Nicola Sturgeon strebt ein zweites Referendum an.

Foto: AFP/ANDY BUCHANAN

In Schottland sind viele Menschen für die Unabhängigkeit.

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London – Der britische Premier Boris Johnson hat den Antrag Schottlands auf ein Unabhängigkeitsreferendum klar abgelehnt. Eine solche Abstimmung würde den politischen Stillstand, der in Schottland im vergangenen Jahrzehnt geherrscht habe, verlängern, schrieb Johnson in einem Brief an die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon am Dienstag.

"Es ist Zeit, dass wir alle daran arbeiten, das gesamte Vereinigte Königreich zusammenzubringen", erklärte Johnson. Sturgeon zeigte sich über die Absage nicht überrascht. "Das haben wir erwartet, es wird keinen Bestand haben." Die Schotten hätten ein Recht darauf, ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Noch im Jänner will Sturgeon ankündigen, wie sie weiter vorgeht.

SNP in Schottland deutlich gestärkt

Angesichts des bevorstehenden britischen EU-Austritts sind die Rufe nach einem Unabhängigkeitsreferendum lauter geworden. Sturgeons linksliberale Nationalpartei (SNP) tritt für einen Verbleib Schottlands in der EU ein. Bei der britischen Parlamentswahl im Dezember wurde die SNP in Schottland mit Abstand stärkste Kraft.

Ein Referendum darf jedoch nur mit Zustimmung der Regierung in London stattfinden. Sturgeon hatte Johnson deshalb noch im Dezember um Verhandlungen gebeten mit dem Ziel, dass die Befugnis zum Abhalten eines Referendums von London auf Edinburgh übertragen wird.

Brief an Sturgeon

Diesem Antrag, der zu weiteren Unabhängigkeitsreferenden führen würde, könne er nicht zustimmen, schrieb Johnson in seinem Brief, den er auf Twitter veröffentlichte.

Sturgeon habe zudem erklärt, dass das schottische Unabhängigkeitsreferendum von 2014 innerhalb einer Generation eine einmalige Sache gewesen sei. Damals lehnte eine Mehrheit der Teilnehmer eine Loslösung von Großbritannien ab. Die Abstimmung fand allerdings vor dem Brexit-Referendum im Juni 2016 statt. (Reuters, 14.1.2020)