Trotz der Dieselkrise hat Volkswagen 2019 mehr Autos ausgeliefert als je zuvor.

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Hamburg – Im Dieselskandal von Volkswagen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig sechs weitere Manager angeklagt. Den damaligen Führungskräften unterhalb des Vorstands werde Betrug in einem besonders schweren Fall, mittelbare Falschbeurkundung sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen, teilten die Strafverfolger am Dienstag mit. Die Beschuldigten seien maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass Behörden und Kunden in Europa und den USA zwischen November 2006 und September 2015 durch eine unzulässige Software über die tatsächlichen Abgaswerte von Dieselautos getäuscht wurden.

Drei der Beschuldigten wurden wegen täterschaftlichen Handelns angeklagt, den drei weiteren Führungskräften werde Beihilfe vorgeworfen. Um wen es sich im Einzelnen handelt und ob die Beschuldigten noch bei VW arbeiten, sagte die Staatsanwaltschaft nicht. VW lehnte eine Stellungnahme ab. Die Anklage liege dem Unternehmen nicht vor. Ein Sprecher verwies zudem darauf, dass es sich um Einzelpersonen handele.

Bereits im April vergangenen Jahres hatten die Ermittler Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn und vier weitere Personen wegen Betrugs und unlauteren Wettbewerbs Anklage erhoben. Die Aufarbeitung des millionenfachen Abgasbetrugs hat Volkswagen bereits mehr als 30 Milliarden Euro gekostet.

Elf Millionen verkaufte Fahrzeuge

Während sich das Unternehmen mit Vorwürfen konfrontiert sieht, läuft das Geschäft gut: Volkswagen hat 2019 mehr Autos ausgeliefert als je zuvor und hebt sich damit von seinen Konkurrenten ab. Trotz Handelskonflikten und weltweit schwächelnder Konjunktur wurden 10,97 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert – 1,3 Prozent mehr als im Jahr davor.

Seinen Marktanteil baute Volkswagen dabei in allen Regionen aus. Allein im Dezember sprangen die Auslieferungen um 12,5 Prozent auf gut eine Million Autos, Lkws und Busse. Experten schätzen, dass der Konzern damit zum vierten Mal in Folge weltgrößter Autobauer ist.

Große Nachfrage nach SUVs

VW profitierte vor allem von der Nachfrage nach Stadtgeländewagen. Verkaufszuwächse verbuchte der Autobauer auf seinem größten Markt in China (plus 0,6 Prozent) sowie in den USA (plus 2,5 Prozent), Südamerika (plus 3,2) und Europa (plus 3,9). Die Zahl der verkauften Elektroautos, wozu VW Hybridautos und vollelektrische Wagen wie den E-Golf zählt, habe um rund 80 Prozent auf mehr als 140.000 Fahrzeuge zugelegt. Der Konzern hatte bereits Anfang Jänner erklärt, dass der Absatz 2019 doch leicht über dem Vorjahr gelegen sei. Davor war das Management von einem stabilen Absatz ausgegangen.

Im Vorjahr 2018 hatte Volkswagen dank seiner beiden Lkw-Töchter MAN und Scania mit 10,83 Millionen Fahrzeugen einen Wimpernschlag vor dem Markenverbund aus Renault, Nissan und Mitsubishi gelegen. 2019 machte jedoch die Autokrise Renault und Nissan zu schaffen. Zudem belastete die Affäre um den Rausschmiss von Carlos Ghosn, der bis dahin alle Fäden in der Hand gehalten hatte, die Allianz. Toyota, 2018 auf Rang drei, schraubte seine Absatzerwartungen erst im Herbst leicht zurück. Für das noch bis März laufende Geschäftsjahr 2019/20 rechnet der Konzern mit 10,7 Millionen Auslieferungen. (red, APA, Reuters, 14.1.2020)