Das nationale Fernsehen zeigt einen Raketentest Norkoreas.

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München – Nordkorea wird in diesem Jahr erstmals einen Regierungsvertreter zur Münchner Sicherheitskonferenz schicken. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger erwartet den stellvertretenden Außenminister Kim Son-gyong beim weltweit renommiertesten Expertentreffen zur Sicherheitspolitik vom 14. bis 16. Februar.

Der abgeschottete Norden Koreas ist um vieles ärmer als der Süden.
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Er rechne auch mit der Teilnahme des iranischen Außenministers Mohammed Javad Zarif. Aus den USA hat sich neben Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Mark Esper die Sprecherin des Repräsentantenhauses und scharfe Widersacherin von US-Präsident Donald Trump, Nancy Pelosi, angekündigt.

56. Konferenz in München

Die Münchner Sicherheitskonferenz findet in diesem Jahr zum 56. Mal statt. Bisher haben 18 Staatschefs, zwölf Regierungschefs und 70 Außen- und Verteidigungsminister ihr Kommen zugesagt. "Das Interesse an der Konferenz ist größer denn je. Wir haben allerdings schon in den letzten Jahren Kapazitätsgrenzen erreicht", betonte Ischinger. Deswegen wolle man die Zahl der Teilnehmer nicht noch weiter steigen lassen.

Der iranische Außenminister Javad Zarif wird genauso in München erwartet wie viele seiner internationalen Kollegen.
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Nordkorea wurde nach Ischingers Angaben in diesem Jahr erstmals zur Sicherheitskonferenz eingeladen. "Ich bin der Meinung, wenn Nord- und Südkorea über eine Entspannung verhandeln und sich sogar Trump persönlich mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un trifft, dann kann eine solche Einladung nicht falsch sein. Wir haben ja schließlich auch diplomatische Beziehungen mit Nordkorea", sagte der ehemalige deutsche Top-Diplomat, der unter anderem Botschafter in Washington war. Trump hatte Kim zuletzt im Juli an der innerkoreanischen Grenze getroffen und dabei als erster US-Präsident nordkoreanischen Boden betreten.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und US-Präsident Trump sind bereits mehrmals aufeinander getroffen – zuletzt an der innerkoreanischen Grenze.
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Auch Iran eingeladen

Ischinger hatte bereits im vergangenen Jahr die Einladung Nordkoreas erwogen. "Ich finde, jetzt ist ein Zeitpunkt erreicht, wo man es versuchen sollte." Er könne sich vorstellen, Vertreter aus Nord- und und Südkorea sowie den USA zusammen auf das Podium zu bringen.

Auch den Iran lud Ischinger trotz aller Spannungen in der Golfregion ein. "Das ist eine gewisse Tradition für uns, davon lasse ich mich auch nicht abbringen. Also: Iran wird da sein." Die USA hatten Zarif nach dessen Angaben Anfang Jänner ein Visum für einen Besuch bei den Vereinten Nationen verweigert.

Wer vertritt Gastgeberland?

Ob Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und/oder Bundeskanzlerin Angela Merkel nach München kommen, gab Ischinger noch nicht bekannt. Beide sind eingeladen. Merkel hatte allerdings erst im letzten Jahr eine vielbeachtete Rede in München gehalten. Der letzte deutsche Bundespräsident bei der Sicherheitskonferenz war Joachim Gauck 2014.

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Vom 14. bis zum 16. Februar wird in München auf höchster Ebene über Sicherheitspolitik diskutiert.
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Aus China wird Außenminister Wang Yi erwartet. Der wollte eigentlich schon im vergangenen Oktober nach Deutschland kommen. Er sagte den Besuch aber ab, nachdem sein deutscher Amtskollege Heiko Maas im September in Berlin mit Joshua Wong gesprochen hatte, einem Anführer der prodemokratischen Bewegung in Hongkong.

Zerfall des Westens Thema

Ischinger will sich bei der Konferenz den aktuellen Krisen widmen, dabei aber auch die großen Linien der Außenpolitik nicht aus den Augen verlieren. Deswegen soll auch der Zerfall des Westens ein zentrales Thema sein. "Wir dürfen uns nicht mit 27 Einzelkrisen verzetteln, sondern müssen auch die grundsätzlichen Fragen nach Weltordnung, nach regionaler Ordnung oder Unordnung, nach der Zukunft des Westens stellen. Es sieht ja nicht gerade danach aus, dass der Westen im Begriff ist, sich weiter auszubreiten, er ist ja eher unter Druck geraten."

Wolfgang Ischinger organisiert das weltweit wichtigste sicherheitspolitische Treffen. Zahlreiche Spitzenpolitiker haben sich dieses Jahr bereits für die Münchner Sicherheitskonferenz angekündigt.
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Besonders wichtig ist dem Konferenzleiter auch vor diesem Hintergrund, dass die USA in München stark vertreten sind. "Trotz der Spannungen zwischen der (deutschen) Bundesregierung und der US-Regierung macht die Trump-Administration das Richtige: Sie kommt in Scharen, weil sie weiß, dass es eine wichtige Veranstaltung ist." (APA, dpa, 23.1.2020)