Fünf bis sechs Fächer für schwarze Nummern aus der mittleren Kolumne waren das gewinnbringende Ziel der Bande.

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Wien – Casinos sind derzeit medial ja eher wegen der Frage vertreten, wie man dort Manager wird und wie viel Geld man für diese sicher verantwortungsvolle Tätigkeit bekommt. Ein Schöffengericht unter Vorsitz von Mario Bandarra muss sich aber in anderem Zusammenhang mit Casino-Geldern beschäftigen: Zwei Georgier sind wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs angeklagt. Sie sollen im Rahmen einer kriminellen Vereinigung Glückspiellokalitäten in der Schweiz und Österreich mit einem neuen Trick um über 50.000 Euro erleichtert haben.

Um das Vogerl "Glück" anzulocken, benötigt man nicht einmal sonderlich viel Futter, wie sich im Laufe des Verfahrens herausstellt. Fünf bis sechs rund ein Millimeter dicke Plättchen aus laminiertem Metall oder Kunststoff reichen. Kombiniert mit abgelenkten Croupiers, dem technischen Fortschritt und der Macht der Statistik beim Roulette genügt das.

Angeblich auf Arbeitssuche

Grigol Ba. und Beno Bu. geben zu, im vergangenen Sommer Roulettekessel manipuliert zu haben. Allerdings wollen sie nicht im Rahmen einer kriminellen Vereinigung gehandelt haben. Der 41-jährige Erstangeklagte erzählt, er sei auf Arbeitssuche nach Österreich gekommen, habe aber seine Ersparnisse für Drogen verbraucht und sei von zwei Landsleuten zufällig angesprochen worden.

Die hätten ihn in ihren Plan eingeweiht: Er solle die kleinen schwarzen Plättchen, die sie ihm gaben, in unbeobachteten Momenten in bestimmte Fächer im Roulettekessel legen. In der Anklageschrift ist davon die Schreibe, dass dafür "besondere Fingerfertigkeit" nötig war, was der Erstangeklagte entrüstet bestreitet. "Das war eigentlich recht leicht. Sogar ein Kind kann das machen!", betont er.

Die weichen Plättchen haben, wie Zeugen des Casinos Luzern und der heimischen Casinos aussagen, einen gewünschten Effekt: Sie stoppen die Kugel, die Chance, dass sie in einem der manipulierten Fächer liegen bleibt, steigt.

Abkassieren am Computerterminal

Diesen Umstand machten sich dann Komplizen zunutze. Die saßen nicht am Tisch, sondern spielten live auf Computerterminals und setzten auf die "Glücksnummern". In Luzern erbeuteten sie mithilfe des Zweitangeklagten, eines 62-jährigen Landwirtes, umgerechnet 24.146 Euro, in Salzburg waren es rund 26.000 Euro.

Die Casinos-Security war ihnen allerdings auf der Spur, wiewohl man noch nicht genau wusste, worin der Trick bestand. Als die Bande im August in Wien tätig werden wollte, sah man ihnen elektronisch auf die Finger und verstand die Manipulation. Da die Sitten im Glücksspielbereich mittlerweile sanfter als beispielsweise in Martin Scorseses "Casino" sind, wurden die Angeklagten dann nicht verstümmelt, sondern nur in den "Cool Room" gebeten, um auf die Polizei zu warten.

Beide bekommen 21 Monate Haft, sieben davon unbedingt. (Michael Möseneder, 14.1.2020)