noch ein Field Goal.

Es war eine geschichtsträchtige erste Hälfte: Kansas City ist die erste Mannschaft in der Geschichte der NFL, die trotz 24 Punkte Rückstand mit einer Führung in die Pause gehen konnte. Nach Seitenwechsel verschonten Andy Reid und Patrick Mahomes (321 Yards, 23/35, fünf Touchdowns) den Gegner nicht, konnten die Führung auf 51 Punkte ausbauen und das Spiel schlussendlich mit 51:31 gewinnen. In sieben aufeinanderfolgenden Drives kamen die Chiefs in die Endzone. Mahomes ist der erste Quarterback der Playoff-Geschichte mit über 300 Passing-Yards, über 50 Rushing Yards (53) und fünf Scores in einem Spiel. Travis Kelce spielte sich mit seinen Gegenspielern, die Texans fanden keinerlei Antwort auf den Tight End, der ständig auf Missmatches traf und sich im Zweifel auch gegen mehrere Gegenspieler durchsetzen konnte.

Bei Houston versuchte vor allem Watson (388 Yards, 31/52, zwei TDs) alles, fand in DeAndre Hopkins (118 Yards, neun Receptions) sowie Will Fuller (89 Yards) und Kenny Stills (80 Yards, ein TD) seine Abnehmer. Der Spielmacher lief im dritten Viertel selbst zum einzigen Touchdown der Texans in Hälfte zwei. Insgesamt war die Offensivleistung der Texans gegen eine starke Chiefs-Defense (abgesehen vom ersten Viertel) aber zu wenig. Watson wurde vier Mal gesacked, vermied sonst aber Turnover. Chiefs Safety Tyrann Mathieu war überall am Feld zu finden, unterbrach zwei Pässe und kam auf drei Tackles. Frank Clark war mit drei Sacks und drei Tackles for Loss einer der wichtigsten Bausteine für die Defensivleistung der Chiefs.

Damit steht das AFC Championship Game fest: Die Kansas City Chiefs treffen kommenden Sonntag zu Hause auf die Tennessee Titans. Dieses Duell gab es in Woche 10 schon einmal, damals konnten sich die Titans – dank eines geblockten Field Goals mit dem Schlusspfiff – knapp mit 35:32 durchsetzen. Drama in Missouri? Noch nie davon gehört!

Green Bay schlägt Seattle

Der Abschluss des Wochenendes fand im Lambeau Field zwischen den Green Bay Packers und den Seattle Seahawks statt. Der letzte Sieg der Seahawks in Wisconsin liegt schon über 20 Jahre zurück (1. November 1999), Russell Wilson, der ehemalige Wisconsin Badger-QB, wollte den ersten Sieg in seiner ehemaligen Heimat einfahren. Es sollte nicht gelingen, Green Bay holte sich den Erfolg mit einem Score von 28:23

Beide Mannschaften verschrieben sich dem Laufspiel, mit dem besseren Ausgang für die Packers. Green Bay tat die Bye-Week sichtlich gut, man konnte dank Play-Action-Spielzügen Big Plays kreieren und trat im allgemeinen deutlich variabler als in vielen Regular Season-Spielen auf. Gleich im ersten Drive konnte Aaron Rodgers (243 Yards, 16/27, zwei TDs) seine Star-Receveiver Davante Adams zum ersten Touchdown in der Endzone finden. Seattle versuchte über den Lauf ins Spiel zu kommen, scheiterte aber kontinuierlich an der Defensive Green Bays. Für mehr als ein Field Goal sollte es im ersten Viertel nicht reichen.

Die Packers hingegen kamen durch einen langen und passlastigen Drive noch einmal in die Endzone (Aaron Jones Rushing TD). Seattle vergab ein Field Goal, Green Bay wiederholte im Grunde genommen den vorherigen Drive und fand sich – abermals durch Jones (62 Yards, 21 Carries, zwei TDs) – in der Endzone. Mit einer komfortablen 21:3 Führung ging es in die Pause.

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Hälfte zwei gehörte schlussendlich den Seahawks. Russell Wilson (277 Yards, 21/31, ein TD) und seine Offensive fanden langsam aber sich in die Partie, auch das Laufspiel kam langsam aber sicher ins Rollen. Marshawn Lynch kämpfte sich zwei Mal von der Goalline zum Touchdown, Wilson brachte einen Pass bei Tyler Lockett zu einem weiteren Touchdown an. Blöd nur, dass auch die Packers in der Zwischenzeit einmal durch einen tiefen Pass von Rodgers auf Adams (40 Yards) noch einmal zu einem Touchdown kamen. Seattle hatte in den Schlussminuten noch einmal die Chance die Führung zu übernehmen, startete den Drive mit einem 14-Yard-Pass auf Lockett. Malik Turner droppte im Anschluss einen wichtigen Pass, zwei Plays später sag sich Wilson am Boden liegend, statt möglichen Punkten setzte es einen Punt. Green Bay konnte schlussendlich ein neues First-Down (wenn auch kontrovers) einfahren und so den Sack zu machen.

Die Packers profitierten deutlich von der Bye-Week, die Mannschaft konnte sich ausruhen und optimal auf den Gegner vorbereiten. Seattle hingegen pfiff bekanntlich auf dem letzten Loch, schien erschöpft in der Kälte von Wisconsin. Die Defensive der Packers machte genug um Wilson am großen Comeback zu hindern. Linebacker Za’Darius Smith, der eine hervorragende Saison spielt, aus unerklärlichen Gründen aber nicht im All-Pro oder Pro Bowl-Team steht, war einmal mehr überall zu finden, kam auf zwei Sacks, Preston Smith ebenso mit einem zusätzlichen von Kenny Clark. Auch wenn es kurz danach aussah, dass Wilson die Defensive knacken könnte – Preston Smiths zweiter Sack im letzten Drive der Seahawks kam genau zur richtigen Zeit.

Green Bay überzeugte – wie schon die gesamte Saison über – immer noch nicht auf voller Linie, was in den Playoffs aber absolut keine Rolle mehr spielt. Hier zählen Siege und die Packers wissen wie man sie einfährt. Kommende Woche wartet mit den San Francisco 49ers eine der größten Herausforderungen. Das Duell in der Regular Season in Woche 12 ging mit 37:8 eindeutig an die 49ers. Aaron Rodgers will in seiner Heimat den vorletzten Schritt zum zweiten Super Bowl-Titel setzen. (Martin Senfter, 13.1.2020)