Richmond – Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen kamen am Montag tausende Waffenbefürworter in Richmond, der Hauptstadt des US-Staats Virginia, zu einer Kundgebung zusammen. Viele von ihnen waren bewaffnet. Sicherheitsbehörden und Politik befürchteten im Vorfeld, dass sich gewaltbereite Rechtsextreme unter die Demonstranten mischen könnten.

Tausende Waffenbefürworter haben sich gegen Mittag versammelt.
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Der demokratische Gouverneur Ralph Northam erklärte vorsorglich den Ausnahmezustand für Richmond und verhängte ein Waffenverbot für den Platz der geplanten Kundgebung vor dem Sitz der Regierung Virginias. Teilnehmer die den Reden bei der Kundgebung zuhören wollten, mussten deshalb ihre Waffen am Sicherheitscheck abgeben.

Aus Sicherheitsgründen wurde für den Veranstaltungsort der Kundgebung ein Waffenverbot verhängt.
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Nach dem offiziellen Ende der Kundgebung teilten die Behörden auf Twitter mit, es habe keine Festnahmen gegeben, der Platz vor dem Kapitol habe sich geleert. Schätzungsweise 22.000 Menschen hätten sich an der Kundgebung beteiligt.

Vergangene Woche hatte Northam erklärt, dass gewaltbereite, bewaffnete private Milizen und hasserfüllte Gruppen "böswillige Handlungen" bei der Demonstration planten. "Sie kommen nicht, um friedlich zu demonstrieren." Bürger der Stadt wurden aufgerufen, sich nicht in der Innenstadt aufzuhalten, wenn dies nicht zwingend notwendig sei.

Verhaftungen und Warnungen im Vorfeld

"Niemand will einen weiteren Vorfall wie den, den wir 2017 in Charlottesville erlebt haben", sagte der Gouverneur. Bei einer Demonstration weißer Nationalisten und Neonazis wurde am 12. August 2017, ebenfalls in Virginia, eine Frau getötet als ein Rechtsextremist sein Auto in eine Gegendemonstration steuerte.

Viele tragen militärische Ausrüstung.
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Eine Woche vor der Kundgebung hat das FBI drei Mitglieder einer kleinen Neo-Nazi-Gruppe festgenommen, die laut Behörden vorhatten die Veranstaltung in eine rassistische Richtung zu lenken, ähnlich der Demonstration in Charlottesville 2017. Tammy Lee, eine Internetpersönlichkeit aus der rechtsextremen Szene die von sich behauptet die "Unite the right"-Demonstration in Charlottesville mitorganisiert zu haben, sagte im Vorfeld der Kundgebung in Richmond: "Was sich da aufbaut ist vermutlich etwas vom Intensivsten das ich je gesehen habe." Christian Yingling, Anführer der "Pennsylvania Light Foot Militia" und Organisator der "Unite the right"-Demonstration 2017 sagte: "Mit 50.000 bis 100.000 Menschen die kommen könnten, hat dieses Ding ein enormes Potenzial."

Die National Rifle Association (NRA) ist die wichtigste Waffenlobby-Organistaion in den USA.
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Kundgebung gegen schärferes Waffengesetz

Die Veranstalter des alljährlichen "Lobby Day" riefen die Teilnehmer auf, friedlich für ihre Waffenrechte zu protestieren und auffällige Personen zu melden. "Wenn dir deine Waffenrechte im Geringsten wichtig sind, ist es wichtig, dass du an dieser Kundgebung teilnimmst", heißt es in dem Aufruf der Bürgerrechtsliga Virginias.

Der Protest richtet sich insbesondere gegen Pläne der regierenden Demokraten, die Waffengesetze in dem US-Staat zu verschärfen. Ein Gesetz soll unter anderem den Kauf von mehr als einer Schusswaffe pro Monat verbieten. Bei einer Wahl im November war es den Demokraten gelungen, die bisher knapp von den Republikanern gehaltene Mehrheit in beiden Parlamentskammern zu übernehmen.

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Viele Teilnehmer waren trotz Waffenverbots schwer bewaffnet.
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Trump schrieb am Freitag auf Twitter, das Recht auf Waffenbesitz der Menschen in Virginia sei ernsthaft in Gefahr. "Das passiert, wenn ihr die Demokraten wählt, die euch eure Waffen wegnehmen wollen", erklärte der US-Präsident. "Das ist nur der Anfang. Lasst es nicht zu."

Zwei Tote bei Schüssen in Kansas

In den USA kommt es immer wieder vor, dass Bewaffnete in Schulen, Einkaufszentren oder an anderen öffentlichen Orten um sich feuern. Erst am Montag wurden zwei Menschen vor einem Nachtklub in Kansas City im Bundesstaat Missouri durch Schüsse getötet. Bis zu 15 weitere wurden verletzt, wie örtliche Medien berichteten. Ein Mann habe auf mehrere Personen gefeuert, die vor dem Lokal in einer Schlange auf Einlass warteten. (APA, red, 20.1.2020)