Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erwies im Dezember 13 Soldaten, die in Mali bei einem Hubschrauberunfall ums Leben gekommen waren, die letzte Ehre.

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Wortreiche Umarmungen und Bruderküsse gehören zur Folklore zwischen Frankreichs Präsidenten und ihren Amtskollegen aus den früheren Kolonien. Diesmal schleichen sich aber auch Misstöne in das Treffen im südfranzösischen Pau, wo Emmanuel Macron am Montag die Staatschefs aus Mali, Burkina Faso, Niger, Mauretanien und dem Tschad empfing.

Das mauretanische Newsportal Kassataya meinte etwa, Paris habe die G5-Sahelstaaten nicht ein-, sondern "vorgeladen". Und zwar, um ihnen die Leviten zu lesen. Schon vor einem Monat hatte Macron beim Nato-Gipfel ungeschminkt verlangt, die Fünferallianz müsse "in aller Form klären", ob sie die westliche Truppenpräsenz auf ihrem Boden noch wolle. "Ich will klare Antworten", fügte er barsch an. Pau wählte er bewusst als Konferenzort, weil sechs in Mali umgekommene Soldaten aus dieser Pyrenäenstadt kamen.

Am Montag beteuerten dort alle Seiten, wie wichtig der Kampf gegen den "IS Westsahara" sei. Die Salafisten breiten sich von Libyen kommend immer mehr im Sahelgebiet aus und ziehen eine Blutspur durch Dörfer und Kasernen. 2013 hatten die Franzosen die Bildung eines Gottesstaates um Timbuktu im letzten Moment verhindert. Seither schaffen es die 4500 Mann der Operation Barkhane aber nicht, der Islamistenplage Herr zu werden.

Zahlreiche Konflikte

Im Gegenteil wiegeln die "barbus" (Bärtige) in Mali Hirtennomaden der Volksgruppe der Fulani gegen die sesshaften Züchter der Dogons auf. Bei mörderischen Attacken löschen sie ganze Dörfer bis nach Burkina Faso aus. In Niger kamen bei einem Angriff 89 Militärs ums Leben.

Niemand würde in Abrede stellen, dass die Franzosen und ihre wüstenerprobten Fremdenlegionäre den Fall des Vielvölkerstaates Mali in die Hände der Salafisten verhindert haben. Die Uno-Truppe Minusma nimmt dagegen nur defensive Aufgaben wahr.

Dessen ungeachtet stößt die französische Truppenpräsenz in den fünf betroffenen Ländern auf wachsenden Widerstand der Bevölkerungen. Vergangenen Freitag skandierten rund tausend Demonstranten in der malischen Hauptstadt Bamako: "Nieder mit Frankreich, weg mit Barkhane."

An der Kundgebung beteiligten sich auch Parlamentarier des malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keïta – der in Pau versicherte, Mali leiste einen vollen Beitrag an die G5-Truppe. Dieser versicherte aber in Pau wie seine vier Amtskollegen, Westafrika brauche das französische Truppenengagement und die Unterstützung durch die USA. Zusammen wollte man eine "Koalition für das Sahelgebiet" bilden.

Macron weiß um die antifranzösischen Ressentiments und wünscht deshalb ein stärkeres Engagement westafrikanischer Armeen – und auch der EU-Partner. Allerdings unter französischer Führung, wie die Pariser Zeitung Libération maliziös anmerkt.

Allzu wichtig sind die ökonomischen Interessen im geostrategischen Hinterhof Frankreichs. In Niger sichern seine Eliteeinheiten ungesagt auch die Uranförderung durch westliche, meist französische Konzerne. Als Ersatz greifen die IS-Jihadisten die schwache nigrische Armee an. Schon im Dezember brachten sie in Inates 71 Soldaten um. Das Blutbad führte zur Verschiebung des bereits damals geplanten Gipfels in Pau.

Vorwürfe an Frankreich

Nigers Präsident Mahamadou Issoufou wirft Frankreich seither unumwunden vor, es habe die IS-Plage selber verursacht, als es 2011 in Libyen intervenierte. Das ist zwar nur ein Teil der Wahrheit: Die ersten Terrormilizen Al-Kaidas agierten in Westafrika schon vor mehr als zehn Jahren. Aber es erklärt, warum viele Afrikaner den Franzosen zumindest eine Mitschuld an der großen Unsicherheit geben.

Ob Macron in Pau hinter den verschlossenen Türen konkrete militärische Zusagen erhalten hat, wird sich erst in den nächsten Wochen erweisen. Auch die übrigen Europäer zeigen wenig Begeisterung, den Aufrufen des französischen Präsidenten zu folgen. Nur Deutschland, Belgien, Tschechien und Estland leisten personelle oder logistische Beiträge zur Sicherheit und zur Ausbildung.

Aus anderen EU-Hauptstädten heißt es, man wolle sich nicht einem französischen Alleingang anschließen, der regionalpolitisch zu wenig abgestützt und mit der EU zu wenig abgesprochen sei. Macron lud zwar bewusst auch die Spitzen der EU-Diplomatie, Josep Borrell und Charles Michel, sowie Uno-Generalsekretär António Guterres nach Pau ein. Den Eindruck einer diplomatischen und militärischen Isolation vermochte er aber nicht zu beseitigen. Derweil setzen sich die Jihadisten im Sahelgebiet immer mehr fest. (Stefan Brändle aus Paris, 13.1.2020)