Das Who is who der Fluglinien musste seine 737-Max-Modelle bei Boeing zwangsparken.

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London/Chicago – Angesichts der Probleme mit den Maschinen des Typs 737 Max legt der neue Boeing-Chef Dave Calhoun die milliardenschweren Pläne für ein neues mittelgroßes Flugzeug vorerst auf Eis. Er beorderte die Entwickler zurück ans Reißbrett, weil sich die Wettbewerbsbedingungen verändert hätten. Es müsse neu gedacht werden. Calhoun wolle eine neue Einschätzung darüber, welche Art von Flugzeug künftig nachgefragt werde, präzisierte ein Konzernsprecher am Donnerstag.

Nach den Abstürzen von zwei Maschinen des Modells 737 Max mit hunderten Toten war die Entscheidung über die Entwicklung eines neuen mittelgroßen Flugzeugs ("NMA") mit 220 bis 270 Sitzen verschoben worden.

Produktion wieder ab Jahresmitte

Außerdem hält Calhoun daran fest, die Produktion des derzeit mit Flugverbot belegten Modells 737 Max vor Jahresmitte wiederaufzunehmen – obwohl Genehmigung und Freigabe durch die Flugsicherheitsbehörden länger dauern werden. Die umfangreichen technischen Prüfungen könnten sich bis in den Winter hinziehen, hat es am Mittwoch in Konzernkreisen geheißen. Die Produktion solle langsam und kontinuierlich bereits Monate vor der Freigabe wieder hochgefahren werden, sagte der Boeing-Chef. Es gebe keine Überlegungen, die 737 Max aufzugeben. "Ich stehe voll und ganz dazu – und das Unternehmen auch." Man rechne Mitte des Jahres mit einer Wiederzulassung des Flugzeugs durch die Behörden, hieß es.

Der Bau der Maschinen dieses Typs steht seit Dezember still, da die Flugzeuge weltweit am Boden bleiben müssen, nachdem bei zwei Abstürzen in Indonesien und Äthiopien innerhalb von fünf Monaten 346 Menschen gestorben sind. Nach Einschätzung von Analysten schreibt der Konzern wegen des Flugverbots pro Monat rund eine Milliarde Dollar (rund 900 Millionen Euro) Verlust.

Calhoun betonte, an der Zahlung der Dividende festzuhalten und sie auch nicht kürzen zu wollen. Boeing habe die finanziellen Mittel für die Ausschüttung. Die US-Ratingagentur Fitch senkte ihren Ausblick für Boeing auf "negativ". Damit droht in absehbarer Zukunft eine weitere Herabstufung. (Reuters, red, 23.1.2020)